Proustlesen Tag 138-Sodom und Gomorrha-Cambremer gegen Verdurin-ein Verdacht fällt auf Albertine

 

Proust: Die Cambremers zerstreiten sich mit den Verdurins, weil Morel eine Einladung bei den Cambremers ablehnt. Madame Verdurin spinnt wieder Intrigen und hält Brichot mit Lügen ab: es würde bei Cambremers über ihn gespottet werden, dort hinzugehen.

Ein erster Verdacht fällt auf Albertine. Marcel wird zugetragen sie hätte merkwürdige Manieren, es ist vermutlich die Überleitung in den fünften Band. Und wieder Etymologien…..

Proust lesen Tag 137-Sodom und Gomorrha-Charlus und die Liebe zu Morel und von ausgesetzten Pubertieren, die in der Wildnis überlebten.

 

Der Himmel ist wolkenverhangen und trotzdem noch leicht. Draußen ist es kühl, aber die Sommerblumenmischung blüht noch immer. Eine Wespe verirrte sich im Badezimmer.

Proust: Nun erschließt sich mir, warum Charlus damals als er das erste Mal in der Recherche auftauchte, mit dem ruhelos dubiosen Blick eines Stasispitzels auftrat. Charlus lebt von der geheimnisvollen Aura und ist es gewohnt seine Spuren zu Liebhabern zu vertuschen. Etwas Lack ist ab, wenn man ihn mit der Erscheinung vom ersten Balbecaufenthalt vergleicht. Leicht verfettet, hinter der Schminke bleich und lange nicht mehr so souverän. Er schafft den Absprung bei Morel nicht, obwohl dieser hinterhältig, egoistisch, falsch und snobistisch ist. Wie damals schon Swann, der in der Liebe zu Odette jedes Maß verlor, spioniert Charlus Morel hinterher, göttliche Szene im Bordell. Mein Gott warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, dass als Serie zu verfilmen. 

Um persönliche Statements gehts ja nicht so sehr, aber der offensichtlich im Niedergang begriffene Charlus ist meine Lieblingsfigur. 

Proust lesen Tag 136-Sodom und Gomorrha-Morel

Kiel: Hab es heute wie Proust gehalten und bin im Bett geblieben, weitesgehend. Es musste sein.

Ich versuche mich in Nebenlektüre „Asymetrie“, aber es wird tatsächlich immer schwieriger, neben der Recherche noch Gefallen an anderen Büchern zu finden.

Draußen krächzt eine Krähe, es dämmert bereits, Geruch von Holzfeuer. Spinnen die sich am Fenster abseilen, rötlicher Himmel, gelbe Blätter.

Proust: Morel scheint ein unehrlicher, opportunistischer Charakter mit einem „sinnlosen Grausamkeitsinstinkt“ zu sein, der Intrigen spinnt, Geld unterschlägt und für Geld alles tun würde.  

Charlus versucht ihn in die Geheimnisse des wahren Geschmacks einzuweihen und zelebriert das anhand einer Birnenbestellung. 

Proust lesen Tag 135-Sodom und Gomorrha-Charlus und Aimee

 

Proust:

Rückblende: Charlus wollte Aime, Aime merkte das aber nicht und fiel aus allen Wolken, als er von Charlus einen melancholischen Brief bekam.

Das Automobil lässt Entfernungen schrumpfen. Ich finde das schade, denn ich bange um die Langsamkeit, das Innehalten, das Gehen. Die Seele wird nicht mehr Schritt halten können mit den technischen Neuerungen.

Marcel hat den mut Madame Verdurin auszuladen.

Proust lesen Tag 134-Sodom und Gomorrha- Verdurins-Abreise

 

Todmüde aufgewacht, ich hatte vom Salon der Verdurins geträumt, der sich in einen Hamburger Stadtbezirk befand. Als Eintrittskarte sollte ich eine Lilie pflücken, ich fand aber keine.

Proust gelesen.

Die weiblichen Jugendlichen kreieren seit Tagen im Backwahn eine Game of Throne Dracheneitorte. Die Küche ist im Dauerbelagerungszustand.

