Proust lesen Tag 46-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Balbec

Kiel/Falckenstein

Nicht ganz in der Zeit geblieben und so datiere ich die frühen Morgenstunden des 4. Juli auf den dritten Juli zurück.  Im wunderbaren Blog von Buchwolf, noch einmal seine Zusammenfassung des ersten Bandes von der Recherche gelesen. Mein Fehler liegt vermutlich darin, mich nicht auf das Mikroskopieren einzulassen. Ich könnte , um dem abzuhelfen, mich auf zehn Seiten beschränken. Das wäre zumindest eine Überlegung wert. Vorerst belasse ich aber alles beim Alten. Denn wie gesagt, der Urlaub ist in Sichtweite.

Karlas Abschiedsgrillen mit der Klasse. Für den größten Teil der Klasse ist es nur der Abschied von der Unterstufe.

Lach-und Silbermöwen umrundeten beharrlich das Buffett, die Silbermöwen sind die penetranteren.

Sie verschmähen weder, Melonenschale noch Chips, hingeworfene Fakeleckerbissen ignorieren sie hochmütig, bedenken es mit einem spöttischen Lachen.

Mit der Fähre zurück, endlich der Versuch die zwanzig Seiten zu lesen. Noch immer ist das Auto kaputt.

img_20180703_212232.jpgProust: Etwa zwei Jahre später. Marcel hat es gegenüber Gilberte fast zu vollkommener Gleichgültigkeit gebracht. Zwei Jahre! Eine Reise in das Seebad Balbec wird geplant. Marcel freut sich zunächst darauf. Er hofft auf die veränderten Rituale, Gewohnheiten und Eindrücke um dem „von der Seßhaftigkeit erstarrten Alltag“ etwas entgegenzusetzen. Andererseits, als er erfährt, dass er nur mit der Großmutter reisen wird, verfällt er in Sorge.

Einige der einprägsamsten Sätze, waren für mich heute die Sätze über die Erinnerung, die noch zur Gilberte Episode gehörten.

„Daher lebt der beste Teil unseres Gedächtnisses außerhalb von uns, in dem feuchten Hauch eines Regentages, dem Geruch eines ungelüfteten Raumes oder dem Geruch eines eben entzündeten, aufflammenden Feuers, das heißt überall da, wo wir uns selbst wiederfinden, was unser Verstand als unverwendbar abgelehnt hatte, die letzte Reserve, die beste, der Vergangenheit, die, wenn all unsere Tränen versiegt scheinen, uns immer neue entlocken wird.“

4 Antworten auf „Proust lesen Tag 46-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Balbec

  1. Ein wunderschönes Zitat. Wenn es ein glücklicher Zufall will und es an heißen Tagen nach Zigarre und kühler Herrencreme riecht, muss ich an meine Kindheit und meine Großeltern denken. Im kleinen Hof habe ich die Platten mit weißer Kreide vollgemalt….Also der Proust nervt mich ja auch von weitem, aber derlei Sätze überzeugen mich, dass doch was dran ist. Übrigens, die von dir erwähnte Erinnerungsszene mit den Plätzchen im Tee wird auch als Leserbrief in der aktuellen Landlust zitiert 🙂

    1. Hab mir die Landlust soeben gekauft. Ja ich fand dieses Zitat auch sehr besonders. Bei mir ist es Teergeruch und Haribo Gummibärchen aus dem Kühlschrank die Erinnerungen wecken die nichts von ihrer Kraft verloren haben.

  2. Wie Frau Heming danke ich für das erlesene Zitat. Was für ein Wechsel der Perspektive, zu sagen, das Gedächtnis liege nicht in uns, sondern außerhalb von uns in dieser oder jener raumzeitlichen Situation aktiviert durch Düfte, Gestank oder Gerüche. Möge die Erinnerung nicht nur Tränen hervorlocken, sondern ebenso freudiges Lächeln.

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