Proust lesen Tag 133-Sodom und Gomorrha-im Salon Verdurin

Hamburg:

Ein Buch in Schlangenlederhaut aus dem Regal genommen: „Das Flimmern des Herzens“. Mein Herz flimmert auch, als ich das Buch aus „Die Andere Bibliothek“ gegen den Gutschein einlöse, „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt (aufmerksam geworden durch feiner Buchstoff) muss auch mit, Anna und Karla erwählen das Finale von „Talon“. Man kann erahnen welche Lasten ich über den Tag tragen werde.

Sommerwarmer Wind, siebenundzwanzig Grad. In der Mönckebergstrasse trägt ein Mann mit spiegelblanker Glatze und einem irren Blick ein mannshohes Holzkreuz mit Tesa umklebt . Er warnt lamentierend und drohend vor der Hölle. Reden kann er, das muss man ihm lassen, theatralische Gesten kann er auch. Jemand pflichtet ihm bei, als er sagt im Grunde sei der Mensch böse.  Jasinna ist auch wieder da. Er steht auf seiner kiste, der Regenschirm dient ihm heute als Sonnenschutz. Er bekennt sich zu Jesus durch die Aufschrift seines T-Shirts, Schweigen und Bewegungslosigkeit. So stand er bereits das ganze Jahr, bei Schnee, Regen, Sturm, Hitze. Die Faluner machen eine Gymnastik zwischen Yoga und Eurythmie, eine Flötistin spiel die Habanera und ein Romachor zieht Publikum an.Ein Pianist spielt, eine Cellistin auch und daneben wird für Meinungsfreiheit im Iran demonstriert.

Es ist Zeit die U -Bahn nach B. zu nehmen. Sie  ist nahezu leer. In B. selbst verschlägt es höchstens Männer mit langen Kleidern auf die Straße, eine Frau mit der Stimme von Tom Waits bittet mich vom Balkon herunter, doch bitte den Haargummi aufzuheben, ein etwas gewichtigeres Kind kommt die Treppe heruntergelaufen um den rosa Haargummi entgegenzunehmen. Sonst ist Stille, nur der Wind treibt das Laub raschelnd vor sich her.

Auf der Rückfahrt in  „Flimmern des Herzens“gelesen, das mit den Ratten hätte ich lieber nicht gewusst. Spannend den Schreibprozess Prousts so mitverfolgen zu können.

Proust: im Zug Kiel-Hamburg am Morgen gelesen.

Marcel liebt grüne Glanzseide und hat Brichot geschluckt. Er ist der Einzige außer Charlus dem man gern zuhört, finde ich. Der Rest verliert sich in Zynismus, Snobismus und Dazugehörenwollen.

Charlus zeigt sich gerade im Understatement, er spricht nicht von seinen Talenten, als einer der es wirklich drauf hat. Da kann Morel nicht mithalten. Wie schön dass jeder Meyerbeer für Debussy hält und sich in Ahs und Ohs ergötzt.  Den Ausführungen Proust über Homosexualität und Kunst vermag ich nicht zu folgen. 

Cambremers führen sich noch immer snobistisch auf, sie stürzt sich auf ein Heft von Scarlatti, Charlus erzählt von seinem Schutzpatron Sankt Michael, später wird Karten gespielt, Cottard klopft launige Sprüche, während, ich glaube es ist Cambremer, herausfindet dass Cottard der berühmte Professor Cottard ist.

Dann ist das Ziel erreicht, wir fahren im Hauptbahnhof ein. Wir wollen zum Buchladen, ein Buch in Schlangenlederhaut aus dem Regal befreien, später in einen Stadtteil der angeblich aus allen Zahlen gekippt ist, schauen ob es wirklich so ist. Ein warmer Wind weht. Es sind 27 Grad im Oktober.

 

 

Proust lesen Tag 132-Sodom und Gomorrha-Im Salon der Verdurins-Charlus in Kiel

 

 

Proust:  Gespräch über Elstir, der dem Salon der Verdurins den Rücken kehrte, nachdem es Madame Verdurin nicht gelang ihn mit seiner neuen Flamme auseinanderzubringen. „Ja damals, als er bei mir einkehrte hatte er noch Talent. Intelligent sei Elstir ohnehin nie gewesen. Seinen Impressionismus nennt sie „hektisch gewordenes achtzehntes Jahrhundert.“

Göttliches Gespräch zwischen Monsieur Verdurin und Charlus, es geht ums dazugehören. “ Dazugehören versteht Charlus als Anspielung auf seine Homosexualität und ist nach den flammenden Blicken von Cottard nun langsam am Ende seiner Kräfte.

