Von früher Einschulung und Spaßkämpfen-Blogstöckchen für Alle

Auf dem Gassigang traf ich S. Und von A nach B, erzählte er von seinem Neffen, der im Kindergarten sei. Davon dass die Erzieher gegen eine Einschulung mit fünf seien. Die Kinder würden nur spasskämpfen, aber sonst nichts richtiges tun. Spasskämpfen würde ja auch hibbelig machen.

Das kurze Gespräch ließ mich nicht mehr los. Jedes Kind ist ist verschieden, aber der frühen Einschulung stehe ich auch skeptisch gegenüber. Es gibt Kinder, bei denen man spürt, dass jetzt etwas anderes kommen muss, aber in den meisten Fällen ist es nicht so. Kinder brauchen Zeit um die Schulreife zu erlangen, vor allem brauchen sie Zeit zum spielen. Diese Zeit kommt nie wieder und sie ist kostbar. Hier ein Beitrag aus der Brigitte zur frühen Einschulung. Und schon im Kindergarten ist es nicht immer leicht, zwischen Schwimmen, Turnen, Ausflügen, Singen, Theaterstücken, Malen, Basteln noch Zeit zum spielen zu finden. Ich frage mich manchmal wie das auf abholende Eltern so wirkt, wenn die Kinder einfach nur im Garten spielen und die Erzieher daneben stehen und vermeintlich nichts tun. In der Regel tun sie. Sie beobachten, bieten Hilfen an, Lösungsmöglichkeiten bei aufkommenden Reibereien. Aber auch das Zulassen der Langeweile braucht Mut.

Warum auch Spasskämpfen seinen Platz im Kindergarten haben darf, findet man hier.

Was erwartet ihr von einem Kindergarten?

Ist Spasskämpfen sinnvoll oder unnötig?

Frühe Einschulung Ja oder nein?

Seid ihr beunruhigt, wenn euer Kind über eine längere Zeit nichts gebasteltes mit nach Hause bringt?

„Balkanschriftsteller, was für ein Quatsch!“

Geträumt:

Hab unten an einer Rolltreppe gesessen. Alle fuhren nach oben, nur ich sass da. Auf einem Stuhl, schwer und behäbig, einen Stapel Bücher neben mir. Zu müde und unkonzentriert um zu lesen. Bis dann dieser jungenhafte Schriftsteller kam, auf die Rolltreppe sprang und rief: „Balkanschriftsteller, was für ein Blödsinn! Entweder ist man Schriftsteller oder man ist keiner.“

Ich gab zu Bedenken, dass Herkunft doch prägt. Die Bilder der Sprache, die Landschaft, die Menschen.

„Mich nicht“, sprach er, „ich bin ganz neu.“

Ich hatte Einwände: „Neu zu sein als Qualität scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. “ Deutete dann auf Menschen die mit grauen Gesichtern und leeren Blick durch die Wandelhalle gingen.

“ Ich bin neu, immer, jeden Tag.“

„Hej warte“, rief ich ihm hinterher, „versprich mir dass du an einem neuen Buch schreibst!“

„Mal sehen“, sagte er und „Balkanschriftsteller, was für ein Blödsinn!“

 

„Hab mir gerade „Die Obstdiebin“ von Peter Handke (aufmerksam geworden durch eine wunderbare Rezension bei literaturleuchtet und Franziska Seyboldts Buch: Rattatatam mein Herz “ (aufmerksam geworden durch die  ebenso wunderbare Rezension von literatourismus) zurücklegen lassen. Das wird ein guter Tag:)

Inspiriert hat den Traum wahrscheinlich ein Beitrag von Linus Giese (Buzzaldrin) im Gespräch mit Sasa Stanisic

Klassenfahrt ins KZ

Anna hat mit ihrer Klasse ein KZ besucht, eine Pflichtveranstaltung so las ich es in dem Artikel, den Wildgans im Kommentar verlinkte.

