Mit Hölderlin im Supermarkt-Blogbeitrag 2016

Ich packte den Einkauf ein, als ich hörte wie der Kassierer an der Nachbarkasse über einen Stadtteil lästerte. Einem Stadtteil in dem die Kinder adipöser, die Zähne schlechter sind, die Bildung niedriger ist, statistisch gesehen. Mit Arroganz ließ er vernehmen , warum er dort im Supermarkt niemals arbeiten könne.

Ich weiß nicht mehr ob es der Tonfall , der Gesichtsausdruck oder Beides war was mich ärgerte. Kurz überlegte ich mich zu äußern, ließ es dann aber.

Karla war beim Ballett. Später müssten wir  ohnehin durch den Einkaufsmarkt, um zum Parkplatz zu gelangen.

Karla wie immer freudig nach dem Training, hörte mir aufmerksam zu als ich sie fragte: Hast du kurz Lust Straßentheater zu spielen?

Klar Mama.

Wenn wir an der Kasse stehen, nah genug am Kassierer, stoße ich dich mit dem Ellenbogen an. Du fragst mich dann : Mama ist Hölderlin eigentlich schon lange tot? Den Rest improvisieren wir. Ich erklär dir später wozu.

Gesagt, getan. Das vereinbarte Zeichen erfolgte, Karla fragte:

Mama ist Hölderlin eigentlich schon lange tot?

Ja, Karla, aber was er geschrieben hat ist immer noch sehr aktuell.

Vielleicht solltest du aber erst die griechische Mythologie lesen.

Karla die mittlerweile improvisiert: Ach das mit Zeus und so, das liest Anna gerade-Helden des Olymp!

Richtig Karla und jetzt fahren wir schnell nach Hause in unseren Stadtteil K.  Da wohnen wir richtig gerne oder? Der ist so bunt und multikulturell. (Wir wohnen ländlich, von multikulti keine Spur, aber das musste ich dem Kassierer ja nicht auf die Nase binden)

Genau , sagt Karla und lächelt mit blitzenden Augen.

Das nächste Mal kaufen wir unsere Sachen lieber in K. ein. Der Kassierer mit rotem Gesicht scannt Tick-Tacks.

Weißt du Karla, was ich dir schon immer mal sagen wollte. Eine wichtige Lektion im Leben ist, nicht zu glauben das man besser wäre , klüger oder so, weil man in einem vermeintlich besseren Stadtteil wohnt oder arbeitet. Sich über andere zu erheben ist immer dumm.

Der Kassierer schaut uns nicht an, als er das Wechselgeld herausgibt. Karla und ich verlassen den Supermarkt prustend.

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