Leseindruck „Lichter als der Tag von Mirko Bonne

Ein Mann Ende vierzig, redaktioneller Mitarbeiter beim „Tag“, ansässig im Hamburg, gerät in eine Krise.

Das Buch war ein Zufallsfund. Ich hatte weder Rezensionen gelesen, noch den Klappentext. Es ist selten, dass ich Bücher so unbesehen mitnehme.

Das erste was erfreute, war der literarische Spaziergang an den Landungsbrücken, hin zum Michel, der Hafencity und dem Hauptbahnhof. Am Hauptbahnhof sieht Raimund seine Jugendliebe wieder. Sie sprechen nicht miteinander, aber er beginnt ihren Weg zu verfolgen. Man könnte es Stalking nennen, Bonne misst diesem psychischen Abgrund wenig Bedeutung zu, wird aber situationskomisch als er seinen Protagonisten im Traum Ohlsdorf brüllen lässt.  Der Roman hat von Anfang an etwas magisches oder konstruiertes, je nachdem wie man es benennen will. Bonne nimmt die Midlifecrisis exakt auseinander, beschreibt Erstarrung, Interesselosigkeit, Ausharren, Unbeweglichkeit und das Leben wie es ist, wenn man sich abfindet. Darin liegt die große Stärke des Romans. Man wünscht der Geschichte einen Bewusstseinsprozess, der in der Lage ist Fäden zu finden und aufzugreifen. Leider setzt Bonne dem eine fulminante Flucht entgegen. Schade, denn am Ende scheint nichts gelöst, vieles konstruiert und der Roman versandet wie ein nicht ergriffenes Leben. Lesenswert ist der Roman trotzdem. Den nächsten Bonne werde ich bewusst aus dem Bücherregal nehmen.

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