Proust lesen Tag 95-Guermantes-Albertine-Sie ist wieder da

Proust: Den Sprung vom Tod der Großmutter zur Begegnung mit Albertine, habe ich nicht verstanden. Aber so ist es, wenn Proust in eine Lücke gestopft wird zwischen Hunderunde und Berichten vom ersten Schultag des neuen Schuljahres.

Jedenfalls taucht Albertine überraschend wieder auf. Ich vermute, beide befinden sich in Paris.

Albertine im grauen Nebelschleier weckt nicht jenes Verlangen, welches die Albertine vom Strand damals in Balbec weckte. Enttäuschung. Überhaupt-so überlegt Marcel-wäre es vielleicht sinnvoller, sich gleich einen ganzen Harem zu halten, denn alle Frauen verlieren ihren Zauber, wenn man mit ihnen zusammenlebt.

Kiel: Ich traf auf der Hunderunde, die Berlinerin wieder, der ich etwa vor exact einem Jahr auch dort begegnet war. Damals war sie gerade aus Berlin in den benachbarten Vorort gezogen. „Ich bin gespannt“, hatte ich damals gesagt. „Warum?“, fragte sie.

Weil es hier….sagen wir mal…..etwas reizarm ist. Diesen Eindruck bestätigte sie mir, vermisste aber weniger den Großstadttrubel als die vielfalt der Bäckereien. „Überall nur Ketten“, seufzte sie.

Ich empfahl ihr (nur weil sie nachfragte) fürs jüngste sing und theaterbegeisterte Kind, den Kinder und Jugenchor der Oper. Ja das ist Werbung, aber der Chor hat diese verdient, nötig hat er sie nicht.

Abends noch schnell eine Brise Freiheit und Meer.

Wetter

: relativ kühl, immer wieder mal Regen, überall bereits das Abbild des Herbstes, braunes Laub, dass bereits raschelt, Eicheln die herumliegen und die Krähen die sich schon krächzend über den Vorort schwingen. „Herr der Sommer war groß:“

Proust lesen Tag 94-Guermantes-der Tod der Großmutter

Proust: Die Großmutter stirbt, und noch am Sterbebett gibt es Menschen die ihren Standesdünkel und egozentrisches Sein bar jeder Empathie, ausleben.

Ausgerechnet hier fehlt mir die Zeit mich tiefer damit auseinanderzusetzen. Die Familie schien sich verabredet zu haben, mich nicht lesen zu lassen.

Kiel/Heidkate

Fahrtour mit dem Gatten, die einwöchige Pause schien nichts negatives bewirkt zu haben. „Fahr nicht so rasant“, mahnte der Ehemann, der meinen Überschwang zu stoppen suchte.

Danach mit Karla beim Pferd. Die Chefin war zurück, Karla durfte reiten, ich unterhielt mich über Bedarf und Bedürfnisse.

Von Drehbuchskills zu Politik, später stieg Karla vom Pferd. Zu Hause wartete bereits Besuch. Anna hatte Kuchen gebacken, ein letzter Familiensonntag bevor die Maschinerie des Alltags morgen beginnt loszurattern. Das gesamte Rudel ist nun wieder im Gleichschritt der Schnelligkeit, anschnallen, fertig los.

Proust lesen Tag 93-Guermantes- die Großmutter

Kiel:

Früh aufgestanden um alles zu schaffen, schnell noch zum Pferd und dann zur Arbeit.

Als ich am späten Nachmittag eintreffe ist das mittagessen gekocht, die Küche geputzt und eingekauft. Der Gatte ist wieder da. Auf einer langen Hunderunde am Fluss entlang, erzählt er von den Eindrücken des Gospelworkshop in Dänemark. Unterwegs erhält er einen Anruf, dass wir zu einem Geburtstag eingeladen sind, ob wir es vergessen hätten?

„Geh mal“, sage ich, „ich hol noch schnell ein Geschenk und stell dir das Auto dann hin.“

Der Gatte biegt ab zur Party. Noch sind die Abende warm. Ich nehm mir einen Rotwein und Proust, klettere vors Dachzelt und lese Proust auf dem Bullidach. 

Um Mitternacht kam Anna aus Dänemark wieder, da schlief ich schon. Das rudel ist nun komplett und morgen der erste Schultag.

Sonniger Tag um die 22 Grad. Die Wespen werden aggressiv.

 

Proust: Die Großmutter siecht dahin. Proust beschreibt es so akribisch, dass es kaum auszuhalten ist.

Proust lesen Tag 92_Guermantes-die Großmutter

Kiel/Hamburg

Morgens 7. 00 Uhr aufgestanden, Tiere gefüttert, Frühstück gemacht,  Mittagessen gekocht, Taschen gepackt, Haushalt erledigt, eingekauft. Und dann?

Genau, dann bin ich mit Karla zum Pferd gefahren. „Mach mal heute schnell“, sage ich, „sonst schaffen wir den Zug nicht.“

Sie beeilt sich, es ist der letzte Fütterungstag. „Achso, sagt sie verschmitzt, ich hatte mich übrigens verlesen, ich sollte gar nicht jeden Tag das Pferd füttern.“

„Sondern?“

„Oft, aber ich wollte nicht, dass ihr sagt, ach heute ist es zu warm oder passt gerade nicht oder so und ohne euch darf ich da ja nicht allein hin.“

Hamburg: Der Zug hat nur wenig Verspätung und in Altona tobt das Leben. Ein letztes Mal ziehe ich durch den Stadtteil, die Proben werden wieder verlegt.