Ein Missverständnis. 

Cambremers regen sich noch immer über das  in ihren Augen nicht mit Stil eingerichtete Anwesen auf. „Und sie haben Tüllstores! Welch ein Stilbruch! Aber was wollen Sie, die Leute wissen es nicht besser, wo sollen sie es auch gelernt haben? Wahrscheinlich sind sie reiche Geschäftsleute, die sich zur Ruhe gesetzt haben. Für ihre Verhältnisse ist es gar nicht so schlecht.“

Drei Adjektive Regel: Wir fühlen uns glücklich-geehrt-ganz davon angetan.

Charlus bei Kaiser Wilhelm in Kiel:

 Charlus verteidigt gegenüber Cambremer den Titel seine Hoheit und bezieht sich dabei auf Kaiser Wilhelm der ihn in Kiel die ganze Zeit mit Monseigneur anredete. Der Kaiser sei hochintelligent, verstünde aber leider nichts von Malerei, denn er hätte alle Elstirs aus den nationalen Museen entfernen lassen. Er lobt die Hochrüstung Wilhelms, hält ihn als Mensch aber für nichts wert. „…er hat seine besten Freunde verlassen, verkauft, verleugnet-leitet über zur Eulenburg Affäre (muss ich noch nachschlagen).

Proust lesen Tag 131-Sodom und Gomorrha- Diner bei den Verdurins-Erinnerung

Kiel: In der morgendlichen Dämmerung bei künstlichen Licht, an einem viel zu kleinem Tisch auf einem viel zu kleinen Stuhl, Stifte angespitzt. Stift einspannen, kurbeln…..

Juli 89:  Buadapest-Passau im ächzenden hellblauen Trabbi. „Wir werden Stifte anspitzen….“ hatte S. der am Steuer saß halb belustigt, halb besorgt, hingeworfen. Er mimte den dienstfertigen Lakaien, vielfach buckelnd, demütig säuselnd: „Chef, wenn ich dürfte….stets zu Diensten.“

Du hast Recht gehabt S., wenn du wüsstest, ich sitz hier und spitze Stifte an und es gibt just in diesem Moment nichts was ich lieber täte. Denn noch bin ich allein, der Tag noch müde und in wenigen Minuten wird eine Meute von Kindern Leben auf das Papier bringen.

Was für ein goldener Oktobertag!

Proust: Madame Verdurin ist ein intrigantes, missgünstiges, dominantes Frauenzimmer. Sie scheint sich allein dann wohlzufühlen, wenn es ihr möglich ist sich herablassend und süffisant zu geben.  Ein Marquis ist ihr nichts wert, auch dann nicht wenn er ihr Vermieter ist. Niemand ist ihr etwas wert.

Marquis Cambremer  erwähnt, sein Jagdgebiet in dem Wald von Chantepie zu haben. „Der Wald in dem die Elstern schwatzen“ Brichot wendet sich weiter den Etymologien zu, die beherrschend sind in den letzten vierzig Seiten.

Madame de Cambremer: gibt sich kultiviert und gebildet. „…doch wie gewisse zur Fettleibigkeit neigende Personen kaum etwas essen, sich den ganzen Tag bewegen und doch zusehends immer dicker werden, mochte Madame de Cambremer sich noch so sehr, besonders in Feterne, in eine immer noch esoterischere Philosophie und immer schwierigere Musik vertiefen….“  es bleibt alles beim alten. 

Cottard erkundigt sich nach Marcels Erstickungsanfällen, die von Monsieur Cambremer amüsant gefunden werden.

Kundschaft von Heirat Saint Loups, Marcel weiß von nichts. 

Madame de Cambremer bewundert Charlus für seine Verve, durchstreift ihr Mietobjekt währenddessen mit abschätzigen Blicken, kurze Zeit später ist Saniette mal wieder Opfer übler Mobbingattacken.

Man fragt sich am Ende der zwanzig Seiten: warum tut sich jeder einzelne Gast des Mittwochabends das an?!

Proust lesen Tag 130-Sodom und Gomorrha- Auftakt bei den Verdurins-Charlus und Morel

Proust:

Morel wirkt schüchtern wie ein Schuljunge der zum ersten Mal ein Bordell besucht. Baron Charlus hingegen tänzelt herein mit etwas watschelnden Gang, …so kam er flatternd, geziert und ganz als ob das Wallen von Röcken seine gewundenen Bewegungen umflute und behindere, mit einer so geschmeichelten und hochgeehrten Miene auf Madame Verdurin zugetänzelt…“

Während Charlus unter jeder Maske noch eine andere tragend, mir immer sympathischer wird, er ist exzentrisch, sensibel, intelligent und einfach schräg in die Welt geschraubt, gibt sich Morel als billiger Emporkömmling.

