Proust lesen Tag 111-Guermantes-einsamer Charlus-Köthen

Proust: Charlus macht Marcel ein Angebot, welches dieser nicht versteht. Er muss wirklich auf den Kopf gefallen sein. Man Marcel, das merkt doch ein Blinder mit Krückstock!  Die Szene kam mir bekannt vor. Und so war es denn auch. In die Schlöndorff Verfilmung von Proust reingesehen, Schlöndorff hat diese Szene wunderbar ins Bild gebracht. Charlus gebärdet sich mal wie ein Wahnsinniger, wie aus einem Shakespeare entsprungen, dann aber auch nah, ernst, maskenlos- er begehrt Marcel. Ich bin mir nicht sicher, ob es Marcel wirklich nicht verstand oder nicht verstehen wollte. Erst bei Schlöndorff habe ich Charlus zum Teil begriffen, der davon spricht, das man im Garten Fuchsien und Begonien pflegt und doch eigentlich nur  zur Kompensation der Einsamkeit, die der Suche nach dem Menschen entspringt der einem versteht, zu einem gehört.

Sie ging mir nah, diese Szene.

Es geht also weiter mit Proust. Mit Guermantes bin ich nun fast durch und irgendwann wird es in der Suche um den Zerfall der bestehenden Gesellschaft gehen, allein das lässt mich schon dranbleiben, aber eben auch diese Fähigkeit Prousts sich in die tiefsten Feinheiten der seelischen Landschaft einzufühlen und zu verstehen.

Kiel: Dieses linke Schulterblatt macht mich wahnsinnig, als Kassenpatient darf ich drei Wochen auf einen Orthopädentermin warten, was verhältnismässig gut ist, nur eben nicht mit den Schmerzen und meine Arbeit braucht ein funktionierendes Schulterblatt! Der Gatte brachte mir hochdosiertes Ibuprofen in der Pause, nur so kann ich beim Schuhe zubinden noch helfen.

Im Buchladen gewesen, was immer ein Fest ist, aber den Goethe (Wanderjahre) hatten sie nicht vorrätig. Im Stern die Rede von Köckert gelesen, die ich gestern bei Buzzfeed gesehen hatte, aber nicht verstand, weil die Tonqualität so schlecht war. Ein Aufruf zur Gewalt , Köthen als Bühne für die Rufe nach Widerstand. Was mich nervte war, dass in den Medien ausschließlich von Neonazis die Rede war, ja es waren mindestens 500, ohne auch die normalen Leute zu erwähnen, die auch dort waren. Beides gehört meiner Meinung in die Berichterstattung, die Neonazis, die Anderen, die Rede mit dem Aufruf zur Gewalt und der Androhung von Kellerverliesen für die „Flitzpiepen der Presse.“(Köckert)

Schwierig fand ich auch, dass relativ schnell bekanntgegeben wurde, dass das Opfer in Köthen einem Herzinfarkt erlag. Das ist richtig und juristisch sicherlich von Belang, aber es mildert doch nicht die Gewalt der Fußtritte gegen den Kopf  und wirkt somit auf mich wie eine Abmilderung. Die Berichterstattung empfand ich als einseitig, mal in die eine, mal in die andere Richtung lückenhaft und scheint tatsächlich sich eher dem zuzuwenden was die meisten Leserzahlen herbeischafft.

Schwierige Zeiten

Ansonsten: sonniger Tag, noch relativ warm, Wespen und Hornissen teilen sich den Garten. Die Bienenweidenblumen beginnen tatsächlich jetzt noch zu blühen. Karlas und Annas neue Schule ist toll. Karla sagte: „Wir lernen da nicht nur für den Kopf, sondern noch so viel mehr und irgendwie sind die Lehrer mehr bei uns-(im Sinne von näher an uns dran. )

Umfrage: Wie geht es euch eigentlich mit dem Proustprojekt? Langweilt es? Ist es schwierig, nicht selbst die Recherche lesend, einzutauchen? Ich überlege wie ich es in Zukunft weiter angehen lasse. Es gäbe ja auch die Möglichkeit ein Nebenproustblog aufzumachen.

Dieser Blogeintrag ist mit der heißen Nadel gestrickt, ich bitte das zu entschuldigen.