Als ich vor zwei Tagen in das Zimmer meiner ältesten Tochter trete,  faucht sie mich an: „Geh raus!“

„War schlimm?“

„Ja, was denkst du denn? und jetzt lass mich in Ruhe.“ Ich schließe die Tür.

Die Kommunikationslosigkeit in diesem Alter. Ich denke daran, wie es mir damals ging.

Etwas muss ich in meiner Kindheit oder Jugend über das Konzentrationslager gesehen oder gelesen haben, ab diesem Zeitraum träumte ich von Verfolgung und Deportation. Ich war etwa zwölf. Im Traum stand ich am Stacheldrahtzaun, sah mein Leben an mir vorüberziehen, das schöne und sorglose Leben, das nun vorbei war. Ich habe keinen jüdischen Hintergrund, „aber einen deutschen“,  um es mit den Worten Gerda Kazakous zu sagen.

Oft wachte ich nachts schweißüberströmt auf.  „Warum Papa? Wie kann der Mensch zu etwas fähig sein?“ Mein Vater mit einem immensen geschichtlichen und politischen Wissen, versuchte zu erklären. Die Leichenberge verhungerter Häftlinge konnte er mir nicht erklären. Der Schock saß tief.

Ich habe meinen Kindern versucht diesen Schock in dieser Form zu ersparen, aber man kann ihn nicht ersparen. Man darf ihn auch nicht ersparen. Und ich weiß nicht wann das richtige Alter dafür da ist, um das verdauen zu können.

Als ich vierzehn Jahre alt war fuhren wir mit der Klasse nach Buchenwald. Ich hatte anderes im Kopf, es berührte mich kaum oder ich wehrte es ab. Wie im Artikel beschrieben, ist ja auch kaum noch etwas zu sehen.

Ich hatte Anna gesagt, in deinem Alter hatte ich auch eine Klassenfahrt ins KZ. Aber erst in Ausschwitz habe ich geweint, und das Ausmaß bewusst begriffen. Ich habe ihr verschwiegen, dass ich Ausschwitz nicht geschafft habe, dass ich gerade noch bis zur Toilette kam, mich übergab. In Ausschwitz waren es die Kammern mit Brillen , Zahnbürsten und Schuhen die es für mich unaushaltbar machten.

Anna hat mit mir nicht darüber gesprochen, sie wird ihren Weg finden, damit umzugehen.

Unser Kater stirbt….

03000143Anna ist sauer: „Siebzig Euro für Zuckerwasserspritzen! “ Der Kater stirbt und sie macht damit noch Geld…Morgen gehen wir wieder zu unserem Tierarzt des Vertrauens Mama. Der würde sowas nie machen.“

Der Kater stirbt und wir wissen nicht woran.  Er der schüchterne aber kräftige und energiegeladener Kater mit den schönsten blauen Augen,  ist nur noch ein Häufchen Elend, sucht unsere Nähe. Man fand Luis damals noch als Babykitten auf den Straßen Spaniens. Er wuchs im Tierheim auf.

Nun liegt er  unterm dem Tannenbaum, schwach und ruhig. Wir haben Familienrat gehalten: gemeinsamer Beschluss, wir lassen ihn nicht einschläfern. Wir sind traurig. ER ist nur drei Jahre alt….

Sonntag im Januar auch lesend -„Drehtür“ von Katja Lange und Regen bringt …..

Morgens lange gelesen. Nachdem ich bei Sätze und Schätze  über eine neugierig machende Besprechung von „Drehtür“ stolperte, fiel mir ein, dass ebenjenes Buch ungelesen im Regal steht, Bestseller nicht verlängerbar. Die Bücherhallen warten bereits.

