Was machst du eigentlich an einem Montag im März-Besuch des Musicals Mary Poppins

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen und ich bin mit dabei.

Irgendwann kommen die Teenies aus der Schule, voller Vorfreude. Wir haben für heute Karten geschenkt bekommen. Es geht ins Stagetheater an der Elbe zum Musical Mary Poppins.

In Hamburg ist die Elbe zugefroren und die Fähren wirken wie Eisbrecher in der Arktis.IMG-20180305-WA0029[1]

Im Theater haben wir ziemlich gute Sitzplätze im Parkett-Reihe sieben. Es ist wunderbar. „Der Wind dreht nach Ost .

Zum Musical: Die Kinder Jane und Michael suchen ein Kindermädchen, die Familie ist kurz vorm Zerfall. Der Vater ist abgespalten von seinen Gefühlen und damit beschäftigt der Familie die materielle Lebensgrundlage zu sichern. Mrs. Banks  erfüllt ihre gesellschaftlichen Pflichten, versucht die perfekte Ehefrau zu sein. Im Musical geht es um die Kinder die ein Kindermädchen nach dem anderen verschleißen. Pädagogisch gesehen sind sie bereits in der oppositionellen Verhaltensschleife verhaftet.  Da ist Mary Poppins ein wahrer Glücksfall, die den Kindern das gibt was sie brauchen, unter die zunächst raue und abweisende Seite der Kinder dringt.  Auch wenn Mr. Banks von der Frau mit Regenschirm nicht sonderlich  erbaut ist. Mr. Banks, selbst unter der lieblosen Fuchtel eines autoritären Kindermädchens großgeworden, hält Korrektheit und Ordnung für die einzig wahren Werte. Für Wunder und für Liebe ist kein Platz. Das Pendant zu Mr. Banks ist Bert, der Lebenskünstler der als Geschichtenerzähler fungiert und liebt was er tut. Er setzt dem tristem Bankangestelltendasein Lebenskunst entgegen.Wer will schon Haus mit Garten, wenn der Preis ein Leben ohne Leichtigkeit ist. Wir fiebern mit, lassen uns von der Entwicklung der Geschichte gefangen nehmen. Es liegt Magie und Leichtigkeit in der Luft und eine tiefe Weisheit.  Die Inszenierung ist bunt, facettenreich, mit zahlreichen verblüffenden Effekten, das Bühnenbild ist liebevoll bis ins Detail gestaltet, die Darsteller Klasse.  Was für Stimmen! Der finale Kampf zwischen Mrs. Andrews  und Mary Poppins ist eine meiner Lieblingsszenen. Autoritäre Maßregelung versus Pädagogik auf Augenhöhe. Wunderbar. So brechen Szenen wie die des zum Leben erwachenden Spielzeugs oder das Lied des Höllenhundes mit der Leichtigkeit und Geradlinigkeit einer Mary Poppins. Licht und Dunkel, Dunkel und Licht.

Und das Licht gewinnt. Man möchte am Ende Mary Poppins am liebsten am Wegfliegen hindern. Es gäbe noch viel zu sagen über die schrille Mrs. Brill, die genial gespielte Mary Poppins die mit feinem Spott und Tricks das Familiensystem zurechtrückt. Die Darsteller sind alle sehr überzeugend. Die drei Stunden vergehen wie im Flug. Stehende Ovationen am Ende der Vorstellung.

Im Zug auf der Rückfahrt höre ich ein Gespräch unter drei jungen Frauen mit. Es geht um Botox. Sie sind höchstens achtzehn. Aber dieses Gespräch gehört schon fast zum nächsten Tag und soll an anderer Stelle erzählt werden.

Das ist ein Musical, dass sich wirklich lohnt gesehen zu haben.