 

Proust: Es ist kurz vor der Abreise. Madame Verdurin versucht ihre Getreuen bei der Stange zu halten, Charlus trinkt Erdbeerbrause und liefert sich einen Schlagabtausch mit Madame Verdurin. Sie unterliegt, natürlich.

Noch einmal betont Madame Verdurin die Erlesenheit ihres Kreises. Sie hat ein nahezu marktschreierisches Wesen, ihr Zynismus macht sie nicht sympathischer: Facebook und Twitter wären ihr Medium gewesen.

Ein Wetterumschwung kündigt sich an, Marcel hofft er möge auch einen Umschwung in seinem Leben mit sich bringen. Der kleine Clan reist ab. Marcel fährt zurück nach Balbec.

Innenpolitik: Bayern wählt.

Proust lesen Tag 133-Sodom und Gomorrha-im Salon Verdurin

Hamburg:

Ein Buch in Schlangenlederhaut aus dem Regal genommen: „Das Flimmern des Herzens“. Mein Herz flimmert auch, als ich das Buch aus „Die Andere Bibliothek“ gegen den Gutschein einlöse, „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt (aufmerksam geworden durch feiner Buchstoff) muss auch mit, Anna und Karla erwählen das Finale von „Talon“. Man kann erahnen welche Lasten ich über den Tag tragen werde.

Sommerwarmer Wind, siebenundzwanzig Grad. In der Mönckebergstrasse trägt ein Mann mit spiegelblanker Glatze und einem irren Blick ein mannshohes Holzkreuz mit Tesa umklebt . Er warnt lamentierend und drohend vor der Hölle. Reden kann er, das muss man ihm lassen, theatralische Gesten kann er auch. Jemand pflichtet ihm bei, als er sagt im Grunde sei der Mensch böse.  Jasinna ist auch wieder da. Er steht auf seiner kiste, der Regenschirm dient ihm heute als Sonnenschutz. Er bekennt sich zu Jesus durch die Aufschrift seines T-Shirts, Schweigen und Bewegungslosigkeit. So stand er bereits das ganze Jahr, bei Schnee, Regen, Sturm, Hitze. Die Faluner machen eine Gymnastik zwischen Yoga und Eurythmie, eine Flötistin spiel die Habanera und ein Romachor zieht Publikum an.Ein Pianist spielt, eine Cellistin auch und daneben wird für Meinungsfreiheit im Iran demonstriert.

Es ist Zeit die U -Bahn nach B. zu nehmen. Sie  ist nahezu leer. In B. selbst verschlägt es höchstens Männer mit langen Kleidern auf die Straße, eine Frau mit der Stimme von Tom Waits bittet mich vom Balkon herunter, doch bitte den Haargummi aufzuheben, ein etwas gewichtigeres Kind kommt die Treppe heruntergelaufen um den rosa Haargummi entgegenzunehmen. Sonst ist Stille, nur der Wind treibt das Laub raschelnd vor sich her.

Auf der Rückfahrt in  „Flimmern des Herzens“gelesen, das mit den Ratten hätte ich lieber nicht gewusst. Spannend den Schreibprozess Prousts so mitverfolgen zu können.

Proust: im Zug Kiel-Hamburg am Morgen gelesen.

Marcel liebt grüne Glanzseide und hat Brichot geschluckt. Er ist der Einzige außer Charlus dem man gern zuhört, finde ich. Der Rest verliert sich in Zynismus, Snobismus und Dazugehörenwollen.

Charlus zeigt sich gerade im Understatement, er spricht nicht von seinen Talenten, als einer der es wirklich drauf hat. Da kann Morel nicht mithalten. Wie schön dass jeder Meyerbeer für Debussy hält und sich in Ahs und Ohs ergötzt.  Den Ausführungen Proust über Homosexualität und Kunst vermag ich nicht zu folgen. 

Cambremers führen sich noch immer snobistisch auf, sie stürzt sich auf ein Heft von Scarlatti, Charlus erzählt von seinem Schutzpatron Sankt Michael, später wird Karten gespielt, Cottard klopft launige Sprüche, während, ich glaube es ist Cambremer, herausfindet dass Cottard der berühmte Professor Cottard ist.

