Proust lesen Tag 137-Sodom und Gomorrha-Charlus und die Liebe zu Morel und von ausgesetzten Pubertieren, die in der Wildnis überlebten.

 

Der Himmel ist wolkenverhangen und trotzdem noch leicht. Draußen ist es kühl, aber die Sommerblumenmischung blüht noch immer. Eine Wespe verirrte sich im Badezimmer.

Proust: Nun erschließt sich mir, warum Charlus damals als er das erste Mal in der Recherche auftauchte, mit dem ruhelos dubiosen Blick eines Stasispitzels auftrat. Charlus lebt von der geheimnisvollen Aura und ist es gewohnt seine Spuren zu Liebhabern zu vertuschen. Etwas Lack ist ab, wenn man ihn mit der Erscheinung vom ersten Balbecaufenthalt vergleicht. Leicht verfettet, hinter der Schminke bleich und lange nicht mehr so souverän. Er schafft den Absprung bei Morel nicht, obwohl dieser hinterhältig, egoistisch, falsch und snobistisch ist. Wie damals schon Swann, der in der Liebe zu Odette jedes Maß verlor, spioniert Charlus Morel hinterher, göttliche Szene im Bordell. Mein Gott warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, dass als Serie zu verfilmen. 

Um persönliche Statements gehts ja nicht so sehr, aber der offensichtlich im Niedergang begriffene Charlus ist meine Lieblingsfigur.