Ulysses lesen und Alltag

„Oder war allein das möglich,

was sich auch wirklich begab? Webe, Weber des Winds.“

(Ulysses, James Joyce)

 

Der Arbeitsplatz ist eingerichtet. Der Sohn hat mir einen Schreibtisch und eine selbstgebaute Lampe gespendet, mit goldenem Innenschirm.  Ein schwarzer Tee, ein paar gebrannte Mandeln und so lese ich die ersten zwei Seiten des zweiten Kapitels zum zweiten Mal. Stephen hat keine Lust zu unterrichten. Er will Lernender sein nicht Lehrender. Zu satt sind ihm die Kinder, zu unmotiviert, er selbst scheint der Thematik auch nichts abgewinnen zu können. Es taucht Blake auf, Circe, Troja, Vico. Ich sammle die Puzzlestücke und lege sie beiseite.

Mit den Kindern im Kindergarten durch schlammige Wege gewatet. Es regnet seit Tagen. Sie sammeln Zauberkräuter, Baumrinden und glatte, runde Steine. Zweimal werden wir darauf angesprochen, wie wundervoll doch dieses Alter der Kinder ist. Es lief eine Sendung bei Vox: Die wunderbare Welt der Kinder. Als auch noch der Verkäufer am Fischstand, die Schillerlocke musste einfach sein, mich auf die Sendung ansprach, beschließe ich heute mal fernzusehen, ausnahmsweise.

Vorerst wate ich aber noch einmal mit den Hunden durch den Schlamm. „Zieh die neuen Schuhe nicht an Anna“, nicht hier im Vorort mit den unbefestigten Wegen.“ Anna war shoppen und will nun zur Freundin-zu Fuß. Der Fußweg  aber ist ein Bachlauf.  Sie zieht die neuen Schuhe trotzdem an. Letztlich lernt man durch Erfahrung. Ulysses lege ich für heute zur Seite und begebe mich in die wunderbare Welt der Kinder .Euch einen schönen Abend.

 

 

Ulysses lesen -Kapitel1-keine Wiedergabe-nur ein Eindruck

 

Durch das erste Kapitel habe ich mich durchgearbeitet. Drei Studenten, Irland 1904,  beginnen ihren Tag auf einem Wehrturm und liefern sich einen Schlagabtausch in dem die katholische Liturgie, die Geschichte Irlands, Shakespeare und vieles mehr aufgegriffen wird. Mir fehlt viel oder fast alles um dieses Buch lesen zu können. Weder kenne ich die Geschichte Irlands, noch Shakespeare, am ehesten kann ich bei der Liturgie mithalten. Die Kommentare sind hilfreich, wie sonst hätte ich erkennen können, welche Bedeutung der gelbe Bademantel Mulligans hat, was mit Chemie der Sterne gemeint ist oder das: „Da ist noch ein Fleck“, sich auf Macbeth bezieht. Macbeth habe ich gelesen, der Bezug wäre mir trotzdem nicht aufgefallen.

So wird das nichts. Ich brauche Ulyssesvorbereitende Lektüre.  Ich  lese Othello.

Warum nimmst du dir vor, so schwierige Bücher zu lesen?“, fragt M. “ Eine Frage die ich fürchtete. „Ach Shakespeare mag ich wirklich, der ist einfach genial. Es macht Spaß ihn zu lesen. Ulysses hab ich mir tatsächlich vorgenommen. Frag mich nicht warum. Ich glaub ein Literaturaffiner Kindergartenvater hat mal davon erzählt.“

Hat irgendjemand von euch dort draußen Tipps? Vielleicht einen guten Roman über die Geschichte Irlands oder ein Buch über Telemachos? Oder einen Tipp wie man an Ulysses herangeht?

Habe mit M. debattiert, ob man das Buch erstmal ohne Erklärungen liest, seine eigene Deutung versucht. Kann man aber ein Werk verstehen, wenn man die Hintergründe nicht kennt oder erfasst, auf welches sich dieses bezieht?

Ich verfüge über keine gymnasiale Bildung, auch das ist ein Hindernis. Mein Wissen in Geschichte ist noch nicht einmal rudimentär.

Ulysses lesen-der Beginn

Wie zu erwarten war, scheitere ich bereits auf den ersten Metern. Mit der unkommentierten Ausgabe wird das nichts. Um mir die kommentierte Ausgabe leisten zu können, verkaufe ich ungefähr dreißig meiner Bücher  auf Momox. Ich gestehe: Ich bin froh Maschke, Mohler und Co wieder aus dem Haus zu haben.

Der erste literarische Bezug von Joyce geht zu Shakespeare. Macbeth habe ich gelesen und an der Kieler Oper gehört und gesehen( was ein Genuss war). Hamlet aber ist mir unbekannt. Heute Abend also,  sehe ich Hamlet in einer vierstündigen Verfilmung.  Bis die kommentierte Ausgabe eintrifft , vertreibe ich mir die Zeit mit „Unser Shakespeare“.