Proust lesen Tag 139-Sodom und Gomorrha/Die Gefangene-Albertine und ihre Freundinnen

Kiel: Unterdessen ist Herbst geworden. Man kleidet sich in Übergangs oder Winterjacken, kratzt morgens das Eis vom Auto und zündet Kerzen an.

Es ist alles wie immer, die Eichelhäher krächzen, die Eichhörnchen sammeln, die Blätter trudeln langsam herunter.

Terezia Mora hat den Büchner Preis bekommen und sagt der Fisch stinke vom Kopf her. Ich wüsste gern etwas detaillierter worauf sie hinaus will. Sie ist eine meiner Lieblingschriftstellerinnen. Da sie auch Esterhazy erwähnt, lese ich in sein Bauchspeicheldrüsenbuch rein und google mir auf google street view die dazugehörigen Straßen. ESterhazy stehe im Verdacht linksliberal zu sein, schreibt sie und das es in Ungarn eine Tendenz gäbe, alles intellektuelle verdächtig zu finden (überspitzt von mir wiedergegeben). Ich hoffe, dass das Lesen selbst nicht irgendwann verdächtig wird.

Proust: Abreise aus Balbec. Marcel der sich eben noch von Albertine trennen wollte, ist zutiefst besorgt als er hört, dass sie mit der Vinteuil Tochter zu tun hat. Der Verdacht, dass Albertine lesbische Beziehungen unterhält, verhärtet sich. Dieses führt nicht dazu, dass Marcel sich trennt. Er verfällt in das Gegenteil. Albertine wird in Paris zunehmend überwacht. Marcels Misstrauen bringt das Feuer nicht zum Erlöschen sondern entzündet es.

Beide spielen ein Spiel mit doppelten Boden. Marcel gibt vor in eine andere Frau verliebt zu sein, Albertine schweigt über ihre Freundinnen. Seltsame Liebe

Politik: Angela Merkel tritt vom Parteivorsitz zurück.

In Brasilien wurde Bolsonaro zum Präsidenten gewählt.

 

 

5 Antworten auf „Proust lesen Tag 139-Sodom und Gomorrha/Die Gefangene-Albertine und ihre Freundinnen

  1. Dein BLOG gefällt mir (inzwischen) sehr gut. Man taucht ein in zwei Parallelwelten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Oder nein: die etwas einseitig miteinander verbunden sind, Deinem Respekt vor Proust. Aber gib die Hoffnung nicht auf: Proust wird eines Tages antworten. Vielleicht unter einem Pseudonym…
    Ich kämpfe mich gerade durch die Kritik der zynischen Vernunft. Vielleicht werde ich ja mal eine Art Tagebuch beginnen mit Zitaten aus Sloterdijk und Bemerkungen zur Gegenwart…

  2. Das Lesen wird verdächtig in einer Geschichte von Elfriede Hammerl – es ist nicht abwegig in diesen Zeiten, auf derartige Gedanken zu kommen, leider.
    Nach wie vor lese ich gern hier!
    Gruß von Sonja

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