Proust lesen Tag 61-Im Schatten junger Mädchenblüte-Albertine

Proust: da ich auch heute keinen Computer zur Verfùgung habe, gibt es nur Stichpunkte. Marcel trifft auf Elstir dem Maler. Sie sprechen über die Kirche in Balbec und darüber was einem verborgen bleibt, wenn man zu flüchtig wahrnimmt.

Und Marcel trifft Albertine im Atelier von Elstir.

Plõn:

Morgens lange die Stille genossen, gelesen, gefrühstückt, wieder eingeschlafen. Luise war arbeiten und so hatte ich das Haus für mich allein. Erst hier werde ich meiner Erschõpfung wirklich gewahr. Eine Fahrradtour zum Cafe am Fluss, Eiskaffee, Proust, der Geruch nach Brackwasser. Später mit Luise an den See gefahren und essen gewesen. Morgen geht es wieder nach Hause.

Proust lesen Tag 60-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec

Plön

Luise hat Fluchthilfe geleistet, ich bin getürmt.Terezia Mora sprach heute morgen im Interview, dass es auch eine Aufgabe sein koennte, immer in dieselbe Sackgasse zu laufen. Ihr Statement zur Situation in Ungarn passgenau und scharfsinnig. Es geht mir noch immer besch….Bei Luise ist Stille, ein paar krähende Hühner, Kaninchen und Meerschweinchen, das Haus lebt anders. Hier feierte ich allein ins neue Jahr hinein, lesend.

Es ist ein Zufluchtsort, wenn das Leben zu sackgassig wird und ich mir Filme wie Brot und Tulpen oder Tajnosti ansehe.

Keine weiteren Internas , es geht weiter mit Proust, den ich heute kaum lesen konnte, weil es ständig laermte, klapperte, ein Handy summte, Musik dröhnte.

Proust: Marcel versucht sich gesund zu erhalten, um das Buch welches er einmal schreiben will möglich zu machen. Er trinkt keinen Kaffee, geht früh schlafen bis er ins Rivelle geht und dort dem Alkohol zuspricht. Im Rausch verschwindet alles was bisher von Wichtigkeit war, die Gegenwart aber ist voller intensiver Reize. Marcel ist für diesen Abend ganz bei sich.

Proust lesen Tag 59-Im Schatten junger Mädchenblüte-Die Faszination Albertine

Kiel/Kaliforniendav

Heute beginne ich zuerst mit dem Privaten, mit den Alltagssequenzen und warum an einem einzigen Tag, zudem nach durchwachter Nacht, sich sämtliche Krisen zu bündeln scheinen. Was für ein besch…..Tag, trotz Sonne, Strand und Urlaub.

Und Karla hat es auch erwischt. Ein Lehrer dem sie unglaubliche Fortschritte in ihrer Stimme zu verdanken hat, hört auf zu unterrichten. „Was soll ich denn jetzt machen Mama?“, fragt sie. Manchmal habe ich keine Antworten.

Und heute gibt es vor Proust erstmal Kazantzakis, weil mir die Sätze die ganze Zeit im Kopf herumschwirren und sie vielleicht Ruhe geben, wenn ich sie hier freilasse:

Für H.

„Ich räume mein Werkzeug zusammen, Gehör, Gesicht, Geruch, Geschmack, Gehirn. Es ist nun Abend geworden, der Arbeitstag geht zu ende, ich kehre wie ein Maulwurf nach Hause in die Erde zurück. Nicht, als ob ich des Arbeitens müde geworden sei, ich bin nicht müde, aber die Sonne ist untergegangen.“

Ich werfe einen letzten Blick um mich, von wem soll ich Abschied nehmen? Wovon soll ich Abschied nehmen?

„Wem soll ich meine Freuden und meine Traurigkeiten anvertrauen, die die heimlichen donquichottischen Sehnsüchte der Jugend, den harten Zusammenstoß  später mit Gott und mit den Menschen, und schließlich den wilden Stolz, den das Alter kennt…Wem soll ich sagen, wie viele Male ich beim Hinaufklettern mit den Füßen mit den Händen auf dem steilen, steinigen Wege Gottes abglitt und hinabfiel, wie viele Male ich blutend aufstand und von neuem hinaufzuklettern begann.“

Proust: heute nur zehn Seiten

Marcel oder der Erzähler geht der Frage der Faszination und Projektion nach. Fasziniert uns was uns fremd ist und dessen Qualitäten wir uns gern zu eigen machen würden?  Marcel und das ist für mich schwer nachvollziehbar, hat sich zunächst in die ganze Mädchengruppe verliebt. bzw. ist fasziniert von ihr. Er will das Fremde in etwas eigenes umwandeln.

