Proust lesen Tag 109-Guermantes-Chemnitz

Kiel:

Nach dem Hamburgtag gestern, begann der Morgen damit, dass ich mein Auto überbrücken musste weil ich das Parklicht angelassen hatte. „Was für ein Start in den Montagmorgen!“, rief mir eine junge Frau mitleidig zu.

Es wurde noch einmal warm, der Hornsauerklee blüht und es sieht aus als würde die Magnolie zur dritten Blüte ansetzen. Ich war lange auf Whats App, freute mich über den wunderbaren Blumenstrauß der Nachbarin, beschriftete Marmeladengläser, kaufte ein, buk Kuchen. Die Katzen sonnten sich auf der Dachterasse, ich verwaltete die Wäsche, während auf Whats App Bewegung war.

Anna hatte ihre erste Übungsstunde auf dem Verkehrsübungsplatz.

Innenpolitik: In Chemnitz findet ein Protestkonzert statt, ein wir sind mehr Konzert. 50.000 Gäste.

Habe gerade gelesen, dass auch in Kiel eine „Wir sind mehr“ Demo stattfindet. Kiel ist in der „Bild“ (Werbung) 4000 Demonstrierende.

Proust: Es ist so wie es Jochen Schmidt sagte: nach gefühlten hunderten von Seiten Salon, bemerkt Madame de Guermantes, dass es bei ihr an diesem Abend todlangweilig wäre. Es fühlt sich an als würde Proust sich über den Leser lustig machen. Ich habe mich so dermaßen gelangweilt im Salon der Madame de Guermantes!

Proust lesen Tag 108-Sonntag-Guermantes

 

Ich stelle mich weder links noch rechts auf. Ich bin nicht jüdisch, evangelisch, katholisch, nicht Hindu, nicht Muslima, aber auch nicht atheistisch. Ich hänge nicht einer Pädagogikrichtung an, ich glaube nicht die Wahrheit zu kennen, ich bin gegen Dogmen und für selbstständiges Denken. Ich versuche mir ein Bild zu machen von der aktuellen, innenpolitischen Lage, immer habe ich das Gefühl nicht genug zu wissen, nicht richtig zu interpretieren, ich nehme mir die Zeit nicht mich umfassend zu informieren.

Aber: Chemnitz hat es geschafft in meine Träume einzudringen. Gewalttaten machen mir Angst, egal wer sie verübt und eine aufgebrachte Menschenmenge die brüllt: „auf die Fresse und „keine Gewalt“ macht mir Angst. Wohin entwickelt sich Deutschland?

Proust: Ich bin froh, dass auch Jochen Schmidt, diese Tour durch den Salon als Herausforderung betrachtet. Eine sich anbiedernde Prinzessin von Parma, Abstammungsgenealogien und eine endlose Sucht sich den vermeintlich einem gebührenden Platz zu sichern.

Proust lesen Tag 107-Guermantes

Kiel:

Holunder gepflückt, Quitten auch, ein wunderbarer Herbsttag. Sechzehn Gläser Quitten und Holundermarmelade sind dabei herausgekommen. Brenesselsamen gesammelt, angebraten und zum Salat hinzugefügt. Ein Eichhörnchen sprang mir vor die Füße, es soll ein hartes Jahr für sie werden, die Hitze wirkt sich auch hier aus. Ein wenig gelesen, telefoniert, Gassi gegangen. Ein ruhiger Tag-hier.

Ein Telefonat, in dem es irgendwie wieder um Politik geht. Ich merke an, dass ich nicht verstehe, dass man Gefährder wieder ins Land holt, weil Gefahr besteht, dass sie in ihrem Land gefoltert würden. „Nein, Nein sagt H., so einfach ist das nicht. Das Problem ist, das das Verwaltungsrecht nicht eingehalten wurde. Es gibt Gesetze, Verfahren, die müssen eingehalten werden, sonst öffnet man der Gesetzlosigkeit Tür und Tor. “ das leuchtet mir ein.

Innenpolitik: Trauermarsch der AFD in Chemnitz, mehrere tausend Demonstranten, man sprach von 8000 und 4500 Gegendemonstranten.

