„Die Geister die uns folgen“ von Janine di Giovanni

Die Geister die uns folgenSie weiß  wie man sich in Sicherheit bringt, in Gefahr überlebt und sich im Chaos des Krieges zurechtfindet.

Die Kriegsreporterin Janine di Giovanni berichtet in ihrem Buch von ihrem Versuch im Frieden ihren Platz zu finden gemeinsam mit ihrer großen Liebe und Ehemann Bruno. Sie ist schwanger und beginnt in Paris ein Nest zu bauen.

Das Bedürfnis die kleine werdende Familie zu schützen manifestiert sich physisch. Sie hortet Lebensmittel,Verbandsmaterial,Medikamente, Wasser. Sie liest Bücher über Menschen die während des 2. Weltkrieges aus Paris geflüchtet sind und entwirft anhand dieser Geschichten Fluchtrouten mit Treffpunkten.  Sie liest Schwangerschaftsratgeber und gleichzeitig „Erste Hilfe“ Bücher mit deren Hilfe sie sich beibringt Granatsplitter zu entfernen. Sie hat weder ein Kinderbettchen, noch einen Strampler als sie bereits hochschwanger ist.

„Wir sind hier in Paris“ versucht ihr Mann Bruno  sie zu beschwichtigen…“nicht in Grosny, nicht in Abidjan.Wir sind in Sicherheit.“

Woher er das wissen wolle was fragt sie Bruno.“Das hat man über Jugoslawien auch gesagt.Und eines Tages bekam man an dem Bankautomaten kein Geld mehr.“ (In diesem Video beschreibt sie einen ganz normalen Tag zu Kriegsbeginn in Sarajevo)

Janine ist nicht mehr Herrin ihrer Ängste , die nun durch nichts verdrängt an die Oberfläche drängen.

„In den Jahren , in denen ich von einem Kriegsgebiet ins nächste gezogen war, hatte ich nie Albträume gehabt.Vielleicht verhinderte ein innerer Schutzmechanismus, dass ich zu intensiv in mich hineinsah.Nun aber begannen sie. lebhafte Träume von brennenden Häusern, Menschen ohne Gliedmaßen, Kindern die in Heimen gefangen waren.Ich dachte ständig an Tschetschenien, wo ich die Kampfhelikopter gehört und mir  die Ohren zugehalten hatte, weil ich sicher war, dass ich vom Geräusch der Bombeneinschläge verrückt werden würde.Oder an Ost-Timor, wo ich hinten auf einem Motorrad mitgefahren war und die brennenden Häuser gerochen, das Grauen in den Gesichtern der Menschen gesehen hatte.“

Ihre Hoffnung es würde sich hier in Paris schon alles einrichten, erscheint ihr bald schon blauäugig.“Eines Tages wurde mir klar, dass mir der Krieg mit all seinen Gefahren ganz normal vorkam.Mein wirkliches Leben mit seinen scharfen Ecken und Kanten, das war fürchterlich schwierig für mich.“

Während sie langsam aber sicher in Paris Fuß fasst (die Asche in ihrem Inneren beginnt sich zu lichten) , beginnen  bei ihrem Mann Bruno die Albträume.  Er bekämpft sie mit Wein und Jazz mitten in der Nacht.  Janine träumt von Toten, deren Gesichter sie nicht sehen kann, tieftraurig mit amputierten Gliedmaßen und blutenden Wunden.

In ihrem dritten Jahr in Paris nach einem Bandscheibenvorfall, erneuten Malariaausbruch und übermäßigen Alkohohlkonsum bricht Bruno zusammen und findet später einen Halt in in täglichen AA meetings. Ihre kleine Familie wird der Wucht des Erinnerten Erlebten nicht gewachsen sein.“ Das Leben mit seinen Ecken und Komplikationen lief für unsere Beziehung nicht so gut wie  in Kriegszeiten.“ Trotz räumlicher Trennung bleibt aber ein emotionaler Zusammenhalt.

Das Buch hat kein „Happy End“ . Es beschreibt das Leben  mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung., mit den Schatten der Vergangenheit.

Das Gesehene bleibt, lässt sich nicht vergessen, man lebt mit den Geistern oder geht mit ihnen unter.

 

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