Proust lesen Tag 102-Guermantes

Proust: Madame de Guermantes nimmt es als Zwang des Adels, bzw. als lästige Beigabe, dass man statt spannende Bücher zu lesen, Salongeplauder veranstalten muss.

Mir wäre es lieber, sie würde spannende Bücher lesen.

Kiel: Das wetter schlägt Kapriolen. Morgens kalt und regnerisch, nachmittags warm, durchsetzt mit schwüler Luft, furchtbar. Der Organismus weiß nicht, auf was er sich einstellen soll.

Der Arbeitstag gelang. Nachmittags fühlte ich mich angeschlagen, schlief eine Stunde, ging eine mittlere Hunderunde und beschloss den Holunder auf später zu verschieben. Manchmal hat der Tag einfach zu wenig Stunden. Ich bin dabei, die Gebärdensprache wieder zu aktivieren. Das bedeutet Vorbereitung und viele Hausaufgaben.

Proust lesen Tag 99-Guermantes-Soap

Proust: nicht wundern. Der 98. Tag ist zurückdatiert….aber jetzt bin ich wieder in der Spur.

Marcel hat von Sain Loup gehört, dass Mademoiselle Sternmaria schnell nachgeben wird. Er beginnt die Körperpflege und das Styling für den ersehnten Tag bereits 48 Stunden vorher. In die Rasur platzt Albertine, sie soll ihm helfen das Candlelightdiner mit vorzubereiten. Albertine von der geliebten Göttin, gefallen zur Lückenbüsserin.

Falls er besagte Dame an dem Abend nicht herumkriegen würde, bliebe immer noch Albertine. Von Freundschaft hält er auch nichts und ich beginne mich darüber zu ärgern, dass ich für diesen neurotischen, beziehungsgestörten Typen, die von Panikattacken heimgesuchte, tiefsinnige und vielschichtige Psychologin sitzen lasse, bei der ich irgendwann noch mit erleben will, wie sie sich dem Leben wieder stellt, das Haus verlässt..

Zum Glück kommt dann noch dieser Satz: „Wir nutzen unser Leben kaum, lassen in den spät dämmernden Sommerabenden oder in den frühen Winternächten die Stunden unvollendet, die doch ein wenig Friede oder Genuss einzuschließen schienen.“

Kiel: Deutlich Kühler. Sprühregen, Herbstluft, in der Kita haben wir Holundergelee eingekocht.

Später schreibe ich einen Bericht, er kostet mich fünf Stunden, während der Gatte die Hamburgtour übernahm.

Haushaltsarbeit im Anschluss, wirft die Frage auf, warum ein Haus grundsätzlich zum Chaos überlaufen will, es könnte sich genauso gut für Ordnung entscheiden.

Irgendwann ist die Wäsche bewältigt, kommt Karla von der Probe, hat Anna Freundinnenbesuch und bin ich gut gelaunt, weil ich mein Programm geschafft habe.

Die Tage werden rasant kürzer.

Proust lesen Tag 78-Guermantes-Doncieres

Proust: Eine erste Anspielung auf Homosexualität, jedenfalls ist es für mich die erste Anspielung die ich wahrnehme. Sain Loup zeigt sich scherzhaft eifersüchtig, weil Marcel einen ganzen Abend lang mit einem Kameraden sprach.

Marcel versucht nun dem eigentlichen Grund seiner Reise, nämlich Eintritt in die Welt der Guermantes über Saint Loup zu bekommen, Rechnung zu tragen. Immer wieder bittet er Saint Loup aus verschiedensten Gründen, sich bei seiner Tante für Marcel zu verwenden.

Noch ist es Winter in Doncieres, aber man denkt bereits über den Frühling nach, den Marcel bereits wieder in Balbec verbringen wird.

Man weiß nicht ob man Marcel nicht wünschen sollte, den Frühling besser in Doncieres als in Balbec zu verbringen. Das strukturierte und einfache Leben in der Garnision scheint mindestens ebenso gesundheitsförderlich zu sein wie die frische Seeluft.

Kiel/Krusendorf

Glumm schrieb in seinem Beitrag, man würde bei dieser Hitze zu Gemüse werden. Passend. Drückende, schwüle Hitze, einzig der wolkenbedeckte Himmel kann als erholsam gelten. Nicht ein Tropfen Regen. Die Bäume werfen die Blätter tatsächlich ab, raschelndes vertrocknetes Laub unter den Füßen.

Am Gartenteich treffen sich kleine und große Libellen, Wespen und Kohlweißlinge.

Mehrheitlich habe ich an diesem Tag herumgesessen, gelesen, gekocht, und wieder gelesen. Es geht einfach nicht viel. Ein spontaner Besuch einer Bekannten des Gatten. Sie erzählt von schlaflosen Nächten durch das schlaflose Baby. Man vergisst so schnell wie das damals war. Abends noch zum Strand gefahren, nach Krusendorf wie so oft in den letzten Wochen. Die Hunde toben in den Wellen und wir genießen das Gefühl Luft zu bekommen.

Noch später geht der Gatte zu einem abendlichen Treffen bei den Nachbarn vorbei.  Ich bleibe zu Hause und sehe mit Karla „Mamma Mia“ den ersten Teil. Alle ihre Freundinnen sind im Urlaub, so muss sie mit mir Vorlieb nehmen. Karla mag Meryl Streep und  überhaupt den ganzen Film.