Es geht ums Helfen, um das Warum, um Entwicklungshilfe um genau zu sein. Ich wollte damals auch nach Nicaragua. Das war 89 und muss mit der östlichen Sozialisation zu tun gehabt haben, Tamara Bunke ist mir ebenfalls ein Begriff.  Der Roman scheint ein assoziativer Rückblick auf das eigene, aber auch fremde Leben zu sein. Ich verschwinde im Buch, ich mag es sehr,  bis ich erschrocken feststelle, dass Zeit zum Kochen ist. Ich suche ein Hörspiel heraus, die Gemüseverarbeitung langweilt mich. Bei diesem blauen Himmel geht Dostojewski nicht- zu schwer, zu düster. Die Suche gestaltet sich etwas schwierig, höre schließlich einen Abschnitt  aus „Der Suche nach der verlorenen Zeit“. Schneide Pastinaken, Möhren, Kartoffeln und rote Beete, während im Hause „Swann“ empfangen wird. Macht das Kunst aus, dass jene Geschichten so aktuell bleiben, zeitlos sind?

Es gibt Backkartoffeln mit Backgemüse, zwischendurch kutschiere ich Karla, hänge Wäsche auf, Geschirrspüler, das Übliche eben -nicht weiter erwähnenswerte. Bevor ich mich mit Ubu in die frostklare Luft begebe, schaue ich nach Stanisic. „Vor dem Fest“, (wunderbare Buchbesprechung bei literatourismus gefunden), das war ein Buch…Ich bete inständig, dass er bereits am Schreiben eines neuen Romanes ist. Vorerst begnüge ich mich mit piqd.

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Es gibt es noch, das Licht. „Kein anständiges Himmelblau“, bemerkt Karla kritisch, ich habe nichts auszusetzen.

Dieses hier ist nicht der Fluss, nein es ist der Wanderweg. Kniehoch steht das Wasser. Während Ubu auf seine alten Tage übermütig durch die Fluten jagt, trage ich Luna durch  die neue Seenlandschaft. Einige Fahrradfahrer bahnen sich mutig ihren Weg. Eine ältere Dame mit roten Schuhen fragt besorgt ob das Wasser noch tiefer würde. Ich weiß es nicht, hätte allerdings Angst im Modder stecken zu bleiben. Ich bin mal im Winter barfuß durch die Pfützen, um die Schuhe zu schützen. Die Kälte trieb mir die Tränen in die Augen, so heroisch war das. Den Rest des Tages hatte ich warme Füße. Trotzdem, wiederholt habe ich das nicht.  Ein junges Paar weicht auf die Wiesen aus, den Kinderwagen tragend.  An einer Pfütze bricht sich ein kleiner Junge mit leuchtenden Augen immer wieder Eisstücke heraus und wirft sie ins Wasser. Ein Vater bringt seinem Kind das Angeln bei.

 

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Ob ich den Elefanten von Dostojewski im Alltag bewältigt bekomme ist fraglich. Zu viele Unterbrechungen machen den Wiedereinstieg jedesmal schwer. Außerdem ist der nächste Geschirrspülgang schon durchgelaufen, eine Ladung Wäsche muss noch in die Waschmaschine, Karla muss eingesammelt werden. Vielleicht reicht die abendliche Konzentrationsfähigkeit dann gerade noch für den „Tatort“.

Apropo Film: Krause ist gut, aber Krüger sollte man sich trotzdem nicht antun. Mehr als seicht; leider. Da ist „Schultze gets the Blues“ aus anderem Holz geschnitzt.

 

Was machst du eigentlich an einem Freitag im Januar?

Heute ist wieder Tagebuchbloggen  bei Frau Brüllen und ich bin mit dabei.

Es regnet, regnet, regnet.  Die Spätschicht kommt meinem Biorythmus entgegen. Bis spät in die Nacht habe ich noch in „Die Dämonen “ von Dostojewski gelesen. 20180103_190942Der Dreiundfünfzigjährige will das junge Ding nicht heiraten, muss aber wegen der Mitgift.  In der Nacht träume ich von weiten Reisen ohne Geld.

