Proust lesen Tag 69-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Abreise

Diesmal traf mich das Ende des Bandes unvorbereitet. Es war tatsächlich das Gefühl, an diesem Tag, dieses als einzig vorzeigbare Leistung verzeichnen zu können.

In immer noch glühender Hitze, auf der Terrasse sitzend, rief ich: „Oh ich bin bereits am Ende. „Das rief sofort die Hunde auf den Plan, die heute aus ihrem Meeresurlaub zurückkehrten und dachten, es gäbe etwas zu fressen.

Malina hat sich gemeldet, wir haben uns Jahre nicht gesehen, ihre Leidenschaft für die Musik und das Tanzen, Tango in Berlin. Heute spielt ein argentinisches Tangotrio im Lutterbeker, aber dieses verfluchte Auto ist kaputt. Ich würde hinkommen, aber nicht zurück.

Die Hitze erzeugt eine vollkommene Lethargie und einen völlig verschobenen Tages-und Nachtrhythmus. Ich stehe 3.00 Uhr auf, verrichte alles was zu tun ist: Lüften, gießen, aufräumen, Holundersirup mit Wasser zu mischen und kühl zu stellen, Tierfütterung, Katzenkloreinigung, Säuberung der Näpfe;  bis in die Morgenstunden, nur um mich dann wieder hinzulegen. Die Teenies sind zurück, ab morgen muss ich mich wieder disziplinieren. „So haltet doch die Tür geschlossen“ ermahne ich, um die mühsam errungene Kühle im Haus nicht zu gefährden. Es gelingt nicht. Der Sommer steht nun auch im Haus, trotz spacig verkleideter Alufolienfenster..

Eine plötzliche Zusammenrottung von Wolken, davbringen ein erfrischendes Gewitter. Unerwartet, überraschend, die Vögel jubilieren. Man sieht im Vorort niemanden, erst jetzt hört man erste Stimmen und in einem der Nachbargärten, fröhlich rufende Kinder und das Geräusch platschenden Wassers. Die Temperatur liegt auch nach dem Gewitter bei 30 Grad. Eine leichte Brise, die die warme Luft hin und her bewegt.

Der Gatte ist mit dem Pubertier in Hamburg. Mit dem Mittleren überlege ich ich, uns eine Klimaanlage selbst zu bauen.

Wir stellen Tiertränken auf.

Erste Waldbrände, in der Nähe von Brandenburg bereitet sich ein Ort darauf vor eventuell evakuiert zu werden.

Proust: Es wird kühler in Balbec, der Sommer ist vorbei, Albertine überraschend nach Paris zurückgekehrt. Nach und nach verlassen die Hotelgäste Balbec. Eine Entspannung die Marcel genießt, dennoch werden die nicht vorhandene Heizung und Kamin allmählich zum Problem. Der Sommer in Balbec ist vorbei.

Proust lesen Tag 62-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-wandelbare Albertine

Im Atelier von Elstir findet Marcel Inspiration und erhält Lektionen im wirklichen Sehen. Elstir, der von Marcel gehört hatte, wie enttäuscht dieser von der Kirche Balbecs war, zeigt ihm das mythologische, religiöse und verborgene Wissen, welches in Reliefs und Architekur von Balbecs Kirche  eingeschrieben sind.

Weiterhin wartet Marcel auf die kleine Schar, insbesondere auf Albertine, diese aber taucht immer da auf wo er sie nicht vermutet. So streift Marcel mit Elstir lange am Strand entlang. Er versucht den Maler in ein Gespräch zu verwickeln, um möglichst bis ans Ende der Promenade  zu gelangen,  an der er die kleine Schar vermutet. Vergebens.

Es wurde Abend; wir mußten heim; ich geleitete Elstir ein Stück zu seinem Haus zurück, als plötzlich, wie Mephisto vor Faust“, am Ende der Straße gleich einer unwirklichen, diabolischen Konkretisierung einer meiner eigenen entgegensetzten Wesensart, jener fast barbarischen Vitalität….“ die kleine Schar auftaucht.

