Kurzrezension Graf Öderland/Max Frisch

Einer war immer fleißig, immer gediegen, immer pünktlich. Einer fiel nie auf, sagte immer ja, fragte nicht. Einer war immer nett, immer adrett, freute sich stets auf Freitag und erschlug dann den Hauswart.
Aus Langeweile, sagt er. Weil das Leben überall Gitterstäbe hat und es egal ist ob man durch sie am Schalter oder im Gefängnis auf das Leben sieht. Das ist der Mörder.
Was würde wohl aus den Menschen werden, wenn man sie der Hoffnung auf Feierabend, Freitag, Wochenende und Urlaub berauben würde? Das fragt sich der Staatsanwalt.

Was wird aus dem Menschen, wenn man ihn der Hoffnung beraubt?

Oder;  was wird aus dem Menschen, wenn man ihn des Denkens beraubt?

 

 

Im Buchladen oder wie ein verzweifelter Vater bei Whisky Trost suchte und bei Mediamarkt Hoffnung fand

Überbrückung im Buchladen. Hab mir Klemperer, Speer und Hannelore Hoger  aus dem Regal genommen. Es ist Freitagnachmittag. Ich nehme auf dem roten Sofa Platz. Nie wieder werde ich aufstehen. Das Chili war so lecker, dass ich weit über den Sättigungsgrad hinaus zugeschlagen habe. Doch schon recht schnell vertreibt mich eine Mutter mit Kind aus der Leseecke. Sie lesen ganz leise, nur der kleine Bruder ist abenteuerlustig.

Ich ziehe zur nächsten Leseecke, höre noch, wie der Vater beauftragt wird den jungen Sproß zu betreuen. Es dauert also nicht lange und der Kleine stürmt auch diese Leseecke. „Nein , nicht hier“, sagt der Vater. Das ist ein Buchladen, da wollen die Leute lesen.“

Der Kleine klettert behend auf das rote Sofa. Er verkündet: „Ich mag Boofs!“ Nur um sich schnell ein Buch zu greifen. Der Vater erscheint entlastet. Runde um Runde war er dem Sohn durch den Buchladen gefolgt. Atempause.

“ Gutes Buch“, sagt er zu dem lesenden, älteren Mann. Ich schaue kurz hinüber, aufs Cover. Ich bin ein neugieriger Mensch. Whisky“ so lautet der Titel.

„Wenn sie wollen , können sie ihr neu erlesenes Wissen auch gleich praktisch anwend

„Zum Zugucken?“, fragt der Leser langsam und sucht nach Worten. „Nein, nein zum Trinken. Und zum Kaufen natürlich. Exzellente Whiskeys!“

„Danke für die Einladung.“ Mit slawischen Akzent spricht der ältere Mann.  Er lächelt jetzt.

Der Kleine springt unterdessen auf dem roten Sofa. „Komm jetzt „, sagt der Vater streng. „Wir gehen zu Mediamarkt. Der Kleine schaut unwillig. „Da kannst du richtig teure Sachen kaputt machen! “  Diesem Angebot kann der Leseeckenrebell nicht widerstehen.  Er tapst an der Hand des Vaters tatfreudig los. Ich wünsche viel Spaß. Der Vater dankt.