 

Proust lesen Tag 58-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Die kleine Schar

Jetzt taucht Albertine auf. Lässig ihr Fahrrad mit einer Hand vor sich her schiebend, inmitten ihrer Freundinnen. Die anderen tragen Golfschläger, ihre Aufmachung unterscheidet sich von allen anderen jungen Mädchen in Balbec. Marcel kann sie keiner Klasse zuordnen. Sie beherrschen ihre Gesten, ihre Körper sind durchtrainiert, ihr Gebaren enthüllt ihre kühle, oberflächliche, harte Natur, zusammengefunden aus dem Widerwillen gegen alles Verweichlichte, Nachdenkliche, Ungeschickte. Sie empfinden sich als eigene Rasse.

So ziehen sie über die Strandpromenade wie ein neuer Komet am Himmel. Eine Bankiersfrau hatte ihren pflegebedürftigen Mann im Schutze des Musikpavillons auf einen Faltstuhl hingesetzt. „Das Podium der Musiker bildete über seinem Kopf ein natürliches, verlockendes Sprungbrett, auf dem ohne zu zögern die Älteste der kleinen Schar ihren Anlauf nahm, dann sprang sie über den erschrockenen Alten hinweg, wobei sie seine Strandmütze mit ihren gewandten Füßen berührte-zum Ergötzen der anderen Mädchen…“

„Der alte Knabe kann einem leid tun; der kratzt sicher bald ab“, bemerkte eines der Mädchen mit rauer Stimme und in halb ironischem Ton.“

Was wenn die Golfschläger Baseballschläger wären? Diese Frage tauchte damals im Seminar auf. Sah Proust das Einbrechen einer neuen Zeit voraus? Weit voraus?

Hamburg

Im Musical gewesen, großes Kino. Ich weiß nicht ab wann hier etwas unter Werbung läuft.

Später am Strand gesessen und gepicknickt. Ich mag Hamburg sehr.

Sah aus als gäbe es eine Wohnung im Container. So ein Tinyhouse das wär mal was.

Proust lesen Tag 57-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Abendessen bei Bloch

 

Balbec ist ein Ort in dem sich die  verschiedenen Gesellschaftsschichten mischen, beispielsweise begegnen, wie die jüdische Kolonie, Adel und Bürgertum in diesem Fall.

Saint Loup und Marcel sind zum Abendessen bei den Blochs eingeladen.

Die Blochs sind offensive Snobs und sie sind Juden. Das Jüdische findet immer wieder Erwähnung, hier in der Form das Blochs selbst den jiddischen Dialekt peinlich finden, in dieser Situation.  Die Blochs kennen die Leute ohne mit ihnen bekannt zu sein, das ist urkomisch.

Bloch Junior ist alles was Marcel nicht ist, unverschämt, laut, draufgängerisch, vulgär, ungenau, inkompetent, prahlerisch. Aber auch literarisch gebildet.  Zum anderen zeigt er offen, was Marcel verbirgt, das Streben seine eigene Kaste zu verlassen, Aufzusteigen.

Blochs Großonkel , Nissim Bernard, hat das was in Vater und Sohn Bloch angelegt ist, im vollem Umfang zur Verfügung. Er ist eine Art Münchhausen, eine Karikatur. Allein wegen dieser Persönlichkeitsbeschreibungen lohnt es sich die „Recherche“ zu lesen.

Man begegnet sich, so schreibt es Proust, aber sieht die Welt von der jeweiligen Stufe auf der man sich befindet oder man gibt vor bereits auf einer viel höheren Stufe zu stehen.


Ich frage mich, ob ich mir nicht ein Werk zumute, das ich zu bewältigen nicht in der Lage bin. Ich weiß, dass mein Verstehen rudimentär ist und das sich Schätze heben ließen, wenn man das Rüstzeug dazu hätte.

Vermutlich warte ich deshalb die ganze Zeit auf Albertine, von der ich nicht sehr viel mehr weiß, als das sie in Sportkleidung durch Balbec zieht, übere ältere Herren herüberspringt. Es war die Szene, in der mir beim Proustseminar etwas wie Schuppen von den Augen fiel.

Nie wäre ich darauf gekommen, das Albertine einen neuen Menschentyp ankündigt, eine neue Zeit.

Falls jemand also Kenntnis hat-von einem Seminar, einem Lesekreise, Begleitlektüre….

Und danke Gerda! Dein Kommentar gestern war sehr hilfreich.

Kiel Vorort

Ich hab die Katzen erwischt

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, als sie sich allein wähnten verließen sie ihr Zimmer. Die Eingewöhnung schreitet voran.

Ein sehr ruhiger Tag, an dem nicht sehr viel mehr passierte als lesen und putzen.

Morgen gehen Luise, Karla und ich ins Musical „König der Löwen“. Luise hatte mich vor 15 Jahren eingeladen, aber jedesmal war kein Geld da. Nun ist es soweit.

Nach Mary Poppins ist dies mein zweites Musical, welches ich hören und sehen werde. Sonst bin ich ja eher in der Oper zu finden. Es gibt auch hier den Standesdünkel, der meint alles was Klassik ist wäre dem Unterhaltungsbereich überlegen. Ich halte das für Quatsch.

So und jetzt sehe ich mir den Film 1984 an. Euch einen schönen Abend.