Hier an dieser stelle ein Ausflug zum Erscheinungsbild von Albertine, so wie sie Marcel wahrnimmt.

Erste Begegnung an der Promenade in Balbec:  gassenjungenhaft, tief über die Augen gezogene schwarze Polomütze, gerade Nase, blitzende, lachende Augen, geranienfarbener Teint, matt schimmernd-blass, brünett, stolz, unbewegliches Gesicht, groß

2. Begegnung: Albertine mit Gouvernante am Haus: schwarze strahlende Augen, etwas geraderes Profil, Nasenflügel etwas länger, füllige Wangen, rosiger Teint

3.Begegnung: am Fenster von Elstirs Atelier: volle Wangen, forschender verweilender Blick, Schönheitsfleck am Kinn.

4.Begegnung jetzt auf dem Heimweg mit Elstir: Ist es Albertine deren Gesicht Marcel erscheint, als sähe es aus wie ein Kuchen?

„Ich habe gesagt, daß Albertine mir an jenem Abend nicht als die gleiche erschienen war wie an den vorhergehenden und daß sie mir überhaupt jedesmal anders erscheinen sollte. Doch ich spürte in diesem Augenblick, daß bestimmte Veränderungen in Aussehen, Bedeutung und Größe eines Menschen auch von der Wandelbarkeit gewisser zwischen diesem  Wesen und uns bestehenden Gegebenheiten abhängen können,…“

Das so erhoffte ist eingetroffen, aber jetzt macht Marcel einen rückzieher.

Er bleibt stehen, verweilt an einem Schaufenster, lässt den Maler Elstir vorgehen, der die Mädchen kennt,  in der Gewissheit den jungen Damen gleich vorgestellt zu werden. Die Aufregung, die Sehnsucht ist schon der nahen Sättigung, der Erfüllung  gewichen. ER wird sie kennen lernen. Elstir aber, lässt die jungen Damen ziehen, ohne sie Marcel vorgestellt zu haben.

Marcel im Bedauern die Gelegenheit nicht ergriffen zu haben, sinnt über die verschiedenen Albertines nach: Jener der er am Strand zum ersten Mal begegnete, Jener vom Vortag am Fenster von Elstirs Atelier und der Albertine von heute. Um sie so zu sehen, wie er sie beim ersten Mal sah, müsse er aus der Situation herausgehen.

Kiel

Wieder zu Hause. Es ist nichts Bemerkenswertes passiert. Geputzt, gewaschen, aufgeräumt und vermeintlichen Johannitern mit dubiosen Spendenzetteln die Tür gewiesen.

Der Beginn der heutigen zwanzig Seiten, erinnerte mich an eine Studienfahrt nach Chartre. Eine Woche verbrachten wir, damals vor 25 Jahren,  lernend in der Kathedrale, die wir mit jeder dort verbrachten Stunde immer tiefer begriffen.

Das andere betrifft den ersten Eindruck beim Wahrnehmen einer neuen Begegnung und das das was man im ersten Moment wahrgenommen hat, eventuell nicht noch mal auftaucht, wenn man die Person näher kennenlernt. Trotzdem bleibt das Bild im Inneren erhalten, ist wie losgelöst von den Wahrnehmungssplittern die später dazugefügt werden.

Warmer Tag, bedeckter Himmel, kein Regen, ein Jahrhundertsommer.

 

 

 

Proust lesen Tag 58-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Die kleine Schar

Jetzt taucht Albertine auf. Lässig ihr Fahrrad mit einer Hand vor sich her schiebend, inmitten ihrer Freundinnen. Die anderen tragen Golfschläger, ihre Aufmachung unterscheidet sich von allen anderen jungen Mädchen in Balbec. Marcel kann sie keiner Klasse zuordnen. Sie beherrschen ihre Gesten, ihre Körper sind durchtrainiert, ihr Gebaren enthüllt ihre kühle, oberflächliche, harte Natur, zusammengefunden aus dem Widerwillen gegen alles Verweichlichte, Nachdenkliche, Ungeschickte. Sie empfinden sich als eigene Rasse.

