Proust lesen Tag 116-Sodom und Gomorra- Albertine-Hambacher Forst

Kiel:

Trotz täglicher Kurkumamilch kam dann auch noch das Fieber.

Also, was macht man, wenn man eigentlich lieber arbeiten würde, aber gezwungen ist zu Hause zu bleiben? Ich begann den Tag mit Vera F. Birkenbiehl, die ich bis dahin noch nicht kannte. Danke Pia!

Ein ganz wunderbarer ironischer, weiser und neurobiologisch fundierter Vortrag über die Heilkraft der Positivität, vorgetragen in atemberaubender Geschwindigkeit und sprühendem Esprit. Etwas an ihrer Körpersprache irritierte mich. Später las ich: sie ist Asperger Autistin gewesen.

Ich beobachtete einen Ohrenkneifer, der eine Ameise unter die Fuge der Holztreppe schleppte.

Am Nachmitag sah ich mir Charlies Schokoladenfabrik auf englisch an. Der Humor Willi Wonkas liegt mir sehr.

Ein warmer Tag, spätsommerlich, aber viel bekam ich davon nicht mit.

Erst jetzt lese ich; ein junger Journalist kam im Hambacher Forst zu Tode. Was für eine bittere Nachricht.

Die Räumung wurde vorerst ausgesetzt.

Proust: Marcel und Albertine verstricken sich in Nähe und Distanzkämpfe.

Proust lesen Tag 115-Sodom und Gomorra

Mit einem Klacken fallen, die Eicheln vom Baum, eher springen sie. Junge Eichhörnchen  springen hinterher.  Es ist bereits recht warm als ich zur Arbeit gehe, später als sonst.

Libellen fliegen zusammen mit Wespen immer dicht über den Sand, als würden sie die Ritterburg observieren, die später ein paar Füßen zum Opfer fällt.

Die Erkältung hat auf mich übergegriffen, das Aspirin überdeckt die Halsschmerzen, aber nicht den Schnupfen.

Der Tag hat zu wenig Stunden.

Proust: Endlich hat Marcel die Soiree verlassen. Bei Francoise, die eilig die Schüsseln wegräumt (sie hatte nur ein paar Happen gegessen), fühle ich mich wohler.

Marcel erwartet Besuch, Albertine hat sich angekündigt.

Proust lesen Tag 114-Sodom und Gomorra

Kiel:

Es wird wieder warm und die spät ausgesäte Wildblumenmischung steht in voller Blüte.

Der Sommer gibt nicht auf. Hier sind alle erkältet mit trockenem Husten und Halsschmerzen. Die Arbeit macht im Moment besonders viel Freude, auch wenn sie mich fordert.

Schwebwespen sind unterwegs, überall blüht der Hornsauerklee.

Proust: Bei der Soiree wird Swann gemieden, weil er für Dreyfus ist, Saint Loup schwärmt von Bordellen.

Proust lesen Tag 113-Sodom und Gomorra-Nordart-Hambacher Forst

Kiel/ Rendsburg

gelesen, gelesen, gelesen: Proust und Goethe

Abends auf der NordArt gewesen.

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Julius zum Hambacher Forst: Ich verstehe nicht, wenn der Braunkohleausstieg beschlossene Sache ist, dass die noch roden müssen. 

Das ist doch richtig gut, dass die sich in den Baumhäusern für die Natur einsetzen. 

„Ich verstehe das auch nicht, sagte ich, und am liebsten würde ich sofort mitdemonstrieren aber das Gesetz ist auf Seiten der Polizei und RWE, leider. Und dann sehe ich die Bilder, brutale Übergriffe von fünf Polizisten auf eine junge Frau, das ist Irrsinn, verrückt  und es macht wütend. 

Karla zum System der DDR: „Wenn du das System für richtig gehalten hast, warum bist du dann geflohen?“ 

„Ich habe es lange für richtig gehalten, ich bin so erzogen worden Karla. Und die Idee einen neuen Menschen zu schaffen von außen, das funktioniert nicht. Irgendwann so mit 16, als ich begann zu arbeiten, habe ich gesehen mit welchen Mitteln gearbeitet wurde, Meinungsfreiheit, Staatssicherheit, Repression wenn man von der gewünschten Meinung abwich, blödsinnige Fünfjahrespläne, einseitige Information bzw. Desinformation, aber es gab auch wirklich viele Dinge die gut waren, bezahlbare Mieten, wenig Lohnunterschiede, Kindergärten, Bildung, Krankenversorgung. Ich halte dieses System in dem wir jetzt leben, in dem das Geld nahezu alles bestimmt, auch für äußerst fragwürdig. Es lohnt sich, sich über Gegenentwürfe Gedanken zu machen.

Man sieht der Film: Good Bye Lenin beschäftigt uns.