Ich denke an dieses Jahr zurück: Es brachte Hamburg, zwei neue Katzen, den Schulwechsel von Anna, politische Veränderungen

Proust: Oriane gibt spitzzüngig zu verstehen, dass sie Charlus für homosexuell hält, denn:

Er trauert komisch um seine Frau: „Er geht alle Tage zum Friedhof und erzählt ihr, wieviele Personen er zum Dinner gehabt hat.“

Sie lebten ja auch wie Heilige zusammen.

ER hat Zartgefühl, etwas Weibisches.—————-

Durch wie viele Salons werde ich noch gehen?

 

Proust lesen Tag 106-Guermantes-noch immer Salon

Hamburg:

Überall Straßenmusiker/innen mit teilweise fantastischen Stimmen. Ich wanderte die Hafencity entlang, wie auch schon im letzten Jahr. Es ist seltsam einen Ort, ein Jahr später wieder zu besuchen, der dann die ihn gespeicherten Erinnerungen wieder freigibt.

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In den Bücherhallen Bücher gejagt, einem kleinen dunkelhäutigen Mädchen beim tanzen zugeschaut, aus dem Cafe kam Applaus und immer wieder diese Hamburgatmosphäre in mich aufgesogen. Ich liebe diese Stadt.

Gegen Zehn war ich zu Hause, fütterte die Katzen, ging mit den Hunden Gassi, fütterte die Hunde und dann todmüde, las ich Proust. Das dabei nicht viel herauskommen kann ist klar.

Proust: Noch immer im Salon von Oriane, wird sich unter anderem geistreich über Victor Hugo und Balzac unterhalten und darüber ob Literatur denn unbedingt das Hässliche in sich sich aufnehmen müsse, dass Leben sei doch schon grausam genug.

Proust lesen Tag 105-Guermantes-Oriane

Proust: An Tagen wie diesen beschränke ich mich allein darauf, niederzuschreiben was haften blieb. Der Ehemann der Madame de Guermantes liebt sie nicht, ihr verhilft seine Kühle und Strenge ihr nervöses Temperament zu erden. Während Oriane mit ihrer Ausstrahlung, ihrem Charme ihren Salon zu dem Salon überhaupt macht, hat ihr Mann wichtigeres zu tun und flattert von einer Liebe zur nächsten. Und so zeigt sich unter der Oberfläche der bezaubernden, schönen, geistreichen Oriane ein zweites Ich, dieses desillusioniert, bitter und müde.

Kiel:

Früh -Spätdienst und Dauerregen. Mit den Kindern im Wald. Wir schlossen die Augen um den Regen noch deutlicher zu hören.

Während Karlas Tanztraining zum Buchladen (eine Kette) gegangen. Ein Buchhändler und eine Buchhändlerin unterhielten sich über den Islam, ob er zu Deutschland gehöre oder nicht. Der Buchhändler sagte, er verstehe die Frauen nicht die den Islam positiv gegenüberständen, denn diese Religion beschnitte die Frauenrechte. Irgendwie ließ mich das an die letzte Predigt denken, die ich vergangenen Sonntag im Radio  zur Beruhigung auf der Fahrtrour gehört hatte, da ging es darum, dass die Frau dem Manne Untertan sei, es war eine katholische Predigt. Das ich mich verfuhr war zwangsläufig.

Die Buchhändlerin jedenfalls, vertrat den Standpunkt, man könne nicht alle über einen Kamm scheren. Das sei ein Totschlagargument sagte der Buchhändler. Ich nahm mir dann Sarrazin, weil er dort rumlag und sowieso gerade überall besprochen wird. Er, Sarrazin hat nichts dagegen, wenn Menschen sich mischen, aber die Migranten wollen das ja gar nicht, weil sie in ihrer Blase leben wollen, später erstreckt er das auf alle Bevölkerungsgruppen. Man will unter sich bleiben, vermutlich führt das irgendwann zu Ethnopluralismus. Ich hätte es polemischer erwartet, mitgenommen habe ich das Buch nicht. Ich finde wenn man Sarrazin auslegt, sollte man auch Sebastian Haffner daneben legen. Man kann nicht nicht Stellung nehmen.