So ziehen sie über die Strandpromenade wie ein neuer Komet am Himmel. Eine Bankiersfrau hatte ihren pflegebedürftigen Mann im Schutze des Musikpavillons auf einen Faltstuhl hingesetzt. „Das Podium der Musiker bildete über seinem Kopf ein natürliches, verlockendes Sprungbrett, auf dem ohne zu zögern die Älteste der kleinen Schar ihren Anlauf nahm, dann sprang sie über den erschrockenen Alten hinweg, wobei sie seine Strandmütze mit ihren gewandten Füßen berührte-zum Ergötzen der anderen Mädchen…“

„Der alte Knabe kann einem leid tun; der kratzt sicher bald ab“, bemerkte eines der Mädchen mit rauer Stimme und in halb ironischem Ton.“

Was wenn die Golfschläger Baseballschläger wären? Diese Frage tauchte damals im Seminar auf. Sah Proust das Einbrechen einer neuen Zeit voraus? Weit voraus?

Hamburg

Im Musical gewesen, großes Kino. Ich weiß nicht ab wann hier etwas unter Werbung läuft.

Später am Strand gesessen und gepicknickt. Ich mag Hamburg sehr.

Sah aus als gäbe es eine Wohnung im Container. So ein Tinyhouse das wär mal was.

Proust lesen Tag 56-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Charlus

Baron Charlus trifft in Balbec ein. Ein Herr der nur zwei Finger zur Begrüßung reicht, durchdringender Blick, sich wie ein Geheimagent umsieht und Beunruhigung wie auch Müdigkeit ausstrahlt .  Einer der alles weibische und verweichlichte verachtet, selbst aber mit zuweilen hoher Stimme spricht und schrill lacht. Einer mit einer Maske aus feinem Puder auf dem Gesicht. Allein die Augen lassen hinter der Rüstung etwas erkennen. Durchaus feinsinnig und Ästhet, ebenso bedacht mit Standesdünkel. Mit der Großmutter Marcels, debattiert er über Madame Sevigny und der Liebe zu ihrer Tochter. Um ehrlich zu sein, ich freue mich auf Albertine, weit kann sie nicht mehr sein, auch wenn ich die Persönlichkeitsbeschreibung von Charlus ungemein spannend fand, aber eben erst auf den zweiten Blick.

Mittlerweile verfahre ich mit Proust so, dass ich erst mal alles im Ganzen lese (die zwanzig Seiten), dabei unterstreiche. Am Nachmittag, lese ich den Text noch mal, schlage im Internet nach was mir unbekannt ist, male Beziehungsmuster auf. So gelingt es mir, etwas mehr in die Tiefe zu kommen.

Kiel/Falckenstein/Schilksee

Was für ein Sommertag! Irgendwie arbeitete die Szene von gestern noch in mir. Da waren die haarlosen, robusten Typen mit einer „Liebe zur altdeutschen Schrift.“ (Jochen Schmidt, Schmidt liest Proust).

. Einer von denen hatte das Vaterland quer über seinen breiten Brustkorb tätowiert. Die Teenies die ein eigenes Boot hatten, fingen plötzlich an „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zu singen.

Der Gatte und ich diskutierten über Politik auf der Rückfahrt, mittlerweile endet das in Grabenkämpfen, weil wir die Grautöne nicht finden.

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Aber nun war da dieser sonnige Tag, an dem ich durch Gluthitze zwei Stunden mit den Hunden unterwegs war.

Nebenbei lese ich „Fliegende Hunde“, tolles Buch, aber auch Murray und Le mensch. Das war der Auslöser der Diskussion. Grundsätzlich finde ich, dass es ohne schlechtes Gewissen möglich sein muss, sich verschiedene Standpunkte anzuschauen. Die Zeiten sind unruhig geworden, Daara wurde bombardiert-zehntausende auf der Flucht, über England schwebt ein aufgeblasener Trump in Windeln, man diskutiert über an und nicht angebrachtes Mitleid.

