Als morgens in der Speicherstadt ein Kameramann verloren ging

„Was ist da los?“ Einige Krankenwagen, Feuerwehr, Menschen in Uniformen. Die Helfer scheinen im Gespräch, Stehkonferenz, die Stimmung ist ruhig. „Nichts dramatisches“, mutmaße ich, „dafür ist es zu ruhig“, beruhige ich das Kind.

Es ist noch nicht 10  und die Hafencity ungewohnt ruhig.

Windig ist es, der nächste Herbststurm bereits im Kommen.

Ich schaue auf´s Handy,  lese die Nachricht: ein Kameramann ist am Kehrwieder aus dem Auto gestiegen und seit dem verschollen. Man sucht im Wasser nach ihm.  „Doch dramatisch denke ich.“ Und frage mich wie das passieren konnte. Vom Bordstein geweht? Entführt? Verschiedene Szenarien ziehen an meinem geistigen Auge vorbei, dann vergesse ich die Geschichte.

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In den Bücherhallen arbeite ich bis zum Nachmittag. Es ist immer reger Publikumsverkehr, nicht einfach sich einen Arbeitsplatz zu sichern. Im ersten Stock wird eine Kinderparty gefeiert. Die Kleinen ziehen in einer Polonaise durch die heiligen Hallen. Ich unterstreiche, markiere, schreibe.

Es ist kurz vor drei. Ich werfe noch einmal einen Blick aufs Handy und kann ein Lachen nicht unterdrücken. Meine Nachbarin schaut irritiert zu mir hinüber.

Der Kameramann ist aufgetaucht. Er war nur kurz im Casino.  Vermutlich brauchte er eine Auszeit. Oder bekam er nicht genug Lohn, hoffte auf ein schnell verdientes Zubrot?

„Du musst die Geschichten aufschreiben“, sagte unlängst die Freundin zu mir.

Voila.

Mit Hölderlin im Supermarkt-Blogbeitrag 2016

Wir packten gerade den Einkauf ein, als ich hörte wie der Kassierer an der Nachbarkasse über einen Stadtteil lästerte. Einem Stadtteil in dem die Kinder adipöser, die Zähne schlechter sind, die Bildung niedriger, statistisch gesehen. Mit Arroganz ließ er vernehmen , warum er dort im Supermarkt K. niemals arbeiten könne.

Ich weiß nicht ob es der Tonfall , der Gesichtsausdruck oder Beides war, was mich ärgerte. Kurz überlegte ich mich zu äußern, ließ es dann aber.

Karla war beim Ballett. Später müssten wir sowieso durch den Einkaufsmarkt, um zum Parkplatz zu gelangen.

Karla wie immer freudig nach dem Training, hörte mir aufmerksam zu als ich sie fragte: Hast du kurz Lust Straßentheater zu spielen?

Klar Mama.

Wenn wir an der Kasse stehen, nah genug am Kassierer, stoße ich dich mit dem Ellenbogen an. Du fragst mich dann : Mama ist Hölderlin eigentlich schon lange tot? Den Rest improvisieren wir. Ich erklär dir später warum.

Gesagt, getan. Das vereinbarte Zeichen erfolgte, Karla fragte:

Mama ist Hölderlin eigentlich schon lange tot?

Ja, aber was er geschrieben hat ist immer noch sehr aktuell. ( Ich verbeiße mir das Lachen unter größter Mühe)

Vielleicht solltest du aber erst die griechische Mythologie lesen.

Karla die mittlerweile improvisiert: Ach das mit Zeus und so, das liest Anna gerade-Helden des Olymp!

Genau Karla und jetzt fahren wir schnell nach Hause in unseren Stadtteil K.  Da wohnen wir richtig gerne oder? Der ist so bunt und multikulturell. (Wir wohnen ländlich, von multikulti keine Spur, aber das musste ich dem Kassierer ja nicht auf die Nase binden)

Genau , sagt Karla.

Und das nächste Mal kaufen wir unsere Sachen in K. ein. Der Kassierer mit rotem Gesicht scannt gerade Tick-Tacks.

Weißt du Karla, was ich dir schon immer mal sagen wollte. Eine wichtige Lektion im Leben ist, nicht zu glauben das man besser wäre , klüger oder so, weil man in einem vermeintlich besseren Stadtteil wohnt oder arbeitet. Sich über andere zu erheben ist immer dumm.

Der Kassierer schaut uns nicht an, als er das Wechselgeld herausgibt. Karla und ich verlassen den Supermarkt prustend.

Ein Traum von Kreativität-Blogbeitrag 2016

Es gelang uns nicht die Verfolger abzuschütteln. Karla und ich rannten atemlos durch die Dämmerung. An einem Wohnblock drückte ich auf irgendeinen Klingelknopf. Der Summer wurde umgehend betätigt. Wir hasteten die Treppen hoch panisch-klingelten erneut.

Ein Mann in den Fünfzigern, Brille, halblanges Haar, weltfremde Ausstrahlung öffnete. Wir werden verfolgt“, brachte ich atemlos hervor.

„Hier ist Raum.“Er wies uns ein Zimmer zu. “ Bitte entschuldigen sie mich, aber ich schreibe an einem Buch. Sehen sie sich ruhig um – wenn sie wieder Luft bekommen. Hier ist es sicher.“

Die Plattenbauwohnung mutierte zu einer Villa in Italien mit riesigen leeren Räumen. Überall waren Frauen die Skulpturen aus Marmor herausschlugen, mit Aquarellfarbe malten, tanzten, Theaterspielten, lachten, Wein tranken und laut redend , wild gestikulierten. Sufragetten. Eine wilde, kraftvolle, ungebändigte, trotzige Energie die mich den Bann zog.

Weichenstellung

Es wird also so sein, dass Hamburg ab heute weiterhin Teil meines Umfeldes sein wird.

 

„Was man von hier aus sehen kann“ habe ich leider ausgelesen.  Ein wunderbares Buch voller Sprachmagie.

Es ist 6.00 Uhr. Der Kaffee getrunken. Die Bratlinge müssen noch in die Pfanne, die Hunde an die frische Luft, die Siebensachen zusammengesucht werden.

Es soll ein sonniger Tag werden, so sagt der Wetterbericht.