Proust lesen Tag 103-Guermantes-Denver Clan und die einsame Prinzessin von Parma

Courvoisirs gegen Guermantes, die einen legen Wert auf eine tadellose Abstammung, die anderen folgen dem Adel des Geistes. Wo Gute sind muss es auch Böse geben. Die sozialistischen Ideen der Madame de Guermantes werden trotzdem nicht dazu führen, dass die charismatische Oriane einen mittellosen Künstler heiratet. Adel verpflichtet eben doch und die Rangfolge ist nur solange nicht von Belang, wie eine keine Verwässerung des blauen Blutes zur Folge hat..

Proust beschreibt die Bewegungen der männlichen Dekadenz als Choreografie des Ballettcorps.  Die einsame Prinzessin von Parma kopiert jedwede Bewegung der Madame de Guermante, allerdings ohne deren Esprit und so muss sie sich zuweilen mit 2 Gästen im ihren Salon bescheiden.

Kiel

Nachdem es sich gestern schon angekündigt hatte, musste ich mich heute krankmelden.

Es warf alle meine Pläne durcheinander und ich musste mich zu jedweder Tätigkeit aufraffen. Ich gestalte ein Gebärdenbuch mit Guk Karten, lese neurologische Fachliteratur und warte darauf, dass die Kinder aus der Schule kommen und etwas erzählen. Sie erzählen nichts.

Wetter: relativ kühl, wolkenverhangen.

Innenpolitik: Im Chemnitz kam es nach einem Mord auf einem Stadtfest zu bürgerkriegsartigen Verhältnissen.

Proust lesen Tag 101-Guermantes

Proust: Nach den heutigen zwanzig Seiten, fragte ich mich was ich dazu bloggen sollte. Ich blätterte in „Schmidt liest Proust“. Jochen Schmidt benennt den Salon der Madame de Guermantes als Auslaufgehege des Adels mit bestimmten Gepflogenheiten. Also Marcel ist dort, wo er bereits im ersten Band hinwollte, er hat die nächste Sprosse erreicht.  Hier ist man so höflich und edel, dass es kaum auszuhalten ist. Marcel verliert sich auf dem Weg zum Salon im Anblick echter Elstirs. Er trifft mit 45 Minuten Verspätung  zum mittags oder Abendmahle ein. Vermutlich knurrt allen schon der Magen, aber man lässt sich nichts anmerken.

Kiel: Morgens Proust gelesen. Ich war leider abgelenkt, weil mir die Fahrtour bevorstand-diesmal ohne Gatten.  Nein ich fand den Mut nicht. Der Gatte musste wieder auf den Beifahrersitz. Irgendwann sagte ich, „setz dich mal bitte nach hinten.“ Es ging durch Gaarden, Wellingdorf . Ich bog falsch ab, bzw. fuhr geradeaus wo ich hätte abbiegen müssen. Naja dann fährst du jetzt nach Dietrichsdorf. Irgendwann wendete ich und kam auf eine fiese Kreuzung, auf der ich nun auch noch links abbiegen musste. Die Ampel war rot, stellte für zwei Sekunden auf Grün und fiel dann aus. Irritiert fuhr ich zu spät los, es war schwer zu sehen ob der Gegenverkehr rot hatte, weil alle rasant an die Ampel heranfuhren. Irgendwann hupte es, was ich als Zeichen verstand loszufahren. Ich fuhr also an, mittlerweile hatten die von links grün….es war der Horror. Wir haben die Kreuzung dreimal geübt. Am liebsten wäre ich nicht weitergefahren, aber ich wollte das Negativerlebnis nicht im Gehirn festschreiben und siehe der Rest der Strecke war kein Problem, auch die Geschwindigkeit nicht.

Dann Strand, Wind, Kitesurfer, Hunde, Sonne, Sand, Wellen. Luna und Ubu tobten herum, der Gatte kraxelte über Felsen.

Die Rückfahrt nutzten wir um durch unbekanntes Gelände zu fahren.

