Proust lesen Tag 131-Sodom und Gomorrha- Diner bei den Verdurins-Erinnerung

Kiel: In der morgendlichen Dämmerung bei künstlichen Licht, an einem viel zu kleinem Tisch auf einem viel zu kleinen Stuhl, Stifte angespitzt. Stift einspannen, kurbeln…..

Juli 89:  Buadapest-Passau im ächzenden hellblauen Trabbi. „Wir werden Stifte anspitzen….“ hatte S. der am Steuer saß halb belustigt, halb besorgt, hingeworfen. Er mimte den dienstfertigen Lakaien, vielfach buckelnd, demütig säuselnd: „Chef, wenn ich dürfte….stets zu Diensten.“

Du hast Recht gehabt S., wenn du wüsstest, ich sitz hier und spitze Stifte an und es gibt just in diesem Moment nichts was ich lieber täte. Denn noch bin ich allein, der Tag noch müde und in wenigen Minuten wird eine Meute von Kindern Leben auf das Papier bringen.

Was für ein goldener Oktobertag!

Proust: Madame Verdurin ist ein intrigantes, missgünstiges, dominantes Frauenzimmer. Sie scheint sich allein dann wohlzufühlen, wenn es ihr möglich ist sich herablassend und süffisant zu geben.  Ein Marquis ist ihr nichts wert, auch dann nicht wenn er ihr Vermieter ist. Niemand ist ihr etwas wert.

Marquis Cambremer  erwähnt, sein Jagdgebiet in dem Wald von Chantepie zu haben. „Der Wald in dem die Elstern schwatzen“ Brichot wendet sich weiter den Etymologien zu, die beherrschend sind in den letzten vierzig Seiten.

Madame de Cambremer: gibt sich kultiviert und gebildet. „…doch wie gewisse zur Fettleibigkeit neigende Personen kaum etwas essen, sich den ganzen Tag bewegen und doch zusehends immer dicker werden, mochte Madame de Cambremer sich noch so sehr, besonders in Feterne, in eine immer noch esoterischere Philosophie und immer schwierigere Musik vertiefen….“  es bleibt alles beim alten. 

Cottard erkundigt sich nach Marcels Erstickungsanfällen, die von Monsieur Cambremer amüsant gefunden werden.

Kundschaft von Heirat Saint Loups, Marcel weiß von nichts. 

Madame de Cambremer bewundert Charlus für seine Verve, durchstreift ihr Mietobjekt währenddessen mit abschätzigen Blicken, kurze Zeit später ist Saniette mal wieder Opfer übler Mobbingattacken.

Man fragt sich am Ende der zwanzig Seiten: warum tut sich jeder einzelne Gast des Mittwochabends das an?!

8 Antworten auf „Proust lesen Tag 131-Sodom und Gomorrha- Diner bei den Verdurins-Erinnerung

  1. Ha, gesehen und gesehen werden. Lieber man ist dabei, als das alle über einen sprechen. so meinte These. Und diese Etymologien – stöhn, ächz

    1. Ja so ist es wahrscheinlich. Die Etymologien fand ich teilweise ganz spannend, nur viel zu umfassend.Aber das kurz fassen scheint nicht Prousts Priorität zu sein.

      1. Ich finde es ja an manchen Stellen nicht ganz passend, wenn ganze Vorträge eingebaut sind. Aber dieser Band hat definiv Spass gemacht bzw. bringt es noch

      2. Ja, der ist schon besonders. Aber der nächste auf seine Art auch, wie überhaupt … wenn Du das einmal durch hast …

  2. Die Etymologien verdeutlichen den Prozess der Entzauberung, der im ganzen Werk von Proust eine so grosse Rolle spielt. Sind für den jungen Marcel die Namen der Städte und Orte (Lamballe, Bayeux, ….) tolle Phantasiegebilde, die ihn zum Träumen anregen, so erfährt der ältere Marcel, dass alle Namen ihre geschichtliche Begründung haben und eigentlich ganz profan sind. Alles hat immer irgendwo seine Begründung, kommt von irgendwoher.

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