Wenn der Wind weht-Tagebuchbloggen am 5.-zwischen Rilke und Marianne Faithfull

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen und ich bin mit dabei.

Schon wieder diesen Traum geträumt, der in Variationen immer wiederkehrt. Nach dem Aufwachen schlage ich Rilke auf: Briefe an einen jungen Dichter. Rilke lese ich selten, aber heute ist es das richtige Buch zur richtigen Zeit.

Ich bin unruhig, als würde die zu enge alte Haut Risse bekommen. Der Sturm in den Träumen ist in meinem Innern nun ins Wachbewusstsein gedrungen. Er rüttelt an den Fensterläden. Die Rosen die gestern der Bote brachte, stehen auf dem Tisch. Sie irritieren mich ebenso sehr wie sie mich erfreuen.

Ich bin krankgeschrieben, habe zuviel Zeit. Das Hamsterrad steht still. Nur der Postbote bringt Pakete für die Nachbarn. Ich will vom Postboten wissen,  ob es nicht komisch sei für DHL zu fahren, während es Bombendrohungen gibt. Er winkt ab: „Ach alles maßlos übertrieben.“ Die fremden Pakete lege ich auf die Treppe. Im Keller suche ich nach einem alten Tagebuch. Ich finde es nicht. Draußen kommt Wind auf, Böen. Sie rütteln an den alten Apfelbäumen und fahren dem Rhododendron durch die Blätter. Am frühen Nachmittag kommen die Teenies nach Hause, essen Mittag, übernehmen die Hunderunde. Ich räume hier und dort etwas weg. Und der Wind draußen schlägt Purzelbäume.  Kurz bevor ich zum Termin zum Zahnarzt aufbreche, klingelt die Nachbarin.  Sie möchte ihr Paket haben. Ich würd sie gern fragen, wie sie es anfängt so gut auszusehen, aber ich lasse das lieber. Vielleicht hole ich mir Tipps von youtube.

Letzte Woche lief auf dem Zahnarzt-TV ein Film über Schottland. Ich hab solch eine Sehnsucht nach der schroffen Wildnis Orkneys. Fast wären mir die Tränen gekommen.  Späte Pubertät oder Wechseljahre?

Marianne Faithfull den ganzen Tag im Kopf.

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Julius kommt spät von der Saxophonstunde. Cello übt er später. Ich muss dem Kindergartennikolaus noch einen Text für jedes Kind schreiben. Anna flucht weil sie nicht mehr kochen darf. Aber es steht noch Essen auf dem Herd und ich will die Küche nicht bis 22 Uhr belagert wissen.

Der Wind streift ums Haus unruhig und heimatlos.