Proust lesen Tag 19-In Swanns Welt-S.360-380

Kiel/Vorort

Im Salon Verdurin wird sich immer noch in Eloquenz versucht. Vermeintlich sprachgewitzt gibt man gibt vor, Dinge zu wissen, verbreitet Halbweisheiten, versucht humorvoller, geistreicher, spitzfindiger als der Nachbar zu sein und lässt es an Gemeinheiten nicht fehlen. Ich google Antiorleanismus, Google spuckt „an die ole animus“ aus.

Der Gatte sagt etwas von Hausfrauenproust, ich erwidere etwas von „Hausfrauenproust gegen Hausfrauenblues.“ Sauer bin ich nicht, es ist einfach zu warm um sich zu echauffieren.

Und Abitur habe ich keines, festzustellen an mangelnder Sicherheit in der Rechtschreibung und erheblichen Lücken im Geschichtswissen. Mein Vater ist nach der sechsten Klasse abgegangen, er wurde Gas und Wasser Installateur. Seine Rechtschreibung war makellos, sein Geschichts- und Musikwissen umfassend. Er schrieb meiner Mutter damals eine Philosophiehausarbeit für ihr Studium. Es wurde eine glatte Eins. Der dozent sah sie daraufhin mit anderen Augen. „Wenn sie das ab jetzt immer so hinbekommen würden Frau W.?“

“ Wie hast du dir dieses Wissen angeeignet, Papa?“ „Gelesen habe ich Kind, gelesen.“

Der mit der Trompete da rechts auf meiner Blogseite, das ist er, mein Pfälzer Vater, aber ich will nicht abweichen.

Das nicht vorhandene Abitur taugt nicht als Ausrede. Am Ende ist es der Wille, das Interesse oder Beides.

„Marleen hat Recht“, der Gatte zieht die Stirn kraus, „du verschenkst deine Ideen.“  

„Ist nicht meine Idee“, hab ich dir schon mal erklärt, ist die Idee von Jochen Schmidt und der hat sie schon mal verschenkt.“

Mit den Kindern in der Kita erneut Holunder gesammelt. Wir werden Gelee und Sirup einkochen. Über den Platz wehen zyklische Sandschwaden, staubtrocken ist es. Ein Kind staunt, als das Wasser nicht in die Erde läuft. Der Jasmin blüht, die Rosen auch.

„Noch nie in meinem fünfundsiebzigjährigen Leben habe ich solch einen Mai und Juni erlebt. Das Korn ist verdorrt, die Landwirte haben ein Problem“, erzählt ein Großvater beim abholen.