Proust lesen Tag 74-Guermantes-zu Besuch in Doncieres

Dienstag

Haben auf Gewitter gehofft, aber es fiel nicht ein einziger Tropfen Regen. Der frisch gepflanzte Klimabaum ist verdorrt, die Wässerung der Stadt kam zu spät. Auf dem Sportplatz ist der Rasen braun. Ab morgen soll es kühler werden. Noch aber sitze ich schwitzend und matt vorm Computer. Herr lass es Herbst werden!

Die Brombeeren sind erntereif und herrlich im Geschmack, auch der Wein scheint zu gedeihen, von den Äpfeln ist dieses nicht zu erwarten. Der Apfelbaum lässt alle Last fallen

Proust: Marcel flieht vor seiner Verliebtheit und seinemerneut aufkeimenden Stalkerdasein, zu Saint Loup nach Doncieres.

Das neue Hotel macht ihm Angst, in der Kaserne und in dem Rhythmus des Tuns findet er Ruhe, vielleicht es auch die von außen gegebene Ordnung, der sich nicht stellenden Sinnfrage, in der er Erholung findet, im Gehorsam, in der Rangordnung, im Gefüge.

Saint Loup fragt Marcel wie weit er denn mit seiner literarischen Arbeit wäre: „Und haben Sie sich schon an die Arbeit gemacht? Nein? Sie sind sonderbar. Wenn ich ihre Begabung hätte, würde ich , glaube ich von morgens bis abends schreiben. Aber ihnen macht es mehr Spaß, überhaupt nichts zu tun. Es ist wirklich Pech, daß immer solche mittelmäßigen Geister wie ich zur Arbeit bereit sind, die aber, die können wollen nicht!“

Proust lesen Tag 73-Guermantes- Marcel schwärmt für Madame de Guermantes.

Proust: Eine neue Schattierung von Verliebtheit, dieses Mal trifft es Madame de Guermantes, die Marcel beim Galabend grüsst. 

„In ihrer Art zu fühlen, gut und mitleidvoll, hart und hochmütig, schlau und beschränkt zu sein, eine weiße Haut und rote Hände zu haben war und blieb sie immer eine Tochter vom Lande…“Ihre Anwesenheit in unserem Haus war Landluft und Zusammenleben in einem Bauerngut vor fünfzig Jahren…“

Marcel versucht ihren Charakter zu ergründen, trifft aber nur auf Seitenansichten, die sich durch den jeweiligen Perspektivwechsel ändern.

Kiel

Was für ein Sommer. Die Luft steht. Man kann die Fenster aufreißen und die Luft bewegt sich trotzdem nicht.  Die Nächte sind tropisch warm, der Organismus bekommt keine Entlastung. Die Katzen verbringen Tag und Nacht hinter dem Sofa, auch die Hunde bewegen sich minimalistisch. Im Haus ist die Luft feucht, schwer und warm. Man ist sofort schweißgebadet.

Die Stadt ächzt. Ich ächze mit.

Proust lesen Tag 72-Guermantes-erneut bei der Berma-Enttäuschung

Proust: Der Stand des Adels, der Stand des Großbürgertums, der Stand des Kleinbürgertums….das Proletariat findet kaum Erwähnung.

Und immer ist da dieses Aufschauen, sich Hinsehnen zur adligen Gesellschaft.

Marcel ist wieder bei der Berma, die innerhalb eines Galaabends auftritt. Aber ihm ist die Unschuld abhanden gekommen. Er kann nicht mehr unvoreingenommen sehen, schon gar nicht wenn die Sitznachbarin, im übrigen eine erfolglose Schauspielerin, gehässig meint, die Berma solle aufhören, die sei zu alt. Das Staunen ist verlernt. Enttäuschung.

Laut Anhang ist mir hier etwas entscheidendes entgangen, denn das Publikum spielt ebenfalls ein Theaterstück und mutiert zu Unterwasserwesen. Luzius Keller verweist auf dieses Meisterstück.

