Proust lesen Tag 48-Im Schatten junger Mädchenblüte-Namen und Orte-Balbec

Außerdem ist heute Tagebuchbloggen bei Frau Brüllen und ich bin mit dabei.

Proust: Zehn Seiten. Mittlerweile wissen die Kinder, dass mir diese Zeit heilig ist.

Marcel ist in Balbec angekommen und zutiefst enttäuscht, denn seine Vorstellung von der meerumtosten Kirche unterMöwengeschrei  ist nicht deckungsgleich mit dem was er vorfindet. Es ist ein Urlaubsort der nichts von der schroffen Einsamkeit hat, die er sich vorstellte. Am liebsten will er zurück nach Paris. Weg vom falschen Marmor des Grandhotels und dem Fehlen des gewohnten Umfeldes.

Kiel

Kühler, wolkenverhangener Tag mit vereinzelten Nieselregentropfen. Die Disteln blühen lila und verströmen schweren süßen Sommerduft.

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Morgens treffen im Sekundentakt Whats App Nachrichten ein. Madita fragt ob Karla nicht Lust hätte Jasmina auf dem Bauernhof zu besuchen, Lina erzählt vom Verliebtsein und Luise von der Konferenz.

Keine besonderen Vorkommnisse bei der Arbeit, dafür aber zu Hause. Die Teenies werden verpflichtet beim Bewältigen des Wäscheberges mitzuhelfen. Sie können entscheiden: Miete zahlen mit Vollpension oder Mithilfe im Haushalt. Irgendwann ist der Wäscheberg bewältigt, das Wohnzimmer aufgeräumt, das Bad geputzt.

Ich muss noch am Computer arbeiten, einen Kinderbericht zu Ende schreiben, Fotos sortieren. Ein Gassigang mit den Hunden.

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Es ist der letzte Tag vor dem Wochenende und einem dreiwöchigen Urlaub.

Man darf es kaum erwähnen, aber an grauen Tagen wie diesen, an denen das Licht der kleinen Stehlampe den Schreibtisch erhellt, beginne ich mich auf die Herbsttage zu freuen.

Politik: In Österreich wurde per Diktat und trotz Massenprotesten der Zwölfstunden Arbeitstag beschlossen.

Was machst du eigentlich so Mittwochs?-Hamlet oder der Duft von Grillwurst

Es ist wieder mal der 5. und Frau Brüllen fragt:  “ Was machst du eigentlich den ganzen Tag am 5?“ Link

„Geh etwas zur Seite“, sage ich zum Gatten, „denn in deiner Sonne, bekomme ich einen Stich.“ Habe den gestrigen Tag mit einer vierstündigen Hamletverfilmung ausklingen lassen.

Es ist 7.00 Uhr morgens. Der Gatte plant den Tag. „Alles gut mit dir?“, fragt er mich besorgt.  „Den Stich scheinst du schon zu haben.“

. „Sei unbesorgt, nur Shakespeare ists, der mich umtreibt. Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“

Ich öffne den Kühlschrank, dieser ist voller Steaks, schon gebraten. Es war also doch kein Traum.

„Hat die Prominenz auf die Figur geachtet oder wieso ist dieses halbe Schwein hier in Kühlung?“ Ein erster Cappucino, ein Blick in den Lokalteil. „Wieso stehst du denn nicht in der Zeitung? Schließlich warst du auch da“, maule ich. Der Gatte zuckt mit der Schulter, vielleicht auch mit beiden.

Vor mir liegt ein Tag am Schreibtisch.  „Na wenigstens kommt Ulysses mit der Post. Die Kinder fahren zur Schule. Ich beginne zu sitzen und zu schreiben. Über vestibuläre, kinästhetische, auditive und visuelle Dinge. Das ist kein ganzer Satz, raunt mir der Geist einer  Deutschlehrerin mahnend zu.  Ich aber, bestehe auf mein Recht, mich in Halbsätzen ausdrücken zu dürfen, inklusive freiheitlicher Kommasetzung. Die Sätze beherrsche ich, die Kommasetzung nicht, aber man kann ja pokern.

Der Postbote kommt, Ulysses hat er nicht dabei.  Die Kinder kommen, sie haben die Geschichten ihres Tages dabei. Sie haben Punkte verschoben. Und debattiert über die Frage ob der Lehrer im Buch nun mitschuldig war am Tod der Schülerin, dabei essen sie Steak. “ Naja, er hätte sich professionelle Hilfe holen können“,  meint Anna. Vertrauenslehrer sind ja nicht ausgebildet, die sind nur gewählt.“ Ich widerspreche. Sie haben studiert Kind, von wegen nicht ausgebildet.“

„Wie fandest du eigentlich das Buch, Mama?“

„Ich mochte es nicht. Es war mir zu schlecht geschrieben. Und dir?“

„Ich fand es auch nicht so besonders. Also ich fand, der Vertrauenslehrer hätte hinterher gehen müssen, nicht einfach sitzen bleiben. Er hätte sich an nen Psychologen wenden müssen, weil Lehrer Psychologie nicht studieren, schon gewusst? In einem Jahr und einem Monat bin ich 16. Da kann ich den Führerschein beginnen und mir Energiedrinks kaufen.“ Sprichts und verzieht sich zum T-Shirt besprayen.

Julius sitzt am Referat. Es ist jetzt Nachmittag und die Sonne scheint. Mein Kopf ist leer, der Hund muss raus.   Hinter der Haustür beginnt das, was der Kieler gemeinhin Wald nennt. Am See wird der geschaffte Schulabschluss gefeiert.  Es riecht nach Grillwurst. Der Hund zieht an der Leine. Der Hund ist aber auch müde. Er mag das warme Wetter nicht und wenn er keine Grillwurst bekommt, dann will er auch nicht gehen.

Ich ziehe und zerre. Positive Verstärker habe ich nicht bei mir.  Auf: „Zu Hause gibt’s Leckerli“, reagiert er nicht. Da hilft nur Zwang. Er wiegt 40 Kilo.

Zuhause setze ich mich an den Schreibtisch. Ich bin müde. Ich will ein Steak. Wacher macht das auch nicht.  Ich sitze und schreibe über Koordination und Kognition. Irgendwann ist es geschafft. Ich freue mich auf Hamlet, dieses Mal zum lesen. Shakespeares Sprache ist so voller Ironie und Sprachwitz. Auch nach hunderten von Jahren ists noch aktuell.

Ein dicker Brummer dreht im Wohnzimmer seine Runden. Ich schicke den Hund auf Jagd, ergreife das zusammengerollte Poster von Che Guevara um den Feind siegreich in die Flucht zu schlagen. “ Ich bin allgemein gemein“, deklamiere ich, noch immer aus Hamlet.  Denk an die Schweinebuchtstrategie! Der Hund versteht nur Schwein und schaut sofort nach der Grillwurst. Das Mistvieh, der Brummer,  entkommt. Der Hund war mal Jagdhund. Der kriegt keine Grillwurst! Nun ist es Abend geworden. Der Nachbar feiert das bestandene Abi mit Grillparty. Der Hund bellt, weil er von der Grillwurst was abhaben will.

So war er der 5…..