 

 

 

Proust lesen Tag 56-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Charlus

Baron Charlus trifft in Balbec ein. Ein Herr der nur zwei Finger zur Begrüßung reicht, durchdringender Blick, sich wie ein Geheimagent umsieht und Beunruhigung wie auch Müdigkeit ausstrahlt .  Einer der alles weibische und verweichlichte verachtet, selbst aber mit zuweilen hoher Stimme spricht und schrill lacht. Einer mit einer Maske aus feinem Puder auf dem Gesicht. Allein die Augen lassen hinter der Rüstung etwas erkennen. Durchaus feinsinnig und Ästhet, ebenso bedacht mit Standesdünkel. Mit der Großmutter Marcels, debattiert er über Madame Sevigny und der Liebe zu ihrer Tochter. Um ehrlich zu sein, ich freue mich auf Albertine, weit kann sie nicht mehr sein, auch wenn ich die Persönlichkeitsbeschreibung von Charlus ungemein spannend fand, aber eben erst auf den zweiten Blick.

Mittlerweile verfahre ich mit Proust so, dass ich erst mal alles im Ganzen lese (die zwanzig Seiten), dabei unterstreiche. Am Nachmittag, lese ich den Text noch mal, schlage im Internet nach was mir unbekannt ist, male Beziehungsmuster auf. So gelingt es mir, etwas mehr in die Tiefe zu kommen.

Kiel/Falckenstein/Schilksee

Was für ein Sommertag! Irgendwie arbeitete die Szene von gestern noch in mir. Da waren die haarlosen, robusten Typen mit einer „Liebe zur altdeutschen Schrift.“ (Jochen Schmidt, Schmidt liest Proust).

. Einer von denen hatte das Vaterland quer über seinen breiten Brustkorb tätowiert. Die Teenies die ein eigenes Boot hatten, fingen plötzlich an „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zu singen.

Der Gatte und ich diskutierten über Politik auf der Rückfahrt, mittlerweile endet das in Grabenkämpfen, weil wir die Grautöne nicht finden.

dav

Aber nun war da dieser sonnige Tag, an dem ich durch Gluthitze zwei Stunden mit den Hunden unterwegs war.

Nebenbei lese ich „Fliegende Hunde“, tolles Buch, aber auch Murray und Le mensch. Das war der Auslöser der Diskussion. Grundsätzlich finde ich, dass es ohne schlechtes Gewissen möglich sein muss, sich verschiedene Standpunkte anzuschauen. Die Zeiten sind unruhig geworden, Daara wurde bombardiert-zehntausende auf der Flucht, über England schwebt ein aufgeblasener Trump in Windeln, man diskutiert über an und nicht angebrachtes Mitleid.

Anna backt eine dreistöckige Torte, während ich versuche maßzuhalten um das Übergewicht einzudämmen, gleichzeitig denke ich über den Irrsinn der Leningraddiät nach. Und immer wieder schwappt diese gestrige Szene in mir hoch.

Proust lesen Tag 55- Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Bloch

Bloch scheint ein ziemlich unangenehmer Typ zu sein, er bläst sich auf, knallt Marcel unfreundliche Wahrheiten vor die Füße, tuschelt hinterm Rücken und sagt Leift statt Lift oder Veneice statt Venice, weil er davon ausgeht, dass jedes I im englischen wie ei gesprochen wird. Das erinnert mich an eine Szene im Proustseminar mit Jochen Schmidt. Da hatte sich eine ältere Dame darüber amüsiert, dass ein Teilnehmer Marquise falsch aussprach oder war es eine Teilnehmerin? Sie hatte sich vorher schon darüber beklagt, dass der Dozent zu leise spräche, es aber nicht in Erwägung gezogen, sich näher heranzusetzen.

Es werden noch einige Fehler der menschlichen Psyche beleuchtet und dann erzählt Saint Loup, dass sein Onkel erwartet wird und gibt gleich noch eine Geschichte zum Besten.

Es geht um Homosexualität: Ein Bekannter des Onkels, hatte sich einst beim Onkel eingeladen. Kaum war er durch die Tür, bekennt er sein Verliebtsein. Der Onkel im Zorn, holte sich einen Freund zu Hilfe. Sie zogen den Bekannten aus, prügelten ihn auf die Straße, wo er bei minus zehn Grad halbtot liegen blieb.

Diese Szene, erzählt bei Sonnenschein, Meeresrauschen und Urlaubsstimmung.

Kiel/Achterwehr/Westensee

Am Vormittag gepaddelt. Blaue Libellen, schwarzblaue Schmetterlinge, Eiderenten, Blesshühner, ein Bussard, Flussmuscheln, Seerosen und Sonnenschein. Die Teenies hatten ein eigenes Boot. 

An einer Anlegestelle, eine Gruppierung fast haarloser, muskelbepackter, martialisch wirkender junger Männer, die mit freiem Oberkörper und laut launigen Sprüchen ihr Bier in der Hitze tranken.

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