Kiel: Ein so müder Tag, dieser letzte Urlaubstag. Die Melancholie fiel mich an wie ein durstiges Raubtier. Dürre. Wo kommst du denn jetzt her? Aber vielleicht zahlte ich heute auch nur die Zeche, für zwei durchwachte Nächte.

Mit dem Sohn baute ich aus einer alten Holztruhe ein Hochbeet. Wir klopften, hämmerten und bohrten. Eine riesige Blumenlaterne einst von der Kieler Woche/Krusenkoppel ersteigert, wurde des Maschendrahts entledigt, der nun in seiner neuen Funktion, die Wühlmäuse abhalten soll.

Brombeeren gepflückt, ein guter Jahrgang, schwer und süß, kündet er vom Herbst der unweigerlich kommen wird.

Die Melancholie hatte mich heute fest im Griff. Ein guter Tag, um „Wanja und die wilden Hunde“ zu lesen und sich weit weg in entlegenes Dorf in Russsland zu wünschen.

Proust lesen Tag 71-Guermantes-Francoise

Proust: Francoise wünscht sich zurück ins 6. Arrondissement oder nach Combray.  In den Anmerkungen steht, sie habe Anpassungsschwierigkeiten.

Auch Marcel wird krank und es wird viel über den Namen Guermantes philosophiert. Heute habe ich etwas bei Jochen Schmidt gespickt.

Rendsburg: Familientreffen auf dem Himbeerhof. Aus den einstmals schüchternen Töchtern von S. sind selbstbewusste, Motorrad fahrende junge Frauen geworden.

Später wollten wir zur NordArt, doch Sturmböen und Gewitter ließen uns vor den Toren umdrehen.

Das Getreide wird eingefahren, es ist etwas kleinwüchsig im Gegensatz zu mir, die ich im Moment in Breitenwachstum begriffen bin. Die Waage zeigte 89 kg und verdarb mir den ganzen Tag. Ich verstehe nicht wie ich seit Ostern 6 Kilo zunehmen konnte.

 

 

Proust lesen Tag 70-Guermantes-Neue Wohnung in Guermantes-Mondfinsternis

Das eigentlich Heroische ist das tägliche Bloggen, nicht das Proust lesen. Egal ob gut oder schlecht drauf, knapp in der Zeit oder zu Tode gelangweilt, nach einem Glas Wein-so heute oder auch nicht: Es wird gebloggt. Mit dem was man eben zur Verfügung hat.

Mondfinsternis. Der Gatte und ich fuhren  spontan los zur Holtenauer Hochbrücke,

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nur um festzustellen, dass auch Andere diese Idee hatten. Ein Happening. Campingstühle, Sekt, Fernglas, Kameras und der Spruch am Brückengeländer: BRD, DDR, Rassisten ab aufs Mittelmeer.“

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Partystimmung.

Nur eine maulte: „Dos habsch mer abber viel fetzjer vorjestellt.“

Auf der Dachterasse verfolge ich später, bei einem Glas Rotwein die Aufhellung des Mondes, nicht ohne Luise vorher die Koordinaten durchzugeben, die gerade einsam auf einem Feld in der Pampa den Mond suchte.

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Erst erinnert der Mond an eine Hallorenkugel, später an Ying und Yang.

Sternschnuppen fallen zur Erde.

Der Mars erscheint, die ISS fliegt vorbei, ein spektakulärer Sommertag mit endlich einer frischen Brise Wind , geht zu Ende.

Proust: Marcel ist nach Guermantes umgezogen , mir ist allerdings nicht klar wohin genau. Liegt Guermantes nun auf dem Land oder in Paris?Verwirrung. Francoise ist die, die das Leben wirklich versteht. Sie sieht, sie ist präsent, sie ist als Köchin kreativ und sie wird für mich immer mit der Stimme von Mrs. Brill sprechen. Sie ist der gute Geist des Hause, der alles zusammenhält.

„(Luzius Keller Anmerkung:  Neue Wohnung in einem Nebengebäude des guermantesschen Stadtpalais.)“

 

 

 

Proust lesen Tag 69-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Abreise

Diesmal traf mich das Ende des Bandes unvorbereitet. Es war tatsächlich das Gefühl, an diesem Tag, dieses als einzig vorzeigbare Leistung verzeichnen zu können.

