Proust lesen Tag 66-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec

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Proust: Marcel ist mit der kleinen Schar unterwegs.

Albertine zu Marcel: „Ich darf mit Israelitinnen nicht verkehren, sagte Albertine.

Die Art, wie sie das Wort „Israelitinnen „(mit scharfem s) aussprach, bewies zur Genüge, auch wenn man den Rest des Satzes nicht gehört hätte, daß Sympathie gegenüber den Angehörigen des auserwählten Volkes nicht das Gefühl war, das die jungen Töchter frommer Familien der Bourgeoisie beseelte; man hätte sie sicher leicht noch glauben machen können, die Juden brachten kleine Christenkinder um.(Marcel)

„Außerdem haben sie scheußliche Manieren.“(Albertine)

Dieser Aspekt der heutigen zwanzig Seiten soll genügen.  Ich frage mich ob Proust seinen Protagonisten den Antisemitismus neutral beobachten lässt, als Sittengemälde der damaligen Zeit.

Heute morgen ließ uns ein bedeckter Himmel aufatmen, besonders die Katzen wurden etwas agiler.

Die Möwen observieren ihr Territorium , nichts bleibt unentdeckt.

 

 

3 Antworten auf „Proust lesen Tag 66-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec

  1. Ich meine, er beobachtet nur scharf. Und das, was er dabei zu Tage fördert, beurteilt er nicht moralisch, sondern stellt es einfach nur so hin, wie er es wahrgenommen hat. Das ist seine großartige Technik.
    Antisemitismus gehörte ja tatsächlich zur europäischen Kultur, war tief verwurzelt und drückte sich tagtäglich in irgendwelchen Gesten oder Sprachbildern aus.
    Als Kind versuchte ich, meinen Vater, der im Jahr meiner Geburt 1942 fiel, besser kennen zu lernen und zu verstehen, wie er Nazi wurde. Ich las daher u.a. seine Briefe, die er als 8-Jähriger an die Eltern schrieb (er lebte damals im Internat). Und da schrieb er (es hat sich mir eingebrannt): „Ich habe einen guten Wintermantel gekauft, und nicht beim Jud“. Er war Jahrgang 1909, der Bref stammt also aus dem 1. Weltkrieg. .

    1. Liebe Gerda, vielen Dank für deine Kommentare die sich immer auseinandersetzen, dazufügen, das macht dieses Bloggen so wertvoll. Manchmal brauche ich etwas um zu antworten, das liegt dann daran daß ich Zeit brauche um das Gelesene zu verinnerlichen. Danke für das Teilen dieser persönlichen Erinnerung. In Gedanken bin ich in Griechenland und hoffe das diese verheerenden Brænde keine weiteren Menschenleben zum Opfer fallen. LG Xeniana

    2. Wieso war dein Vater im Internat, so früh schon…Und weißt du etwas über seinen weiteren Werdegang? Ich war begeisterter jungpionier und FDJler und ich habe für die Ideale meines Landes gebrannt, so bin ich erzogen wurden, russische Kampflieder sang ich leidenschaftlich gern. Irgendwann kam das Umdenken im Internat, kam ich in Berührung mit der kirche, fühlte mkich zutiefst angesprochen. Der mensch ist beeinflussbar, man sieht es auch daran: dass es in Ungarn wieder möglich wurde, durch Hassreden zum Staatsoberhaupt gewählt zu werden. Ich hab den Antisemitismus nie verstanden, worin liegt er begründet? Liebe Gerda, alle meine guten Wünsche gehen nach Griechenland!

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