Gegen Mittag waren wir wieder zu Hause, der Gatte kochte: es sollte mit Hackfleisch gefüllte Schmorgurken geben, ich erntete Quitten  und begann sie zu zerkleinern. Alles war irgendwie bruchstückhaft. Vorbereitung auf ein Elterngespräch, Förderplanung, Quittengelee. Irgendwann war der goldgelbe Saft zum Abkühlen bereit.

Ich ging eine lange Runde am Fluss entlang, Sonntags ist hier viel los. Jogger, Radfaher, Hunde und Besitzer und einige Angler. Das Schilf am Flussufer rauschte, es singen kaum Vögel, ein paar Blesshühner hörte ich.

Das Wetter war merkwürdig, um die 18 Grad, windig, nicht warm , nicht kalt.

Nach der Hunderunde begann ich aus dem Rest des Quittengelees, Quittenbrot zu machen. Im Garten trafen sich die Musiker um zu proben, Hummeln und Bienen tummelten sich gierig am Borretsch, die Wespen blieben beim Wein.

Relativ müde jetzt.

 

 

 

 

Proust lesen Tag 98-Guermantes-Charlus und Bloch

Proust: Bloch der behauptet, Charlus hätte zu ihm ein besonderes Verhältniss, wird im Beisein von Marcel von Charlus ignoriert.  Heute nur zehn Seiten.

Kiel: Es soll der letzte wirklich warme Sommertag sein. Karla hat eine Probestunde im Ausdruckstanz, ich sehe die Trainerin nicht, höre sie aber. Ich kenne ihre Stimme. Später nennt Karla den Namen, es ist unsere Ehemalige Babysitterin die mir vor zwanzig Jahren zur seite stand. Man merkt das Alter spätestens dann, wenn man in Jahrzehnten denkt, jedenfalls was den Rückblick betrifft.

Nachts regnet es immer wieder heftig, ich schlafe schlecht.

 

Proust lesen Tag 96-Guermantes-Albertine

Proust: Ein Stelldichein mit Albertine, das von François misstrauisch beäugt wird. Anders als beim ersten Mal ist Albertine nun „leicht zu haben.“

Im Kommentar finde ich eine Bemerkung, dass die Textstelle zur Insektenbeobachtung auf abnorme sexuelle Veranlagungen hinweist. Hm. Ich habe das nicht erkannt, aber wie immer, wenn es in der Recherche zur Sache geht, bin ich erstaunt wie freizügig und direkt Proust schreibt. Sexualität ist jedenfalls kein Tabuthema.

Kiel: Eigentlich hatte ich einen Termin in Hamburg, aber ich entschied mich fürs putzen. Später noch ein kurze Hunderunde zum Einkaufsmarkt. Der Holunder ist reif, ich würde zu gern Gelee kochen, aber meist scheitert diese Idee Jahr für Jahr an der Umtriebigkeit der Spätsommermonate.

Abends gab mir eine Bekannte, das Protokoll aus Hamburg durch.

Heute werden in SH die Erstklässler eingeschult.

Wetter: gerade so eben noch warm. Die Wespen sind eine Plage.

Proust lesen Tag 94-Guermantes-der Tod der Großmutter

Proust: Die Großmutter stirbt, und noch am Sterbebett gibt es Menschen die ihren Standesdünkel und egozentrisches Sein bar jeder Empathie, ausleben.

Ausgerechnet hier fehlt mir die Zeit mich tiefer damit auseinanderzusetzen. Die Familie schien sich verabredet zu haben, mich nicht lesen zu lassen.

Kiel/Heidkate

Fahrtour mit dem Gatten, die einwöchige Pause schien nichts negatives bewirkt zu haben. „Fahr nicht so rasant“, mahnte der Ehemann, der meinen Überschwang zu stoppen suchte.

Danach mit Karla beim Pferd. Die Chefin war zurück, Karla durfte reiten, ich unterhielt mich über Bedarf und Bedürfnisse.

Von Drehbuchskills zu Politik, später stieg Karla vom Pferd. Zu Hause wartete bereits Besuch. Anna hatte Kuchen gebacken, ein letzter Familiensonntag bevor die Maschinerie des Alltags morgen beginnt loszurattern. Das gesamte Rudel ist nun wieder im Gleichschritt der Schnelligkeit, anschnallen, fertig los.