Proust lesen Tag 111-Guermantes-einsamer Charlus-Köthen

Proust: Charlus macht Marcel ein Angebot, welches dieser nicht versteht. In die Schlöndorff Verfilmung von Proust reingesehen. Schlöndorff hat diese Szene wunderbar ins Bild gebracht. Charlus gebärdet sich mal wie ein Wahnsinniger, wie aus einem Shakespeare entsprungen, dann aber auch nah, ernst, maskenlos- er begehrt Marcel. Ich bin mir nicht sicher, ob es Marcel wirklich nicht verstand oder nicht verstehen wollte.

Immerhin ist Charlus im Morgenrock und reagiert sehr empfindlich auf die vermeintliche Abfuhr Marcels.

Sie ging mir nah, diese Szene.

Es geht also weiter mit Proust. Mit Guermantes bin ich nun fast durch und irgendwann wird es in der Suche um den Zerfall der bestehenden Gesellschaft gehen, allein das lässt mich schon dranbleiben, aber eben auch diese Fähigkeit Prousts sich in die tiefsten Feinheiten der seelischen Landschaft einzufühlen und zu verstehen.

 

Ansonsten: sonniger Tag, noch relativ warm, Wespen und Hornissen teilen sich den Garten. Die Bienenweidenblumen beginnen tatsächlich jetzt noch zu blühen.

 

Proust lesen Tag 110-Guermantes-Charlus

Kiel:

das Gefühl am Morgen, wenn man einem veganen Schokoladenkuchen an welchem man 3 Stunden herumgebacken hat, dann als Zwieback aus dem Ofen holt.

Yulia hat mich in eingeladen mit ihr in die Staatsoper in Hamburg zu gehen, aber so mitten in der Woche schaff ich es im Moment einfach nicht.

Nachts geträumt, ich säße am Strand vor dem Zelt, ein Feuer wärmte und  ich sagte zu jemanden: ach die Familienzeit, die hat mir schon manchmal viel Disziplin abverlangt.

 

Proust: Bert hatte Recht. Die Begegnung mit Charlus ist ein Knüller. Aber diesen Teil würde ich gern wach und am Stück lesen. Es soll mir nichts entgehen.

Proust lesen Tag 109-Guermantes-Chemnitz

 

Es wurde noch einmal warm, der Hornsauerklee blüht und es sieht aus als würde die Magnolie zur dritten Blüte ansetzen.

Proust: Es ist so wie es Jochen Schmidt sagte: nach gefühlten hunderten von Seiten Salon, bemerkt Madame de Guermantes, dass es bei ihr an diesem Abend todlangweilig wäre. Es fühlt sich an als würde Proust sich über den Leser lustig machen.

Proust lesen Tag 108-Sonntag-Guermantes

 

 

Proust: Ich bin froh, dass auch Jochen Schmidt, diese Tour durch den Salon als Herausforderung betrachtete. Eine sich anbiedernde Prinzessin von Parma, Abstammungsgenealogien die der Herzog zum Besten gibt und eine endlose Sucht sich den vermeintlich einem gebührenden Platz zu sichern.

Proust lesen Tag 106-Guermantes-noch immer Salon

Hamburg:

Überall Straßenmusiker/innen,  ich wanderte die Hafencity entlang, wie auch schon im letzten Jahr. Es ist seltsam einen Ort, ein Jahr später wieder zu besuchen, der dann die ihn gespeicherten Erinnerungen wieder freigibt.

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Proust: Noch immer im Salon von Oriane, wird sich unter anderem geistreich über Victor Hugo und Balzac unterhalten und darüber ob Literatur denn unbedingt das Hässliche in sich sich aufnehmen müsse, dass Leben sei doch schon grausam genug.

Proust lesen Tag 105-Guermantes-Oriane

Proust: An Tagen wie diesen beschränke ich mich allein darauf, niederzuschreiben was haften blieb. Der Ehemann der Madame de Guermantes liebt sie nicht, ihr verhilft seine Kühle und Strenge ihr nervöses Temperament zu erden. Während Oriane mit ihrer Ausstrahlung, ihrem Charme ihren Salon zu dem Salon überhaupt macht, hat ihr Mann wichtigeres zu tun und flattert von einer Liebe zur nächsten. Und so zeigt sich unter der Oberfläche der bezaubernden, schönen, geistreichen Oriane ein zweites Ich, dieses desillusioniert, bitter und müde.