Anna backt eine dreistöckige Torte, während ich versuche maßzuhalten um das Übergewicht einzudämmen, gleichzeitig denke ich über den Irrsinn der Leningraddiät nach. Und immer wieder schwappt diese gestrige Szene in mir hoch.

Proust lesen Tag 54-Im Schatten junger Mädchenblüte-Erster Aufenthalt in Balbec-Saint Loup

Wie wertvoll sind Takt, Feinheit, Diskretion und vornehme Unaufdringlichkeit, wenn gewisse Leute wie Chateaubriand, Vigny, Hugo oder Balzac-eingebildete Menschen ohne Urteilsvermögen, es auch so zu etwas gebracht haben? Das fragt sich Marcel.

Abends legt er der Großmutter die skizzenhaften Eindrücke der menschlichen Wesen vor, die er vermutlich des Tages traf.

Saint-Loup trifft in Balbec ein, dieser ist der Neffe der Madame Villeparisis und beeindruckt zunächst durch Schönheit, (Marcel beschreibt den Eindruck eines überlegenen Sportsmannes), Eleganz und eisiger,hochmütiger Miene. Jedoch der Anschein trügt, er scheint allein für die Dinge des Geistes zu brennen, verbringt Stunden mit dem Studium von Nietzsche und Proudhon und hat eine Neigung zum Sozialismus. Marcel und Saint-Loup freunden sich.

Antisemitismus: „Eines Tages, als wir am Strand im Sand saßen, hörten wir beide, Saint-Loup und ich, aus dem mit Tuch bespannten Strandhäuschen, an das wir uns lehnten, Verwünschungen gegen die Judeninvasion ausstoßen,von der Balbec heimgesucht sei. „Man kann keine zwei Schritte gehen“, hörte man jemand sagen, ohne daß man auf welche stößt. Ich bin nicht grundsätzlich gegen das Judentum eingenommen, doch hier herrscht ein Überangebot. Auf Schritt und Tritt hört man etwas wie: Nu hör Apraham, hab ich den Jakop gesein.“ Man denkt man sei in der Rue dÁboukir“ Der Mann, der in dieser Weise gegen Israel eiferte, trat endlich aus dem Häuschen; wir schauten auf und sahen den Antisemiten. Es war mein Kamerad Bloch.“

Bloch Halbjude, der damals selbst vom Onkel Marcels mit antisemitischen Sprüchen bedacht wurde, der Bergotte mag und kein Benehmen kennt.

Die Juden seien in Balbec schlechter assimiliert als in Paris, bewegten sich immer nur in ihrer eigenen homogenen Gruppe, seien mit keinem anderen Element durchsetzt, so beschreibt es Marcel.

Kiel/Eidertal

Für die erste Seite der der heutigen Zwanzig brauchte ich eine geschlagene Stunde. Jeden Namen schlug ich nach. Auch die Phädra las ich an, endlich. 

Im Wohnwagen bei pladdernden Regen, „Divines“ noch einmal gesehen. Das Leben zweier Mädchen im Banlieu, die schnell an das große Geld kommen wollen. Das war gestern. 

Heute ging die Tour durchs Eidertal, Vogelgesang, Grillengzirpe, drückende Schwüle. Auf einer morschen Brücke saßen Kinder und ließen die Beine ins trübe Wasser der Eider baumeln.

 

 

 

Proust lesen Tag 52-Im Schatten junger Mädchenblüte-Balbec-Kutschfahrt mit Madame de Villeparisis

Morgens in Balbec:  Marcel zieht die Vorhänge ungeduldig auf um das Meer zu sehen.