Auf Charlus folgen die Cambremers, was Cottard völlig aus dem Konzept bringt.

Madame Cambremer, schlecht gelaunte Vermieterin der Verdurins bekommt bessere Laune als sie Charlus sieht. Wird er sein Versprechen an Odette halten?

Charlus glaubt, dass sein Sitznachbar Cottard mit ihm flirtet. Cottards blinzelnde Blicke quellen hinter dem Kneifer hervor. Charlus reagiert gereizt, empfindet Cottard als Rivale und Spiegelbild, welches er nicht sehen will. Einfach göttlich, diese gesamten Verstrickungen.

Kiel: Sonniger, recht warmer Tag. Vereinzelt fliegen noch Wespen. Ich schlafe tief und lang, als wolle sich der Körper die verpasste Ruhe sämtlicher schlafloser Nächte zurückholen.

Proust lesen Tag 129-Sodom und Gomorrha _Ankunft in La Raspeliere

Proust: Madame Verdurin erhält Nachricht darüber, dass ihr Pianist Dechambre, der die Mittwochabende seit 25 Jahren begleitet hat, gestorben ist. Für Madame Verdurin zählen nur die Lebenden und so entschuldigt ihr Gatte diese Fühllosigkeit mit übergroßer Trauer.

Der kleine Clan wird von Kutschen am Bahnhof abgeholt.  „Begrünte Hügelkuppen senkten sich hinab bis ans Meer, in breiten Weidegründen, denen die Sättigung durch Feuchtigkeit und Salz eine samtige Dichte und lebhaft kontrastierende Töne verlieh. „“Inselchen“ und zerrissene buchten, Sommerhäuser die fast fast alle von Malern gemietet waren, frei umherlaufende Kühe-Idylle pur.

In Raspeliere stehen Verdurins im Smoking zum Empfang bereit, nur Marcel trägt ein Jackett, es ist ihm unangenehm,

Eine weitere Nachricht erreicht die Verdurins: Morel wird kommen, „muss „aber seinen alten Onkel Charlus mitbringen, was zu allerhand Irritation führt. Man scheint Charlus hier wenig zu schätzen. 

Kiel: Laue Oktoberluft, eher ein Rest von Altweibersommer. Der Himmel brennt morgens und abends in  Hellblau und Pink.

Proust lesen Tag 128-Sodom und Gomorrha-auf dem Weg zu den Verdurins

Proust: Wie lange braucht die Fahrt von Balbec nach La Raspeliere? Wo übernachtet man? Weder bekommt man eine Beschreibung der Inneneinrichtuung des Zuges, selten werden andere Fahrgäste (die nicht dem kleinen Clan angehören) beschrieben, abgesehen von der jungen, rauchenden Dame, von der Marcel so fasziniert war.

Er fürchtet diese nie wieder zu sehen. Albertine versucht ihn zu beruhigen, man träfe sich immer zwei Mal im Leben.  „In diesem besonderen Falle täuschte sie sich; ich habe das schöne junge Mädchen mit der Zigarette niemals wieder getroffen oder erfahren, wer sie eigentlich war.“

„Oft noch, wenn ich an sie denke, fühle ich mich von irrem Verlangen erfaßt. Aber die Wiederkehr solcher Wünsche legt freilich die Überlegung nahe, daß man, um solche Mädchen mit dem gleichen Vergnügen wiederzusehen, auch zu dem Jahr zurückkehren müßte, auf das seither zehn andere gefolgt sind, und daß während dieser Zeit das junge Mädchen seine Frische sicherlich eingebüßt hat. Man kann zuweilen ein Wesen wiederfinden, doch nicht die Zeit auslöschen.“

„Doch man spürt, daß das Unterfangen zu groß ist für die geringen Kräfte, die man noch besitzt. Die ewige Ruhe hat schon Intervalle eingelegt, in denen man weder auszugehen noch zu sprechen vermag.“

Was noch geschah: Cottard erzählt, dass Madame Verdurin eine Nachricht erhielt. Ihr Lieblingsgeiger (Morel) hatte sie versetzt.  Sie vermutet, er habe den Zug verpasst. Wir wissen warum.

