Proust lesen Tag 121-Albertine-Selbstintoxikation

Bazillen der Schwermut so nennt es Terezia Mora in ihrem Roman „Das Ungeheuer“, Keime der Toxikation so nennt es Proust und benennt damit nicht die Schwermut, sondern die Eifersucht, die ich in diesem Falle, als Flucht vor Schwermut deute. Denn so oft von Liebe oder Verliebtheit die Rede ist, so ist sie vergiftet von Sehnsucht, Festhalten wollen, Eifersucht. Gerade eben war alles noch gut, dann holt Cottard die Giftspritze raus, der Patient wie gelähmt spürt das Gift warm durch seine Adern rinnen, das Ausmaß der Vergiftung aber, begreift er erst später. Begreift er dann, als er sich nicht mehr konzentrieren kann, die Gedanken an Albertine kreisen, das Misstrauen sich breit macht. Es ist es eine Leere, eine Sehnsucht, die durch eine andere Sehnsucht überdeckt wird, um die Ursprungswunde nicht spüren zu müssen, bzw sie überhaupt erst mal wahrzunehmen. Vermeidung durch Ersatzdrogen. Ob der Schmerz geringer ist bleibt zu fragen. Oder aber ist es die suche nach dem Seelenpartner? Demjenigen mit dem man rund und heil wird?

Kiel:

Am Morgen:

Draußen war es kühl. Eine Krähe ließ eine Walnuss auf die Strasse fallen. Vielleicht wartete sie auf ein Auto, dass ihr half die Nuss zu knacken. Ich hob die Nuss auf.“

 

„Meine ersten Narrative waren die der Repression. Wir reden von den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Oberflächlich betrachtet, war der real existierende Sozialismus die Ursache für die Enge in allem, doch hinter/unter/neben dieser Tyrannei wirkte ein ganzer Komplex „mehrerer durchweg autoritärer Systeme…Jedes dieser Systeme befand sich zu meiner Zeit bereits in der Auflösung, bzw. war mitten in dieser erstarrt.“

Terezia Mora-Nicht sterben