Proust lesen Tag 132-Sodom und Gomorrha-Im Salon der Verdurins-Charlus in Kiel

Kiel: Nachts. Der Gatte kehrt von der Vernissage zurück. „Unten wurde eine Rede gehalten, die war richtig gut, witzig, intelligent mit Verve. Der Pianist hat beschwingt Jazz gespielt. Ich war zu spät ,wollte nicht stören. also bin ich zwei Stockwerke höher, das ist ja so verwinkelt da und habe mir die Bilder der Künstlerin angesehen. Ich kenn mich mit Malerei nicht so aus, aber ich mochte die Idee dahinter. Das Buffet war auch dort. Rede beendet, alle stürmen zum Buffet, niemand schaut sich die Bilder an. Ich habe ja Verständnis dafür, die meisten Besucher waren sicherlich Künstler und können demzufolge in der Regel von ihrem Einkommen nicht leben, aber das man den Eindruck hat, das das Buffet der alles dominierende Part war….Und natürlich erschien es wichtig gut auszusehen während man in der Schlange anstand um Essen zu ergattern. Das war Proust pur, sagte der Gatte kopfschüttelnd, jedenfalls so wie du darüber erzählst: Sehen und gesehen werden.“

Der Gatte beschwert, sich, ich hätte in diesem Beitrag die Atmosphäre nicht eingefangen. Naja sage ich: du hast mir auch nicht so viel erzählt. Was hat dich denn zu dem Eindruck veranlasst, das sehen und Gesehen werden wichtig waren? Wie war die Körperhaltung?, die Art zu sprechen?, was hatten sie an? War dunkel sagt der Gatte. Ach Gatte?“ Du hast übrigens auch nichts zu den Bildern gesagt.

Aber ich hab sie mir angesehen, die hatten was, aber wiegesagt ich kenn mich nicht aus….

Ich hatte heute unvermutet frei, kam aber nicht in den luxuriösen Umstand die Sonne zu genießen, sondern unterzog das Haus einer Grundreinigung während ich Proust hörte. Das Hörspiel war eine gute Idee, denn oft ist es so, dass ich merke dass ich beim ersten Lesen etwas falsch verstanden habe oder zu flüchtig war.

Das Haus ist wieder von Teenies belagert, Lukas kam von einer Fahrradtour aus Kreta wieder, Maria und Janne hatten Kroatien unsicher gemacht. Jetzt verfallen Maria und Anna in gewohnter Manier dem Backwahn, ist Karla mit Janne zum Pferd gefahren, genießt Julius die Dämmerung auf der Dachterasse.

Proust:  Gespräch über Elstir, der dem Salon der Verdurins den Rücken kehrte, nachdem es Madame Verdurin nicht gelang ihn mit seiner neuen Flamme auseinanderzubringen. „Ja damals, als er bei mir einkehrte hatte er noch Talent. Intelligent sei Elstir ohnehin nie gewesen. Seinen Impressionismus nennt sie „hektisch gewordenes achtzehntes Jahrhundert.“

Göttliches Gespräch zwischen Monsieur Verdurin und Charlus, es geht ums dazugehören. “ Dazugehören versteht Charlus als Anspielung auf seine Homosexualität und ist nach den flammenden Blicken von Cottard nun langsam am Ende seiner Kräfte.

Ein Missverständnis. 

Cambremers regen sich noch immer über das  in ihren Augen nicht mit Stil eingerichtete Anwesen auf. „Und sie haben Tüllstores! Welch ein Stilbruch! Aber was wollen Sie, die Leute wissen es nicht besser, wo sollen sie es auch gelernt haben? Wahrscheinlich sind sie reiche Geschäftsleute, die sich zur Ruhe gesetzt haben. Für ihre Verhältnisse ist es gar nicht so schlecht.“

Drei Adjektive Regel: Wir fühlen uns glücklich-geehrt-ganz davon angetan.

Charlus bei Kaiser Wilhelm in Kiel:

 Charlus verteidigt gegenüber Cambremer den Titel seine Hoheit und bezieht sich dabei auf Kaiser Wilhelm der ihn in Kiel die ganze Zeit mit Monseigneur anredete. Der Kaiser sei hochintelligent, verstünde aber leider nichts von Malerei, denn er hätte alle Elstirs aus den nationalen Museen entfernen lassen. Er lobt die Hochrüstung Wilhelms, hält ihn als Mensch aber für nichts wert. „…er hat seine besten Freunde verlassen, verkauft, verleugnet-leitet über zur Eulenburg Affäre (muss ich noch nachschlagen).

Eine Antwort auf „Proust lesen Tag 132-Sodom und Gomorrha-Im Salon der Verdurins-Charlus in Kiel

  1. Zu einer Ausstellungseröffnung darf ich auch nächsten Freitag. Meine Frau stellt mit aus.
    Gesehenwerden ist immer Teil der Chose, aber man sollte darüber hinwegsehen.
    Wenn echte Kunst zu sehen ist, dann darf man auch eitel sein. Aber nicht jede Kunst ist leicht zugänglich – es ist fast ein Merkmal dieser, sonst wäre das Gesagte und Gezeigte fast banal.
    Ich mag den Spruch eines Schülers von Beuys, der mir gegenüber protestierte: „Ich bin kein Künstler! Ich bin Bildhauer!“

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