In immer noch glühender Hitze, auf der Terrasse sitzend, rief ich: „Oh ich bin bereits am Ende. „Das rief sofort die Hunde auf den Plan, die heute aus ihrem Meeresurlaub zurückkehrten und dachten, es gäbe etwas zu fressen.

Malina hat sich gemeldet, wir haben uns Jahre nicht gesehen, ihre Leidenschaft für die Musik und das Tanzen, Tango in Berlin. Heute spielt ein argentinisches Tangotrio im Lutterbeker, aber dieses verfluchte Auto ist kaputt. Ich würde hinkommen, aber nicht zurück.

Die Hitze erzeugt eine vollkommene Lethargie und einen völlig verschobenen Tages-und Nachtrhythmus. Ich stehe 3.00 Uhr auf, verrichte alles was zu tun ist: Lüften, gießen, aufräumen, Holundersirup mit Wasser zu mischen und kühl zu stellen, Tierfütterung, Katzenkloreinigung, Säuberung der Näpfe;  bis in die Morgenstunden, nur um mich dann wieder hinzulegen. Die Teenies sind zurück, ab morgen muss ich mich wieder disziplinieren. „So haltet doch die Tür geschlossen“ ermahne ich, um die mühsam errungene Kühle im Haus nicht zu gefährden. Es gelingt nicht. Der Sommer steht nun auch im Haus, trotz spacig verkleideter Alufolienfenster..

Eine plötzliche Zusammenrottung von Wolken, davbringen ein erfrischendes Gewitter. Unerwartet, überraschend, die Vögel jubilieren. Man sieht im Vorort niemanden, erst jetzt hört man erste Stimmen und in einem der Nachbargärten, fröhlich rufende Kinder und das Geräusch platschenden Wassers. Die Temperatur liegt auch nach dem Gewitter bei 30 Grad. Eine leichte Brise, die die warme Luft hin und her bewegt.

Wir stellen Tiertränken auf.

Proust: Es wird kühler in Balbec, der Sommer ist vorbei, Albertine überraschend nach Paris zurückgekehrt. Nach und nach verlassen die Hotelgäste Balbec. Eine Entspannung die Marcel genießt, dennoch werden die nicht vorhandene Heizung und Kamin allmählich zum Problem. Der Sommer in Balbec ist vorbei.

Proust lesen Tag 68-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Albertine

 

Proust: Charakterstudie Albertines: Sie hat etwas magnetisches, eine Anziehungskraft der sich kaum jemand entziehen kann. Sie liebt es anderen Freude zu bereiten.

Marcel konzentriert sich seit der Abfuhr wieder auf die gesamte kleine Schar.

Kiel

Vier Uhr aufgestanden und die Blumen gegossen, obwohl kaum welche da sind. Gelüftet, die Katzen versorgt, bis 6.00 Uhr gefrühstückt, auf der Terrasse und dann wieder ins Bett gegangen. Erstmalig wagten sich die Katzen in mein Bett und legten sich an s Fußende.

Zahnarzt Termin mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln, bei diesen Temperaturen ein heldenhaftes Unterfangen. Die Zahnarzthelferin fliegt in den Urlaub, nach Boston. Ich will auch mal in die USA, New York würde ich gern sehen.

Irgendwann beginnt es zu regnen und ich nutze die Abkühlung um einkaufen zu fahren mit dem Fahrrad. Wie machen das eigentlich ältere, kranke Menschen ohne Auto bei diesen brüllend heißen Temperaturen?

Ein Busfahrer befördert ein Mädchen mit akzentfreiem deutsch, aber fremdländisch anmutenden Gesicht wieder nach draußen. „Die regeln gelten hier für alle schnoddert er, ihr seid nicht s besonders. Sie wollte schwarz fahren, war gut angezogen, wirkte schüchtern. Ich wollte ihr Geld geben, aber da fuhr der Bus schon los.