Jetzt aber ist es 8.45 Uhr, der Tag beginnt, nichts ist zu hören. Nichts außer dem gleichmässigen Klopfen der Regentropfen. Gefühlt haben wir die Sonne seit Wochen nicht gesehen. „Regenland Schleswig Holstein“ so rufen es die Kieler Nachrichten an diesem Morgen fettgedruckt in die Welt. Und: „Sie werden staunen: Nächste Woche scheint die Sonne.“

Ich lass die Hunde in den Garten, in den Regen, koch mir einen Cappucino und sehe in Samys Blog einen Ausschnitt aus einem Ballett. Wär es nicht Ulm, würd ich es mir unbedingt ansehen. Neuerdings habe ich morgens Zeit den Reader abzugrasen. Er inspiriert. Es ist schön inspiriert in den Tag zu starten.

Kurz vor zehn fahre ich los.

Im Kindergarten wird gebastelt. Wir haben Kisten mit Selbstbedienungsmaterial, Papier jeder Couleur und Art. Heute entstehen etwas verspätet: Tannenbäume. Die Kinder verarbeiten Weihnachten. Sie basteln frei. Nur selten benutzen wir Schablonen als Hilfsmittel. Nebenbei wird gesungen: Schneemann rolle rolle, obwohl vom Schnee weit und breit nichts zu sehen ist.  Wir wollen bald im Chor mit vielen älteren Menschen singen, alte und neue Lieder, dafür üben wir.  Nach einer Stunde ist die Geduld zu Ende. “ Dürfen wir jetzt spasskämpfen?“

Sie dürfen. Es  wird ein Stoppzeichen ausgemacht, besprochen was erlaubt ist, was nicht und dann losgelegt. Es klappt. Natürlich geht das alles nicht ohne kleine Streitereien oder Konkurrenzkämpfe vonstatten, aber  das soziale Know how ist insgesamt bei den meisten gut ausgeprägt. Ich habe lange gebraucht um das Spaßkämpfen zu akzeptieren bzw. zuzulassen. Aber ich habe gelernt, das diese Raufereien mit Regeln einen hohen Lernfaktor haben. Wie stark bin ich? Wie deutlich muss ich Stop sagen? Es sind meistens die Jungs die es immer wieder mal einfordern. Neben dem ganzen Programm von Kleingruppenarbeit, Schwimmen, Theaterstücke einüben, basteln, singen, Ausflügen muss auch Zeit für Freispiel sein.

Nach dem Mittagessen, es ist immer biologisch selbstgekocht, geht es hinaus: in den Regen. Es ist oft schwierig die Kinder zu überzeugen, die Mühe des Regenhosenanziehens auf sich zu nehmen.

Eine riesige Sandburg wird gebaut, aus Tannenzweigen drum herum ein Wall gebaut.

Es ist dunkel als ich nach Hause komme. Der Gatte baut seit Tagen Regale für die Küche.20180105_194352

„Gatte wir brauchen einen neuen Kalender.“

Ich lege die Hunde an die Leine, Luna mag keinen Regen.  “ In Kreta liegt jetzt Schnee“, versuche ich sie zu ermuntern. Schnee findet sie richtig fürchterlich. Es hilft nichts. Sie hält ihre kleine Kokoninase angewiedert in die Luft. Karla braucht eine neue Jacke, die Hunde Nassfutter, also müssen wir ins Shoppingcenter-ohne Hunde. Karla geht zum Glück nicht gerne einkaufen. Wir sind schnell wieder da. Julius liest und Anna ist im Moment mehr weg als da.

Jetzt beginnt er der Entspannungsmodus. Heute weilt Krause in Griechenland. Und ich habe eine wirkliche Schwäche für Krause.  Kein Ulysses heute, wahrscheinlich auch kein Dostojewski, auch kein Reader, stattdessen Krause. Es ist Freitag. Ein ganz normaler Freitag im Januar