Proust: Auf der Soiree von Madame Guermantes. Man findet sich in den Lastern, zum Beispiel diesem: des stundenlangen Monologisierens. Proust nimmt hier Mechanismen aufs Korn, die man auch heutzutage vorfindet, nur das das alles natürlich in kleineren Rähmchen abläuft.

„Eine Dame der Gesellschaft aber hat nichts zu tun, und wenn sie im Figaro liest: „gestern haben der Fürst und die Fürstin von Guermantes eine große Soiree gegeben und so weiter“, ruft sie bestürzt: Wie! Vor drei Tagen erst habe ich eine stunde mit Marie-Gilbert gesprochen, und sie hat mir nichts davon gesagt!“ Dann zerbricht sie sich den , um herauszubekommen, was sie den Guermantes wohl angetan haben könnte.

Zur Lesetruktur: Ich werde mich nicht mehr an die zwanzig Seiten halten, sondern lesen bis eine Stelle auftaucht, bei der es mir Spaß macht sie zu verbloggen.

Proust lesen Tag 112-Sodom und Gomorra-Charlus

Proust: Ich bin beim nächsten Band angelangt. Der Gatte meint er würde mir nicht mehr folgen, denn es falle ihm einfach schwer zu verstehen wer mit wem zusammenhängt.

Natürlich lässt mich das zweifeln, ob ich so weitermache oder nicht.

In diesen ersten fünfzig Seiten des neuen Bandes gibt es ein klares Bekenntnis zur Homosexualität.  Charlus.

Kiel:

Kühler sonniger Tag mit klarer Luft und interessanten Kommunikationsfallen, alle behebbar. Endlich den Sauerteigansatz angesetzt.

Räumung im Hambacher Forst.

Gleich sehen wir unseren wöchentlichen Familienfilm. Ich war dran mit entscheiden. Wir sehen: Good Bye Lenin

Kurze Proustpause-Tagebuchbloggen

 

Bei Frau Brüllen ist wieder Tagebuchbloggen und ich bin mit dabei.

„Julius was würdest du eigentlich machen?“, frage ich meinen 14 jährigen Sohn. Ich sitze nach der Arbeit zufrieden, aber erschöpft im Lesesessel und überlege ob ich es wagen soll oder nicht.

„Du weißt ja, ich hab da jeden Tag dieses Proustprojekt und bisher war es für mich auch okay mal müde zu lesen und Gefahr zu laufen, nur einen minimalen Teil mitzubekommen. Aber jetzt bin ich an einer Stelle, an der es wirklich schade wäre Disziplinlesen auszuüben.“

„Heißt es nicht Qualität vor Quantität?“, fragt der Sohn lächelnd und geht die Treppen hinauf.“ Ich lege Proust erleichtert zur Seite. Karla hat morgen Geburtstag, ich darf noch ihren Geburtstagstagstisch decken. Und sonst?

Was habe ich heute eigentlich gemacht?

8.00 Uhr auf dem Parkplatz gestanden und nach Jemanden Ausschau gehalten der mir beim Tragen der Apfelkisten helfen könnte. Irgendwann kam C. und half tragen.

Apfelsaftpresse im Garten aufgebaut, Waschanlage, Tische mit Brettern und Messern.

In der noch kühlen morgendlichen Herbstluft prasselte ein Feuer und erzeugte diesen typischen würzigen Herbstduft mit Spuren von Äpfeln und Holzfeuer. Die Bosköppe waren ergiebig. Die Kinder zerkleinerten mit Feuereifer Äpfel, schredderten, kurbelten und jubilierten als der goldgelbe Saft in den Topf floss.

Zum Mittag gab es Safranreis mit Hackfleisch, später Blaubeerpudding. Gegen 17.00 verließ ich die Kita, telefonierte, Whats appte, hing Wäsche auf.

Ich genieße den früheren  Einbruch der Dunkelheit, der einem das schlechte Gewissen nimmt. Nur noch schnell den Kuchen aus dem Ofen nehmen, den Geburtstagstisch decken  und dann schlafen, ich bin so müde.

Mit Proust geht es spätestens Samstag weiter.

Proust lesen Tag 109-Guermantes-Chemnitz

Kiel:

Nach dem Hamburgtag gestern, begann der Morgen damit, dass ich mein Auto überbrücken musste weil ich das Parklicht angelassen hatte. „Was für ein Start in den Montagmorgen!“, rief mir eine junge Frau mitleidig zu.

Es wurde noch einmal warm, der Hornsauerklee blüht und es sieht aus als würde die Magnolie zur dritten Blüte ansetzen. Ich war lange auf Whats App, freute mich über den wunderbaren Blumenstrauß der Nachbarin, beschriftete Marmeladengläser, kaufte ein, buk Kuchen. Die Katzen sonnten sich auf der Dachterasse, ich verwaltete die Wäsche, während auf Whats App Bewegung war.

Anna hatte ihre erste Übungsstunde auf dem Verkehrsübungsplatz.

Innenpolitik: In Chemnitz findet ein Protestkonzert statt, ein wir sind mehr Konzert. 50.000 Gäste.