Cambremers tauchen als zu erwartende Gäste auf, Fürstin Scherbatow wird im Zug gesucht und gefunden und ist nicht die Puffmutter, für die man sie hielt.

Kiel: 5.00 Uhr aufgestanden und Proust gelesen. Als ich später die Tageszeitung aus dem Briefkasten holte, es war noch dunkel, traute sich die Katze erstmals ins Freie. Recht selbstbewusst und so gar nicht vorsichtig.

Wetter: Ein fulminanter rosa, hellblauer Morgenhimmel, der trotzdem etwas geradezu merkwürdiges hatte. Krähen als schwarze krächzende Lichtpunkte. Sonniger, kühler Tag.

 

 

Proust lesen Tag 127-Sodom und Gomorrha-Der kleine Clan

Proust:

Ist Marcel nach einem Zwischenstopp in Donciere weitergefahren nach La Raspeliere oder unternimmt er eine erneute Reise in dieselbe Richtung. Reist er mit Albertine oder ohne? Das Ziel ist klar: La Raspeliere, Salon der Madame Verdurin.

Tag: Es ist Mittwoch, die Gäste die ebenfalls zum Salon in La Raspeliere unterwegs sind, erkennt man an ihrer Selbstsicherheit, Eleganz und Vertrautheit untereinander. Man trägt Smoking. Marcel ist erstaunt über den Aufstieg des Salons. „Ich hatte vergessen, daß die Verdurins einen schüchternen, durch die Dreyfus-Affäre verlangsamten und durch die „neue Musik“ beschleunigten Aufstieg zur Gesellschaft begonnen hatten….“

Neu sind im Clan: Ski, der so genannt wird, weil sein polnischer Name unaussprechlich ist, ein ehemaliges Wunderkind, begabt in allen Künsten, aber nicht diszipliniert, Brichot und die Fürstin Scherbatow, sie ist der eigentliche Promi in der Gesellschaft allein durch ihre Zugehörigkeit zum Hochadel. Sie hat weder Familie noch Freunde und ist die hingebungsvolle Getreue, die sich Madame Verdurin immer heranzüchten suchte.

Man befindet sich noch immer im Zug, ist auf der Reise nach La Raspeliere.

Kiel:

Es ist kühl und sonnig, Eichelhäher und Elstern krächzen um die Wette, Wildgänse kommen an.

 

Proust lesen Tag 126-Sodom und Gomorra-zurück bei den Verdurins

Kiel: Noch einmal wird es warm. Mit den Hunden bin ich drei Stunden unterwegs, laufe über Eicheln, bunt verfärbte Ahornblätter und Waldwege. Ein Specht holt sich sein Mittagessen aus dem Stamm eines Baumes.

An meinem Ziel angelangt, betrete ich den den Buchladen, hole mir Tara Westover heraus und trete den Rückweg an. Ein Spätsommertag an dem eine Spinne sich in ihrem eigenen Netz verfängt und die Kleingartenkolonien.

Proust:

Um Albertine zu zerstreuen, ihre Freundinnen sind abgereist, nimmt er sie mit nach Doncieres. Er will Saint Loup besuchen, weiterhin fragt er bei Madame Verdurin an, ob er am darauffolgenden Mittwoch zu ihr kommen könne. Somit sind Albertine und er geladende Gäste der Mittwoche schlechthin.

Marcel und Albertine  steigen in den Zug, der liebevoll als langsame Blindschleiche bezeichnet wird ein, um nach La Raspeliere zum Diner der Verdurins zu fahren, nicht ohne einen Zwischenstop bei Saint Loup zu machen.

Er sucht ein Abteil in dem er mit Albertine allein sein kann, findet aber keines. Statt dessen gehen sie in ein Abteil, in dem bereits eine Dame mit einem großen, häßlichen, alten Gesicht sitzt, eher männlich geprägt. Sie ist gewöhnlich und prätentiös zugleich. Marcel sortiert sie in eine „Dame von hohen Rang“ in gewöhnlich Verhältnissen, wahrscheinlich als eine Puffmutter ein. Verwunderlich findet er , dass solche Damen  die „Revue des Deux Mondes“ lesen.

In Doncieres flirtet Albertine mit Saint Loup. Marcel ist ungnädig.

Sain Loup bringt sie nach dem Besuch zum Bahnhof, Marcel und Albertine haben noch eine Stunde Zeit bevor es mit der Bahn weitergeht. Sie treffen auf Charlus. Der Baron ist deutlich gealtert und gibt unter seiner weißen Schminke keine gute Figur mehr ab. Charlus bittet ihn einen jungen Soldaten herbeizurufen. Es ist Morel. Erst später begreift Marcel welcher Natur die Begegnung sein soll.

