Proust lesen Tag 53-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte- Inbesitznahme und Proust hätte heute Geburtstag gefeiert

Heute hätte Proust Geburtstag gefeiert.

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Marcel sieht sich eine Kirche an, die völlig unter Efeu verborgen liegt. In seinem Geist versucht er die architektonische Form freizulegen. Ein Dorfmädchen sitzt mit hängenden Beinen auf einem Brückengeländer und wirkt ernster und verschlossener als der Rest der Gruppe. Ihre Haut ist sonnengebräunt, die Augen sanft, mit einem Blick der über alles hinwegzusehen schien. Marcel versucht in das „Innere des schönen Fischermädchens“ zu dringen. Er nimmt fünf Francs und bittet das Mädchen für ihn eine Besorgung zu machen, sie solle zu der Kutsche der Marquise laufen. „Als ich aber die Worte „Marquise“ und „zwei Pferde“ ausgesprochen hatte, kam plötzlich eine große Befriedigung über mich. Ich spürte, daß das Fischermädchen sich an mich erinnern würde….““diese gewaltsame Eroberung ihres Geistes aber, diese unkörperliche Inbesitznahme hatte ihr von ihrem Geheimnis ebensoviel genommen, wie physisches Besitzen es tut.“

Noch einmal klingt das Thema des unter die Oberflächedringens, bei der Betrachtung dreier Bäume an, welchen einen Erinnerungsschimmer aufblitzen lassen, welchen Marcel aber nicht zu erfassen in der Lage ist.“

 

Schwedeneck/Kiel

Im Wohnwagen geschlafen um den das Haus belagernden Teenies auszuweichen. Es weckte mich Vogelgesang. Immer noch wolkenbedeckter Himmel. Später auf dem Weg zum Strand, streifen wir Distelfelder, man könnte meinen es wäre Lavendel, das Grillengezirpe verstärkt den Eindruck. Wir durchqueren eine wilde Kirschplantage, dann einen Privatwald, in der Ferne Pfadfinder an ihren Zelten. Der salzige Geruch des Meeres, vermischt sich mit Holzfeuergeruch. Ein Mann und eine Junge, hocken am Feuer und schützen es vor dem Wind.

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Die Katzen sind verschmust, freuen sich über jede streichelnde Hand, aber weigern sich die Kemenate unterm Dach zu verlassen.

Proust lesen-Tag 1-In Swanns Welt S. 1-20

Kiel/In Swanns Welt/S.1-20

Die ersten zwanzig Seiten Proust: Der Erzähler wacht kurz nachdem er eingeschlafen ist auf und ist desorientiert. Die Kerze wird mit einem Zündholz wieder angezündet, in der Ferne das Fauchen eines Eisenbahnzuges, Erinnerungen die ihn mal zur Großmutter nach Combray, mal zu altdeutschen Sagen führen. Mich beschäftigt beim Lesen die Reformation, Karl der Fünfte und ob der Erzähler Marcel Proust selbst ist. Kann ich den Erzähler Marcel nennen oder muss er namenlos bleiben?

Schönste Beschreibung: Unverletzliche Einsamkeit.

Das Proust Projekt beginnt. Ich werde die Suhrkamp Ausgabe von 1975 von Eva Rechel-Mertens lesen.

Diese fand ich einst bei uns im Keller. Zusammen mit den Buddenbrooks  fristeten die Klassiker ein lichtloses Dasein.  Dem Gatten hielt ich sie kopfschüttelnd unter die Nase. Er behauptete überzeugend, nicht der Eigentümer dieser Schwergewichte zu sein. Es klärte sich nie auf. Ohne diesen Kellerfund wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen, mich an diesen Mammutroman heranzuwagen.

Morgendlicher Besuch der Bibliothek. Mir begegnet das Buch, es liegt gleich vorn neben der Eingangstür : Gefahren des Lesens von Petra Gust-Kazakos ( tolle Buchbesprechung von Sätze und Schätze), das muss natürlich mit! Ich trete den Heimweg an.

Es sollen zwanzig Grad werden. Ein wenig Wind in der Stadt, das Gekreisch der spöttelnden Möwen.

Auf dem Bahnhofsvorplatz sitzt die Trinkerszene. Eine junge Frau, knapp zwanzig muss sie sein, zitternd als sie mich um einen Euro bittet.  Zum Zittern kommt Husten: „Sie brauchen einen Arzt“, sage ich, während ich nach Kleingeld suche. „Geht nicht“, antwortet sie, hab keine Krankenkassekarte. “ Ihr Husten klingt nicht gut.“ Der Husten kommt davon, dass ich zusammengeschlagen wurde. Kein Alkohohldunst, keine sichtbaren Blessuren, sie ist nüchtern, aber es umgibt sie etwas Lebloses. Ich gebe ihr den Euro mit dem Hinweis auf die Notfallambulanz. Es ist ihr egal. „Mir geht es gut“, sagt sie tonlos.

Mit den Hunden gehe ich später lange am Fluss entlang. „Unverletzliche Einsamkeit“.

Pappelschnee wickelt sich um maigrüne Blätter, Pusteblumenfelder, ein kleiner Admiral fliegt mir vor die Füße. Die Kastanien stehen in voller Blüte.

Noch später ist Besuch da. Es wird auf Keybord und Schlagzeug musiziert und unter dem blühenden Apfelbaum Kaffee getrunken.

Schönste Szene des Tages: Beim Discounter unseres Vertrauens treffe ich den Gatten.  „Hier bist du“, sagt er und „Wir haben dich überall gesucht, wir sollten wirklich mehr miteinander reden.“ In meinem Wagen: Heidelbeeren, Spargel und Blattspinat, in seinem Chips, Cola und Grillfleisch.

Am Abend bringe ich die „Blumenwiesensaat“ für Bienen aus. Sie sollen den im Vorgarten blühenden Rotklee ablösen. Ein Bienenvolk im Garten, das könnte ich mir auch vorstellen.

 

 

Euch allen wünsche ich wunderbare Pfingsttage.