Proust lesen Tag 16-In Swanns Welt S.300-320

Kiel

Warum Odette? Wieso verfällt Swann, der Charmeur und Eroberer , der Frau die er zu Beginn weder besonders attraktiv noch klug fand? Das Verlangen, das Besitzen wollen ergriff ihn in dem Moment, in dem er sie einmal nicht im Salon der Verdurins vorfand. Si

Dazu passt dieser Artikel aus einer Zeit von 97

„Ja, denn er wußte, daß das Anwesende oft weniger reizvoll, weniger deutlich als das Abwesende ist. Deswegen lautet sein Rat, nicht zu verreisen, sondern den Reiseführer zu studieren. Er las gern Zugfahrpläne, weil jeder unbekannte Ortsname diesen Ort in seiner Phantasie entstehen ließ. Aus ähnlichen Gründen empfiehlt er: Ziehe nicht mit der Frau zusammen, die du liebst, denn dann wirst du sie nicht mehr wahrnehmen.“

Swann, in fiebernder Leidenschaft jagt durch die Stadt und durchkämmt gemeinsam mit dem Kutscher alle Cafes, “ als suche er unter den Schatten des Totenreiches nach Eurydike. Er will sie finden, er wird sie finden und noch in der Kutsche wird es zu ersten Berührungen kommen. Er gibt vor die Cattleyablüten in ihrem Ausschnitt ordnen zu wollen. Und so werden sie wie die Sonate von Vinteuil, ebenfalls zum Inventar dieser Beziehung. Man spielt Cattleya.

Proust, beschreibt die Bereitschaft zum „Sturm einer großen Erregung“, die uns manchmal erfasst. „Dann fällt das Los unweigerlich auf die Person, mit der wir im Augenblick gerade gern zusammen sind, und auf einmal lieben wir sie.“

Bisher ist es das was Proust für mich so zeitlos macht oder auch warum es trotz dieser dekadenten Salongeschichten nicht langweilig wird. Er geht in die Tiefe der menschlichen Psyche, ebenso genau als wenn er „einen Regentropfen beim Fallen zusieht“.

Kühlerer Tag, wolkenverhangen, ereignislos. Bis auf das klärende und angenehme Telefonat, einem Lebensmitteleinkauf zusammen mit dem Gatten auf Basis der friedlichen Koexistenz und einem Allahu Akbar rufenden Menschen an der Fõrde, der zudem wild herumfuchtelte und  fùr Stunden einige Strassen Kiels lahmlegte.

Schaut auf jeden Fall mal in Jochen Schmidts Buch: Schmidt liest Proust rein. Seine Zusammenfassungen der täglich gelesenen zwanzig Seiten, sind umfassend, witzig und klug.