 

Proust lesen Tag 104-Guermantes und was vom Tage übrig blieb

Kiel:

Der Borretsch blüht und die Bienen kommen in Schwärmen. Der Hornsauerklee blüht auch, zieht die Bienen aber nicht an. Ein paar vereinzelte rote Rosen, orangefarbene Beeren an der Hecke.dav

sdr
Fiona genießt die Aussicht.

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Eine Singdrossel in der Vogelkirsche, auch Amseln und Kernbeißer bedienen sich.

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Ubu und Luna am toben

Sonniger Tag, ich durfte noch auskurieren.

Proust: Oriane ist geistreich, voller Esprit, um sie wird viel Aufhebens gemacht. Sie mag es nicht, wenn in ihrer Gegenwart die Schönheit einer anderen Frau gerühmt wird.

Dort wo Oriane de Guermantes auftaucht, fühlt man sich geadelt, aber man fürchtet auch ihren Spott, die genaue Beobachtungsgabe und die Schärfe ihres Verstandes.

Proust lesen Tag 103-Guermantes-Denver Clan und die einsame Prinzessin von Parma

Proust: Courvoisirs gegen Guermantes, die einen legen Wert auf eine tadellose Abstammung, die anderen folgen dem Adel des Geistes. Wo Gute sind muss es auch Böse geben. Die sozialistischen Ideen der Madame de Guermantes werden trotzdem nicht dazu führen, dass die charismatische Oriane einen mittellosen Künstler heiratet. Adel verpflichtet eben doch und die Rangfolge ist nur solange nicht von Belang, wie eine keine Verwässerung des blauen Blutes zur Folge hat..

Proust beschreibt die Bewegungen der männlichen Dekadenz als Choreografie des Ballettcorps.  Die einsame Prinzessin von Parma kopiert jedwede Bewegung der Madame de Guermante, allerdings ohne deren Esprit und so muss sie sich zuweilen mit 2 Gästen im ihren Salon bescheiden.

 

Proust lesen Tag 102-Guermantes

Proust: Madame de Guermantes nimmt es als Zwang des Adels, bzw. als lästige Beigabe, dass man statt spannende Bücher zu lesen, Salongeplauder veranstalten muss.

 

Kiel: Das Wetter schlägt Kapriolen. Morgens kalt und regnerisch, nachmittags warm, durchsetzt mit schwüler Luft, furchtbar. Der Organismus weiß nicht, auf was er sich einstellen soll.

 

Proust lesen Tag 101-Guermantes-Im Salon von Oriane

Proust: Nach den heutigen zwanzig Seiten, fragte ich mich was ich dazu bloggen sollte. Ich blätterte in „Schmidt liest Proust“. Jochen Schmidt benennt den Salon der Madame de Guermantes als Auslaufgehege des Adels mit bestimmten Gepflogenheiten. Also Marcel ist dort, wo er bereits im ersten Band hinwollte, er hat die nächste Sprosse erreicht.  Hier ist man so höflich und edel, dass es kaum auszuhalten ist. Marcel verliert sich auf dem Weg zum Salon im Anblick echter Elstirs. Er trifft mit 45 Minuten Verspätung  zum mittags oder Abendmahle ein. Vermutlich knurrt allen schon der Magen, aber man lässt sich nichts anmerken.

 

Strand, Wind, Kitesurfer, Hunde, Sonne, Sand, Wellen. Luna und Ubu tobten herum, der Gatte kraxelte über Felsen.

DJogger, Radfaher, Hunde und Besitzer und einige Angler. Das Schilf am Flussufer rauschte, es singen kaum Vögel, ein paar Blesshühner hörte ich.

Das Wetter war merkwürdig, um die 18 Grad, windig, nicht warm , nicht kalt.

Nach der Hunderunde begann ich aus dem Rest des Quittengelees, Quittenbrot zu machen. Im Garten trafen sich die Musiker um zu proben, Hummeln und Bienen tummelten sich gierig am Borretsch, die Wespen blieben beim Wein.

Relativ müde jetzt.