Gesamtdeutsches-Gewitterschwimmerin

„Was wäre“, frage ich den Gatten zu mitternächtlicher Stunde, wenn ein Teil der ostdeutschen Seele geprägt ist durch die Abwesenheit der Eltern. Also Wut durch Mangel oder so.“ Vorher hatte ich „Mit der Faust in die Welt schlagen“, gelesen.

Interessante These“, erwidert der Gatte. “

Weißt du es ist seit geraumer Zeit selten, dass mich ein Buch packt, aber die Gewitterschwimmerin verschlägt mir den Atem. Es trifft meine Erfahrungswelt, es berührt mich, weckt Erinnerungen.  Allerdings nur auf den ersten Seiten. Später kommt eine Abgrundtiefe hinzu, deren Auslotung mir zum Glück unbekannt ist

Tag der Einheit, ein Anlass um an damals zu denken. Die Fahnenapelle, die leeren Sprachhülsen, die stete Kampfbereitschaft gegen den Klassenfeind der uns manchmal Gummibärchen und Caloderma Creme schickte. Alle Jubeljahre die rauchende Großmutter, trinkfest und mit pälzischem Dialekt.

 

5 Antworten auf „Gesamtdeutsches-Gewitterschwimmerin

  1. Oh ja, ich erinnere mich gern daran, wie wir stets vor Weihnachten Päckchen packten für Tante Martha und Onkel Ernst in Aschersleben. Bohnenkaffee, Schokolade und ganz besonders Perlonstrümpfe!
    „Geschenksendung – Keine Handelsware!“ musste draufgeschrieben werden.
    Dann warteten wir auf Post, ob das Päckchen auch angekommen ist.

    1. Aschersleben war fast nebenan:) Unsere Päckchen waren oft geöffnet und unvollständig, ein Brief für Tante Kläre in Hamburg landete statt in Hamburg bei der Direktorin meiner Schule. Ich hatte in meinem pubertierenden Dasein, vergessen das es Langeweile und Frust im Sozialismus gar nicht geben konnte, sondern nur Verleumdung der Republik bedeuten konnte.

      1. Ja, ich erinnere mich, dass ich als Kind bei Besuchen von Verwandten in Lauta/Lausitz immer daran erinnert wurde, bloß nicht das Radio lauter zu stellen, wenn ich am Senderknopf drehte, weil ich ja einen Westsender hätte erwischen können, und vielleicht der Nachbar…… Informant bei Horch & Guck sein könnte. Man traute niemandem so recht. Das empfand ich schon als Kind bedrückend.

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