Dann ist das Ziel erreicht, wir fahren im Hauptbahnhof ein. Wir wollen zum Buchladen, ein Buch in Schlangenlederhaut aus dem Regal befreien, später in einen Stadtteil der angeblich aus allen Zahlen gekippt ist, schauen ob es wirklich so ist. Ein warmer Wind weht. Es sind 27 Grad im Oktober.

 

 

Proust lesen Tag 132-Sodom und Gomorrha-Im Salon der Verdurins-Charlus in Kiel

 

 

Proust:  Gespräch über Elstir, der dem Salon der Verdurins den Rücken kehrte, nachdem es Madame Verdurin nicht gelang ihn mit seiner neuen Flamme auseinanderzubringen. „Ja damals, als er bei mir einkehrte hatte er noch Talent. Intelligent sei Elstir ohnehin nie gewesen. Seinen Impressionismus nennt sie „hektisch gewordenes achtzehntes Jahrhundert.“

Göttliches Gespräch zwischen Monsieur Verdurin und Charlus, es geht ums dazugehören. “ Dazugehören versteht Charlus als Anspielung auf seine Homosexualität und ist nach den flammenden Blicken von Cottard nun langsam am Ende seiner Kräfte.

Ein Missverständnis. 

Cambremers regen sich noch immer über das  in ihren Augen nicht mit Stil eingerichtete Anwesen auf. „Und sie haben Tüllstores! Welch ein Stilbruch! Aber was wollen Sie, die Leute wissen es nicht besser, wo sollen sie es auch gelernt haben? Wahrscheinlich sind sie reiche Geschäftsleute, die sich zur Ruhe gesetzt haben. Für ihre Verhältnisse ist es gar nicht so schlecht.“

Drei Adjektive Regel: Wir fühlen uns glücklich-geehrt-ganz davon angetan.

Charlus bei Kaiser Wilhelm in Kiel:

 Charlus verteidigt gegenüber Cambremer den Titel seine Hoheit und bezieht sich dabei auf Kaiser Wilhelm der ihn in Kiel die ganze Zeit mit Monseigneur anredete. Der Kaiser sei hochintelligent, verstünde aber leider nichts von Malerei, denn er hätte alle Elstirs aus den nationalen Museen entfernen lassen. Er lobt die Hochrüstung Wilhelms, hält ihn als Mensch aber für nichts wert. „…er hat seine besten Freunde verlassen, verkauft, verleugnet-leitet über zur Eulenburg Affäre (muss ich noch nachschlagen).

Proust lesen Tag 131-Sodom und Gomorrha- Diner bei den Verdurins-Erinnerung

Kiel: In der morgendlichen Dämmerung bei künstlichen Licht, an einem viel zu kleinem Tisch auf einem viel zu kleinen Stuhl, Stifte angespitzt. Stift einspannen, kurbeln…..

Juli 89:  Buadapest-Passau im ächzenden hellblauen Trabbi. „Wir werden Stifte anspitzen….“ hatte S. der am Steuer saß halb belustigt, halb besorgt, hingeworfen. Er mimte den dienstfertigen Lakaien, vielfach buckelnd, demütig säuselnd: „Chef, wenn ich dürfte….stets zu Diensten.“

Du hast Recht gehabt S., wenn du wüsstest, ich sitz hier und spitze Stifte an und es gibt just in diesem Moment nichts was ich lieber täte. Denn noch bin ich allein, der Tag noch müde und in wenigen Minuten wird eine Meute von Kindern Leben auf das Papier bringen.

Was für ein goldener Oktobertag!

Proust: Madame Verdurin ist ein intrigantes, missgünstiges, dominantes Frauenzimmer. Sie scheint sich allein dann wohlzufühlen, wenn es ihr möglich ist sich herablassend und süffisant zu geben.  Ein Marquis ist ihr nichts wert, auch dann nicht wenn er ihr Vermieter ist. Niemand ist ihr etwas wert.

Marquis Cambremer  erwähnt, sein Jagdgebiet in dem Wald von Chantepie zu haben. „Der Wald in dem die Elstern schwatzen“ Brichot wendet sich weiter den Etymologien zu, die beherrschend sind in den letzten vierzig Seiten.