 

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„Denn keines dieser Meere blieb länger als einen Tag. Am nächsten schon war ein anderes da, das manchmal dem vorherigen glich.Nie aber habe ich zweimal dasselbe gesehen.“

Marcel erleidet einen Fieberanfall und darf fortan nicht mehr zu lange in der Sonne verweilen. So fahren sie fortan auf den holprigen Straßen des Festlandes in der Kalesche von Madame de Villeparisis an der „Kühle und dem weichen Wogen“ entlang. Die Apfelbäume haben ihre Blüten verloren und erste Fruchtansätze gebildet. Marcel fühlt sich dem Meer nicht mehr nah genug: „es kam mir nicht lebendig vor, sondern lag da wie erstarrt.“ Madame Villeparisis denkt fortschrittlicher als angenommen und nimmt die Republik in Schutz und hält Menschen die nicht arbeiten für Taugenichtse, was sich in diesem Fall eher auf den Adel bezieht.

Marcel erfreut sich an ihren Reden, vereinzelt auftauchenden Kornblumen und Landmädchen.

Norpois  findet wieder Erwähnung.

Krusendorf/Kiel

Dünen, Steilküste, menschenleerer Steinestrand, gesäumt von Huflattich, Schachtelhalm, Kamille und Schilf.  Oben auf dem Dünenweg, wogende Felder von Weizen, Gerste und Hafer. Auf dem Stein im Meer sitzt ein Kormoran, hinten im Bild ein bewegungslos verharrendes Kriegsschiff.

Windschiefe Bäume, die Rufe nach den Hunden verhallen im Wind und dem Rauschen der Wellen.

Urlaub: Die Katzenfrau kam noch mal vorbei um sich von den Katzen zu verabschieden. Überraschend stellten wir fest, dass unsere beiden Grazien einen gewissen Bekanntheitsgrad haben.

Der Router ist ersetzt, ich habe mir „Fliegende Hunde“ bestellt und die Katzen gewöhnen sich langsam ein.

Proust lesen Tag 49-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Ankommen in Balbec

Kiel/Heidkate

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Wind und sich aufbäumende Wellen

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Letzter Arbeitstag, noch einmal knackig….

Am Abend endlich wieder am Meer gewesen. Karla hat ein Zeugnis mit 1,9 nach Hause gebracht. Woher nimmt sie ihre Kraft?

Proust: Die Möbel im Hotelzimmer sind Marcel gegenüber feindselig gestimmt, selbst die Standuhr redet unablässig in einer fremden Sprache-vermutlich über ihn.

Heimat-ist allein die Großmutter.

 

Proust lesen Tag 48-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Balbec

Außerdem ist heute Tagebuchbloggen bei Frau Brüllen und ich bin mit dabei.

Proust: Zehn Seiten. Mittlerweile wissen die Kinder, dass mir diese Zeit heilig ist.

Marcel ist in Balbec angekommen und zutiefst enttäuscht, denn seine Vorstellung von der meerumtosten Kirche unterMöwengeschrei  ist nicht deckungsgleich mit dem was er vorfindet. Es ist ein Urlaubsort der nichts von der schroffen Einsamkeit hat, die er sich vorstellte. Am liebsten will er zurück nach Paris. Weg vom falschen Marmor des Grandhotels und dem Fehlen des gewohnten Umfeldes.

Kiel

Kühler, wolkenverhangener Tag mit vereinzelten Nieselregentropfen. Die Disteln blühen lila und verströmen schweren süßen Sommerduft.

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Morgens treffen im Sekundentakt Whats App Nachrichten ein. Madita fragt ob Karla nicht Lust hätte Jasmina auf dem Bauernhof zu besuchen, Lina erzählt vom Verliebtsein und Luise von der Konferenz.

Keine besonderen Vorkommnisse bei der Arbeit, dafür aber zu Hause. Die Teenies werden verpflichtet beim Bewältigen des Wäscheberges mitzuhelfen. Sie können entscheiden: Miete zahlen mit Vollpension oder Mithilfe im Haushalt. Irgendwann ist der Wäscheberg bewältigt, das Wohnzimmer aufgeräumt, das Bad geputzt.

Ich muss noch am Computer arbeiten, einen Kinderbericht zu Ende schreiben, Fotos sortieren. Ein Gassigang mit den Hunden.