Vor mir saß einer, der sprach ein anderes junges Mädchen an und schimpfte dann auf sich: „Du sollst nicht immer fremde Menschen ansprechen. Eine Unterhaltung mit sich selbst in verschiedenen Stimmlagen. Im eigenen Auto bekommt man weniger mit von der Welt.

 

Ein wenig Abkühlung hat der Regen gebracht. Man freut sich über jede Wolke.

In Griechenland gab es verheerende Brände die viele Todesopfer forderten.Mein Mitgefühl sende ich nach Griechenland.

Proust lesen Tag 67-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Albertin

Proust:

Albertine lädt Marcel zu sich ins Hotelzimmer ein, er interpretiert es als Einladung und hält das zurückweichen von Albertine für Schüchternheit. Er will sich auf sie werfen um sie zu küssen, da schellt Albertine laut mit der Glocke.

Kiel

Die Hitzewelle ist da, wir haben an einige Fenster Schutzfolie angebracht. Die Teenies nutzen die Zeit im Freibad.

Ich hab die Katzen zwangsumgesiedelt, weil ich Angst hatte, dass sie unterm Dach gebraten werden. Dabei ist das Haus, ansonsten wirklich kühl. Es lässt sich aushalten.

 

Proust lesen Tag 66-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec

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Proust: Marcel ist mit der kleinen Schar unterwegs.

Albertine zu Marcel: „Ich darf mit Israelitinnen nicht verkehren, sagte Albertine.

Die Art, wie sie das Wort „Israelitinnen „(mit scharfem s) aussprach, bewies zur Genüge, auch wenn man den Rest des Satzes nicht gehört hätte, daß Sympathie gegenüber den Angehörigen des auserwählten Volkes nicht das Gefühl war, das die jungen Töchter frommer Familien der Bourgeoisie beseelte; man hätte sie sicher leicht noch glauben machen können, die Juden brachten kleine Christenkinder um.(Marcel)

„Außerdem haben sie scheußliche Manieren.“(Albertine)

Dieser Aspekt der heutigen zwanzig Seiten soll genügen.  Ich frage mich ob Proust seinen Protagonisten den Antisemitismus neutral beobachten lässt, als Sittengemälde der damaligen Zeit.

Heute morgen ließ uns ein bedeckter Himmel aufatmen, besonders die Katzen wurden etwas agiler.

Die Möwen observieren ihr Territorium , nichts bleibt unentdeckt.

 

 

Proust lesen Tag 65-Im Schatten junger Mädchenblüte_Erster Aufenthalt in Balbec-Elstir

Proust:

Marcel verbringt nun alle Tage mit der kleinen Schar. Damals wollte Marcel in Balbec die kymrische Landschaft wiederfinden, nun lehrt ihn Elstir, dass Schönheit überall zu finden ist, auch in mondänen Badeorten wie Balbec. Elstir zeigt  ihm,  dass hübsche Seglerinnen, Pferderennen  und auch ein Jachtclub ihre ganz eigene Schönheit haben. „Da ist zunächst einmal dieses sonderbare Wesen, der Jockey, auf den alle Blicke gerichtet sind und der trübselig und grau in seinem leuchtenden Dreß vor dem Sattelplatz steht, eins mit dem bockenden Pferd, das er immer wieder an den Zügel bekommt; es wäre allein schon interessant, seine professionellen Gesten festzuhalten….“ „Alle Dinge machen eine Verwandlung durch in ihrer lichtdurchfluteten Weite der Rennbahn, wo man überrascht wird durch eine Unmenge schatten und Reflexen, die man nur dort zu sehen bekommt.“

Kiel/Krusendorf/Surendorf

War mit Luise unterwegs, abends am Stand entlang bis ans militärische Sperrgebiet und weiter. Von der Einsamkeit Krusendorfsdav, der unberührten Natur, gelangten wir direkt in die touristische Zivilisation Surendorfs. davWir haben köstlich gegessen davund portugisische Livemusik gehört. davdavAuf dem Rückweg ein wunderbarer Sonnenuntergang.dav