Nachgelesen: Die Bahn ist das Symbol der Verbindung von Erzählsträngen, hier trifft Charlus Morel , entdeckt Marcel Albertine in Gomorrha und die Hauptorte Balbec und La Raspelliere werden verbunden.

 

Proust lesen Tag 125-Sodom und Gomorrha-Celeste-WMDEDGT 10/18-Hambacher Forst bleibt

F

rau Brüllen fragt wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

3.00 Uhr: Aufgewacht. Ich habe die Wahl mich zu ärgern oder es anzunehmen. Es ist Freitag, ich werde den Schlaf nachholen können. Die gute Seite an 3.00 Uhr ist: ich kann mich gut konzentrieren. Im Regal suche ich nach Begleitliteratur zu Proust: „Mit Proust auf der Suche nach dem verlorenen Sinn“ von J.S. Tomas . Mir fällt auf was mir vorher nicht auffiel: Der Autor bezieht sich ebenfalls auf Hahn und Liek, die in Köln sechs Jahre lang die Recherche vorlasen.

Bert liest Musil: den Mann ohne Eigenschaften. Hatte ich auch schon einmal in der Hand, als Lina es im Rahmen ihres Germanistikstudiums las, keine Chance. Ich verstand nichts. Googelte mir jetzt bei Wikipedia die Handlung.

3.30: Zurück bei der Suche nach dem verlorenen Sinn, lande ich bei Platons Kugelmenschen und Bergson. Beides auf dem Handy noch mal nachgeschlagen.

Die Oberfläche der Recherche wirft mich immer wieder zurück. Als würde ein fettes rotes Kreuz auftauchen mit Beitext: Zugriff verweigert.

4.00 Uhr: Frühstück, ich greife zu Proust: Nissim Bernard, seine Nichte, Bloch sie alle spielen eine Rolle im Grandhotel in Balbec. Marcel trifft sich mit den Läuferinnen, eine davon ist Celeste in den Katakomben des Hotels. Sicher das es unterirdisch war? Nein: spielt aber keine Rolle. Die beiden jungen Damen sind mitgebrachte Dienerinnen einer Ausländerin. Celeste ist ein freches, unverblümtes Ding, die sich über Marcels Aussehen auslässt, als wäre er ein Zirkuspferd. Dabei ist sie vermutlich relativ treffsicher und spöttisch. Marcel wird vom Hoteldirektor darauf hin gewiesen, dass diese Damen doch kein Umgang für ihn seien. Marcel rechtfertigt sich nicht: Er lacht ihm ins Gesicht.

Nachgelesen: Es spielt doch eine Rolle, wo sich eine Handlung abspielt, Symbolismus. So ist das Hotelzimmer, von der Eingangshalle und dem Souterrain zu unterscheiden.

5.00 Uhr: Zehn Seiten habe ich gelesen.

Wäre schön man könnte hier in Kiel im Literaturhaus mal Proust vorgelesen bekommen. Sechs Jahre dauerte das Projekt in Köln. Wie toll!

5.30 Uhr: Ich schlafe ein.

8.15: Aufgewacht, zweiter Cappucino, gebloggt. J

Nach der Arbeit: Müde. Die Sonne ist herausgekommen, es sollen noch einmal 22 Grad werden.

Wir haben uns ein Political von MASH angesehen. Ziemlich spannende Sache, aufgeführt im Plenarsaal des Landeshauses.  Die Kanzlerin stellt die Vertrauensfrage an ihr inneres Team. img_20181005_1909241122504107518651696.jpg

img_20181005_173351703162662071711559.jpg

Später Tapas essen gewesen. So war der fünfte.

Proust lesen Tag 124-Sodom und Gomorrha- Albertine-Eifersucht

 

Im Wald kann man den Blättern bei der Transformation zusehen, noch in Farbe verwandeln sie sich zu einem nassen schleimigen Zwischenzustand, um irgendwann in Erde überzugehen.

Proust: (zu Albertine): „Ich hätte an jenem Abend abreisen sollen, um sie nie mehr wiederzusehen. “ Man ahnt die Dramatik die noch folgen wird. Jede neu anreisende junge Frau, versetzt Marcel in die Not, Albertine nicht ihre Begegnung machen zu lassen. Die krankhafte Eifersucht nimmt ihren Lauf.