Madame de Cambremer: gibt sich kultiviert und gebildet. „…doch wie gewisse zur Fettleibigkeit neigende Personen kaum etwas essen, sich den ganzen Tag bewegen und doch zusehends immer dicker werden, mochte Madame de Cambremer sich noch so sehr, besonders in Feterne, in eine immer noch esoterischere Philosophie und immer schwierigere Musik vertiefen….“  es bleibt alles beim alten. 

Cottard erkundigt sich nach Marcels Erstickungsanfällen, die von Monsieur Cambremer amüsant gefunden werden.

Kundschaft von Heirat Saint Loups, Marcel weiß von nichts. 

Madame de Cambremer bewundert Charlus für seine Verve, durchstreift ihr Mietobjekt währenddessen mit abschätzigen Blicken, kurze Zeit später ist Saniette mal wieder Opfer übler Mobbingattacken.

Man fragt sich am Ende der zwanzig Seiten: warum tut sich jeder einzelne Gast des Mittwochabends das an?!

Proust lesen Tag 130-Sodom und Gomorrha- Auftakt bei den Verdurins-Charlus und Morel

Proust:

Morel wirkt schüchtern wie ein Schuljunge der zum ersten Mal ein Bordell besucht. Baron Charlus hingegen tänzelt herein mit etwas watschelnden Gang, …so kam er flatternd, geziert und ganz als ob das Wallen von Röcken seine gewundenen Bewegungen umflute und behindere, mit einer so geschmeichelten und hochgeehrten Miene auf Madame Verdurin zugetänzelt…“

Während Charlus unter jeder Maske noch eine andere tragend, mir immer sympathischer wird, er ist exzentrisch, sensibel, intelligent und einfach schräg in die Welt geschraubt, gibt sich Morel als billiger Emporkömmling.

Auf Charlus folgen die Cambremers, was Cottard völlig aus dem Konzept bringt.

Madame Cambremer, schlecht gelaunte Vermieterin der Verdurins bekommt bessere Laune als sie Charlus sieht. Wird er sein Versprechen an Odette halten?

Charlus glaubt, dass sein Sitznachbar Cottard mit ihm flirtet. Cottards blinzelnde Blicke quellen hinter dem Kneifer hervor. Charlus reagiert gereizt, empfindet Cottard als Rivale und Spiegelbild, welches er nicht sehen will. Einfach göttlich, diese gesamten Verstrickungen.

Kiel: Sonniger, recht warmer Tag. Vereinzelt fliegen noch Wespen. Ich schlafe tief und lang, als wolle sich der Körper die verpasste Ruhe sämtlicher schlafloser Nächte zurückholen.

Proust lesen Tag 129-Sodom und Gomorrha _Ankunft in La Raspeliere

Proust: Madame Verdurin erhält Nachricht darüber, dass ihr Pianist Dechambre, der die Mittwochabende seit 25 Jahren begleitet hat, gestorben ist. Für Madame Verdurin zählen nur die Lebenden und so entschuldigt ihr Gatte diese Fühllosigkeit mit übergroßer Trauer.

Der kleine Clan wird von Kutschen am Bahnhof abgeholt.  „Begrünte Hügelkuppen senkten sich hinab bis ans Meer, in breiten Weidegründen, denen die Sättigung durch Feuchtigkeit und Salz eine samtige Dichte und lebhaft kontrastierende Töne verlieh. „“Inselchen“ und zerrissene buchten, Sommerhäuser die fast fast alle von Malern gemietet waren, frei umherlaufende Kühe-Idylle pur.

In Raspeliere stehen Verdurins im Smoking zum Empfang bereit, nur Marcel trägt ein Jackett, es ist ihm unangenehm,

Eine weitere Nachricht erreicht die Verdurins: Morel wird kommen, „muss „aber seinen alten Onkel Charlus mitbringen, was zu allerhand Irritation führt. Man scheint Charlus hier wenig zu schätzen. 

Kiel: Laue Oktoberluft, eher ein Rest von Altweibersommer. Der Himmel brennt morgens und abends in  Hellblau und Pink.