Es ist 21. Uhr als wir zu Hause sind, ich versorge die Tiere, entleere die Taschen, versorge den Haushalt.

Proust: Cottard, der Arzt, schickt die Großmutter trotz Fieber mit Marcel in die Champs Elysees. Man begegnet der Majestät des Toilettenhäuschens, die alle ihre Kunden kennt und sich sorgt, wenn  jemand mal nicht auftaucht. Der Parkwächter ist auch da, für mich wird er auf ewig mit sächsischen Dialekt sprechen.

Die Großmutter aber, erleidet einen Schlaganfall (im Toilettenhäuschen), ihr wird nur noch wenig Lebenszeit beschieden sein. Vermutlich ein traumatisches, zutiefst verstörendes Erlebnis für Marcel

 

Proust lesen Tag 91-Guermantes-Charlus

Proust:

Marcel verlässt zusammen mit Charlus den Salon. Ein geheimnisumwitterter Vertrag soll gemacht werden, Charlus will sein Wissen an den Schüler weitergeben. Dieser muss sich aber als würdig erweisen, bereit sein täglich Bericht zu erstatten, soll die Gesellschaften meiden. Charlus mit seinem umherirrenden Blick ist bisher der dubioseste und unberechenbarste Charakter in der Recherche.

Kiel:

Nachts 3.00 Uhr aufgestanden um die Berichte fertig zu schreiben. Um 7. 00 Uhr ging ich wieder zu Bett, träumte wirr und schwer.

10.00 Uhr:

Beim Pferd gewesen….

Die Katzen gefüttert, das Katzenklo sauber gemacht, die Hunde gefüttert, die Geschirrspülmaschine, die Waschmaschine, gekocht, eingekauft, geputzt-das ist Urlaub.

Die Jungs machen Popcorn und lassen es anbrennen, zum Aufräumen muss man sie holen.

Nun ja, heute Abend werde ich mit den Kindern „Tschick“ sehen.

Achso: sehr warmer Tag bei 30 Grad und feuchtschwerer Luft. Am Fluss blüht die Minze.

Ich kann keine Schlagworte mehr eingeben. Weiß jemand Rat?

Proust lesen Tag 90-Guermantes

Proust:

„…, und das Bild, das die anderen sich von unserem Tun und Treiben machen, sieht dem, das wir uns selbst machen, nicht ähnlicher als einer Zeichnung ein mißratener Abzug, auf dem an manchen Punkten an Stelle eines schwarzen Striches ein leerer Fleck und statt weißer Flächen ein unerklärlicher Schnörkel erscheint.“

Kiel

Beim Pferd gewesen. Das Kind verweilte zwei Stunden dort und ich begnügte mich damit, zu lesen. Durch die Klappe in der Schuppenwand schob sich immer wieder eine Pferdemaul.

Es ist ein Urlaub, der keiner ist, aber das war vorher klar. Abends raffe ich mich auf und laufe mit den Hunden eine große Runde am Fluß entlang. Gefühlt war ich ewig nicht mehr hier. Es ist so grün, das Schilf hoch, als hätte es die wochenlange Trockenheit nicht gegeben. Nur die Holunderernte wird wohl in diesem Jahr nichts. Die Beeren sind klein und vertrocknet. Ubu und Luna springen durchs Gras, Hochlandrinder weiden, Schwalben fliegen tief. Der Himmel ist noch immer bewölkt, die Wolken hängen fast im Fluß und mir fällt das Lied ein in dem Jaques Brel singt, das man den Himmel fast trösten müsse.

 

 

 

Proust lesen Tag 89-Guermantes

Proust: Ehrlich, wenn man Sätze aus der Recherche( die von heute) zum Thema Europa, heute bei Facebook zitieren würde, wüsste man wer sich da bedienen würde. Deshalb zitiere ich lieber nicht, um keine idenditäre Steilvorlage zu geben. Allerdings geht es ja eher um die Besiedlung Amerikas und die Auflehnung der Apachen. Es geht auch um die Wahrung des Friedens in Europa.

Kiel:

Mit Karla beim Pferd gewesen. Im strömenden Regen flüchtete sie in die Box. Zwanzig Grad, wolkenverhangener Himmel, aber die Vegetation legt noch mal los.

Es ist interessant, dass man das Gefühl hat, nichts getan zu haben, weil man nur Frühstück gemacht hat, die Katzen gefüttert, das Katzenklo gesäubert, aufgeräumt hat. Später dann zum Pferd, Mittag gekocht, Geschirrspüle ein und aus, Waschmaschine ein und aus, Berichte geschrieben, Gassi gegangen, zwischendurch Teenie 3 zur Freundin gefahren, Hunde gefüttert, einkaufen gewesen, Teenie 2 zum Freund gefahren hat.

Lese gerade einen genialen Krimi“ The Woman in the window“, eigentlich mag ich keine Krimis, aber dieser ist absolut genial.