Proust lesen Tag 43-Im Schatten junger Mädchenblüte-Elektrizität und Telefon

 

Proust:

Im Salon von Odette

„….haben sie schon gehört, daß in der Villa, die Madame Verdurin gekauft hat, alles mit elektrischem Licht ausgestattet wird?.“

„Sogar in den Schlafzimmern werden Glühbirnen installiert mit einem Lampenschirm darüber, der das Licht dämpfen soll. Das ist bestimmt ein Luxus, der seine Reize hat. Nun, heutzutage will man ja um jeden Preis etwas Neues haben, auch wenn es kaum noch etwas gibt. Die Schwägerin einer meiner Freundinnen hat bei sich das Telefon eingerichtet. Sie kann bei ihrem Lieferanten etwas bestellen, ohne sich aus ihrer Wohnung zu rühren.“

“ Ich glaube, ich hätte nicht gern das Telefon im Haus. Wenn das erste Vergnügen vorüber ist, wird das Gebimmel wahrscheinlich bald zur Qual.“

Kiel

Morgens:

edf

Durch die Stadt geradelt, Sommer!  Tango tanzende Menschen am Bahnhof, Street Food an der Kiellinie und der „Sandhafen“ sieht vielversprechend aus. Die Preziosa liegt im Hafen, auch die Color und die Stenaline. Ich bin lange nicht mehr hier gewesen, es hat sich viel getan.

Nachmittags mit Karla zum Pferd gefahren und dabei diese Exemplare gesehen.

dig

edf

Sonniger Tag mit Wolken und etwas Wind.

Proust lesen Tag 42-In Swanns Welt -Gilberte nimmt Abstand von Marcel

 

Proust:

Nun beginnt es, dieses unselige Ping-Pong zwischen Anziehung und Ablehnung. Gilberte gesättigt von der stetigen Präsenz Marcels, distanziert sich. Marcel anders als Swann damals in der Verstrickung mit Odette, geht ebenfalls auf Abstand. Er verbietet sich Gilberte und setzt sich selbst Grenzen. Nicht ohne Sehnen und Warten, aber doch in einem vorauseilenden Abschied um nicht Verlassener zu sein sondern Verlassender.

Eine andere Bühne, ein ähnliches Stück in anderer Spielart.

Kiel

Warmer Tag, mit stahlblauen Himmel. Die Bienen sind in der Stadt und nicht in der Vorstadt. Auch sie zieht es weg vom Land.

Ich sehe Divines, ein Film über  zwei Mädchen im Banlieu. Sehr berührend und mit grandiosen Darstellern.

 

 

 

Proust lesen Tag 41-Im Schatten junger Mädchenblüte-Bergotte bei Swann

 

Proust:

Bergotte meint, dass intelligente Menschen auch intelligente Ärzte bräuchten. Ein Zweiklassensystem, nicht vom Markt, sondern vom Geist bestimmt. Den hiesigen Dr. Cottard hät er für eine Esel. Marcels Vater hält Bergotte für einen Esel, knickt aber ein, als er erfährt, dass Bergotte Marcel für intelligent hält.

Marcel hat die Möbel der hypochondrischen und nun verstorbenen Tante, einem Bordell vermacht, ist nun aber nicht mehr in der Lage dieses zu besuchen, weil Tante Leonies Möbel klagen.

 

Heißer, sommerlicher Tag. Der Mohn ist verblüht, Rosen, Thymian, Lavendel, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Sauerkirschen, im Teich schwimmt ein Kammmolch

 

 

 

 

Proust lesen Tag 40- Im Schatten junger Mädchenblüte

 

Proust:

„Ebenso sind diejenigen, die geniale Werke hervorbringen, nicht Menschen, die im feinsinnigsten Milieu leben, in der Unterhaltung glänzen, über die breiteste Bildung verfügen, sondern solche, die die Kraft gefunden haben, von einem gewissen Augenblick an plötzlich nicht länger für sich selbst zu leben, sondern ihre Persönlichkeit zu einer Art Spiegel zu machen, der ihr Dasein, mag es auch gesellschaftlich und in gewissem Sinne sogar geistig betrachtet noch so mittelmäßig sein, reflektiert; denn das Genie besteht in der Fähigkeit des Widerspiegelns und nicht in der eigentlichen Beschaffenheit des des gespielten Schauspiels.“

 

Schwüler, warmer Tag.

 

Proust lesen Tag 39-Im Schatten junger Mädchenblüte-zu Gast bei Swanns -Marcel trifft Bergotte bei Swann und ist enttäuscht

 

Proust:

Im Prinzip geht es um Vorstellungen und Hoffnungen und deren Veränderung, wenn sie Erfüllung erfahren. Swann träumte damals, mit Odette in einem Haus zu wohnen. Der Traum erfüllte sich, als er bereits nicht mehr liebte. Marcel träumte davon Zugang zu den Swanns zu bekommen und trifft sogar bei ihnen sein Idol: Bergotte, den Schriftsteller. Auch hier klaffen Vorstellung und Realität auseinander. Bergotte ist nicht der weißhaarige, schöne alte Herr, für den Marcel ihn hielt. Enttäuschung.

 

Es ist schwülwarm, fast acht Grad wärmer als gestern. I

Der Kuckuck ruft, die Krähe krächzt und die Amsel imitiert den Ruf den ich ihr vom Handy vorspiele.