Habe gerade gelesen, dass auch in Kiel eine „Wir sind mehr“ Demo stattfindet. Kiel ist in der „Bild“ (Werbung) 4000 Demonstrierende.

Proust: Es ist so wie es Jochen Schmidt sagte: nach gefühlten hunderten von Seiten Salon, bemerkt Madame de Guermantes, dass es bei ihr an diesem Abend todlangweilig wäre. Es fühlt sich an als würde Proust sich über den Leser lustig machen. Ich habe mich so dermaßen gelangweilt im Salon der Madame de Guermantes!

Proust lesen Tag 108-Sonntag-Guermantes

 

Ich stelle mich weder links noch rechts auf. Ich bin nicht jüdisch, evangelisch, katholisch, nicht Hindu, nicht Muslima, aber auch nicht atheistisch. Ich hänge nicht einer Pädagogikrichtung an, ich glaube nicht die Wahrheit zu kennen, ich bin gegen Dogmen und für selbstständiges Denken. Ich versuche mir ein Bild zu machen von der aktuellen, innenpolitischen Lage, immer habe ich das Gefühl nicht genug zu wissen, nicht richtig zu interpretieren, ich nehme mir die Zeit nicht mich umfassend zu informieren.

Aber: Chemnitz hat es geschafft in meine Träume einzudringen. Gewalttaten machen mir Angst, egal wer sie verübt und eine aufgebrachte Menschenmenge die brüllt: „auf die Fresse und „keine Gewalt“ macht mir Angst. Wohin entwickelt sich Deutschland?

Proust: Ich bin froh, dass auch Jochen Schmidt, diese Tour durch den Salon als Herausforderung betrachtet. Eine sich anbiedernde Prinzessin von Parma, Abstammungsgenealogien und eine endlose Sucht sich den vermeintlich einem gebührenden Platz zu sichern.

Proust lesen Tag 107-Guermantes

Kiel:

Holunder gepflückt, Quitten auch, ein wunderbarer Herbsttag. Sechzehn Gläser Quitten und Holundermarmelade sind dabei herausgekommen. Brenesselsamen gesammelt, angebraten und zum Salat hinzugefügt. Ein Eichhörnchen sprang mir vor die Füße, es soll ein hartes Jahr für sie werden, die Hitze wirkt sich auch hier aus. Ein wenig gelesen, telefoniert, Gassi gegangen. Ein ruhiger Tag-hier.

Ein Telefonat, in dem es irgendwie wieder um Politik geht. Ich merke an, dass ich nicht verstehe, dass man Gefährder wieder ins Land holt, weil Gefahr besteht, dass sie in ihrem Land gefoltert würden. „Nein, Nein sagt H., so einfach ist das nicht. Das Problem ist, das das Verwaltungsrecht nicht eingehalten wurde. Es gibt Gesetze, Verfahren, die müssen eingehalten werden, sonst öffnet man der Gesetzlosigkeit Tür und Tor. “ das leuchtet mir ein.

Innenpolitik: Trauermarsch der AFD in Chemnitz, mehrere tausend Demonstranten, man sprach von 8000 und 4500 Gegendemonstranten.

Ich denke an dieses Jahr zurück: Es brachte Hamburg, zwei neue Katzen, den Schulwechsel von Anna, politische Veränderungen

Proust: Oriane gibt spitzzüngig zu verstehen, dass sie Charlus für homosexuell hält, denn:

Er trauert komisch um seine Frau: „Er geht alle Tage zum Friedhof und erzählt ihr, wieviele Personen er zum Dinner gehabt hat.“

Sie lebten ja auch wie Heilige zusammen.

ER hat Zartgefühl, etwas Weibisches.—————-

Durch wie viele Salons werde ich noch gehen?

 

Proust lesen Tag 106-Guermantes-noch immer Salon

Hamburg:

Überall Straßenmusiker/innen mit teilweise fantastischen Stimmen. Ich wanderte die Hafencity entlang, wie auch schon im letzten Jahr. Es ist seltsam einen Ort, ein Jahr später wieder zu besuchen, der dann die ihn gespeicherten Erinnerungen wieder freigibt.

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In den Bücherhallen Bücher gejagt, einem kleinen dunkelhäutigen Mädchen beim tanzen zugeschaut, aus dem Cafe kam Applaus und immer wieder diese Hamburgatmosphäre in mich aufgesogen. Ich liebe diese Stadt.

Gegen Zehn war ich zu Hause, fütterte die Katzen, ging mit den Hunden Gassi, fütterte die Hunde und dann todmüde, las ich Proust. Das dabei nicht viel herauskommen kann ist klar.

Proust: Noch immer im Salon von Oriane, wird sich unter anderem geistreich über Victor Hugo und Balzac unterhalten und darüber ob Literatur denn unbedingt das Hässliche in sich sich aufnehmen müsse, dass Leben sei doch schon grausam genug.