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Es ist der letzte Tag vor dem Wochenende und einem dreiwöchigen Urlaub.

Man darf es kaum erwähnen, aber an grauen Tagen wie diesen, an denen das Licht der kleinen Stehlampe den Schreibtisch erhellt, beginne ich mich auf die Herbsttage zu freuen.

Politik: In Österreich wurde per Diktat und trotz Massenprotesten der Zwölfstunden Arbeitstag beschlossen.

Proust lesen Tag 46-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Balbec

Kiel/Falckenstein

Nicht ganz in der Zeit geblieben und so datiere ich die frühen Morgenstunden des 4. Juli auf den dritten Juli zurück.  Im wunderbaren Blog von Buchwolf, noch einmal seine Zusammenfassung des ersten Bandes von der Recherche gelesen. Mein Fehler liegt vermutlich darin, mich nicht auf das Mikroskopieren einzulassen. Ich könnte , um dem abzuhelfen, mich auf zehn Seiten beschränken. Das wäre zumindest eine Überlegung wert. Vorerst belasse ich aber alles beim Alten. Denn wie gesagt, der Urlaub ist in Sichtweite.

Karlas Abschiedsgrillen mit der Klasse. Für den größten Teil der Klasse ist es nur der Abschied von der Unterstufe.

Lach-und Silbermöwen umrundeten beharrlich das Buffett, die Silbermöwen sind die penetranteren.

Sie verschmähen weder, Melonenschale noch Chips, hingeworfene Fakeleckerbissen ignorieren sie hochmütig, bedenken es mit einem spöttischen Lachen.

Mit der Fähre zurück, endlich der Versuch die zwanzig Seiten zu lesen. Noch immer ist das Auto kaputt.

img_20180703_212232.jpgProust: Etwa zwei Jahre später. Marcel hat es gegenüber Gilberte fast zu vollkommener Gleichgültigkeit gebracht. Zwei Jahre! Eine Reise in das Seebad Balbec wird geplant. Marcel freut sich zunächst darauf. Er hofft auf die veränderten Rituale, Gewohnheiten und Eindrücke um dem „von der Seßhaftigkeit erstarrten Alltag“ etwas entgegenzusetzen. Andererseits, als er erfährt, dass er nur mit der Großmutter reisen wird, verfällt er in Sorge.

Einige der einprägsamsten Sätze, waren für mich heute die Sätze über die Erinnerung, die noch zur Gilberte Episode gehörten.

„Daher lebt der beste Teil unseres Gedächtnisses außerhalb von uns, in dem feuchten Hauch eines Regentages, dem Geruch eines ungelüfteten Raumes oder dem Geruch eines eben entzündeten, aufflammenden Feuers, das heißt überall da, wo wir uns selbst wiederfinden, was unser Verstand als unverwendbar abgelehnt hatte, die letzte Reserve, die beste, der Vergangenheit, die, wenn all unsere Tränen versiegt scheinen, uns immer neue entlocken wird.“

Proust lesen Tag 44-Im Schatten junger Mädchenblüte-Entsagung-S.240-260

Marcel versucht noch immer die Liebe in sich abzutöten, nennt es: „Die wohltätige Macht der Entsagung.“

„Das einzige was mir wichtig war, meine Beziehung zu Gilberte, zerstörte ich selbst mit Fleiß, indem ich nach und nach durch die Dauer der Trennung von meiner Freundin wenn auch nicht die Gleichgültigkeit bei ihr, so doch, was auf dasselbe herauskam in mir entstehen ließ.“

Im Prinzip fasst der Satz die gesamten zwanzig Seiten von heute zusammen.

Sonntag/Kiel

Ein Marder im Dach…..

Nach Haushalt und Kochen am Meer entlang

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Ein Kaffee im Strandkorb.

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Gelesen : Lincoln im Bardo

Politik: Seehofer will den Crash im Asylstreit und träumt von einer Achse Deutschland, Österreich , Tschechien, Ungarn, um 22.45 bietet er seinen Rücktritt an, entsagt der Macht dann aber doch nicht.