 

Proust lesen Tag 38-Im Schatten junger Mädchenblüte-Zu Gast bei Swanns-Marcel hört die Vinteuil Sonate

 

Proust:

Odette Swann, die mittlerweile ihren eigenen Salon hat, sagt nicht mehr „Weihnachten“, sondern „Christmas.“ Marcels Vater empfindet diesen Sprachgebrauch als unglaublich lächerlich.

Marcel hört zum ersten Mal „Das kleine Thema“ von Vinteuil. Es berührt ihn zunächst kaum, es entspinnt sich hier eine Abhandlung über das Verstehen von Kunstwerken durch Wiederholung.

Kiel

Grauer Himmel, keine Wolkenformationen sind zu erkennen. Es ist etwas wärmer. Auf dem Weg liegt ein Stück Tierfell, das wie verdaut und wiederausgespuckt aussieht. Gibt es ein Tier, dass seine Beute im ganzen hinunterschluckt und die die unverdaulichen Reste unbeschädigt der Umwelt wiedergibt. Es hat etwas von Rotkäppchen.

Auf unserem Flachdach ist ein Wespennest. Wir sind etwas ratlos.

Heute sah ich mir im Kindergarten mit einem Kind ein Naturbestimmungsbuch an. „Da schau mal“, sagte es zu mir, „ein Schilfrohrsänger“.

Leichter Wind, ich frage mich ob die Schwalben beim Nachbarn nicht Mauersegler sind.

Erdogan hat den Wahlsieg davongetragen.

 

 

Proust lesen-Tag 37-Im Schatten junger Mädchenblüte-zu Gast bei Swann

 

Proust:

„Die Swanns teilten die Untugend, jener Leute, die nicht sehr hoch im Kurs stehen; ein Besuch, eine Einladung, ein bloßes liebenswürdiges Wort von einigermaßen bekannten Persönlichkeiten waren für sie ein Ereignis, daß sie bekanntzugeben wünschten. „

„So glich der Salon der Swanns jenen Hotels in Badeorten, in denen Depeschen ausgehängt werden.“

Zur politischen Lage:

„Doch gleich einem sich manchmal drehenden Kaleidoskop stellt die Gesellschaft nach und nach die Elemente, die man für unbeweglich hielt, in anderer Weise zusammen, so daß sich ein verschiedenes Bild ergibt.“

„Alles, was jüdisch war kam nach unten zu liegen, sei es selbst die vornehme Dame, und obskure Nationalisten nahmen ihren Platz oben ein.

„Das hindert nicht, daß jedesmal, wenn sich die Gesellschaft in einer momentanen Ruhelage befindet, die darin Lebenden meinen, es werde nun keine Veränderung mehr geben…..“

Kiel/Hamburg

Kühler Tag, Sprühregen, Hamburg am Sonntag.

Die Kieler Woche ist zu Ende. Das Wetter kann wieder schön werden.

Proust lesen Tag 36-Im Schatten junger Mädchenblüte- Teegesellschaft bei Gilberte-

 

Proust:

Das Asthma plagt Marcel bereits in diesen jungen Jahren und fesselt ihn ans Bett. Dr. Cottard, sonst Schaumschläger, erweist sich unerwarteter Weise als guter Diagnostiker. Marcel erfährt durch eine Milchdiät Linderung.

Gilberte schreibt Marcel einen Brief, in dem sie ihn zu ihren Teegesellschaften einlädt. Das so lang Ersehnte trifft ein: Er erhält Zutritt zum Hause der Swanns.

Kiel

14 Grad und Regen, in der Bienenweide tummeln sich unter grau verhangenem Himmel erstmals Bienen. Der Wind fährt den Koniferen durch die bräunlich verfärbten Spitzen. Unsere junge Birke fiel dem Sommerwind zum Opfer. Noch im Frühling hatten wir unser Ohr an den Stamm gelegt, um das aufsteigende Wasser rauschen zu hören.

 

Proust lesen Tag 35-Im Schatten junger Mädchenblüte-Gilberte

 

Proust:

Marcel hofft auf eine Wiederbelebung der Freundschaft mit Gilberte. Er versucht sich ihr Bildnis vor Augen zu rufen, es misslingt.

„Das Suchende, Angstvolle, Fordernde, mit dem wir den geliebten Menschen anschauen, unser Warten auf das Wort, das uns die Hoffnung auf ein Wiedersehen am folgenden Tag …….“,

versetzt die Seele in solche Unruhe, das das Bildnis sich nicht einprägen kann.

Kiel

Ziemlich windig und kühl, die Schwalben fliegen durch die Böen. Ich habe Zahnschmerzen, der Sohn macht Straßenmusik auf der Kieler Woche.

Es ist Wochenende.

 

 

Proust lesen Tag 34-Im Schatten junger Mädchenblüte-Norpois zu Besuch in Marcels Elternhaus-

Proust:

Norpois:

„In einer Zeit wie der unsrigen, da die zunehmende Vielschichtigkeit unseres Dasein seinem so wenig Zeit zum Lesen läßt, da die Karte Europas durchgreifende Umgestaltungen erfahren hat und bald vielleicht noch viel bedeutendere erfahren wird, da von allen Seiten so viele drohende  neue Probleme auftauchen, werden Sie mir zugeben müssen, daß man von einem Schriftsteller verlangen darf, etwas anderes als nur Schöngeist zu sein….“

 

Proust ist auch eine Disziplinübung, an manchen Tagen.