Proust lesen Tag 121-Albertine-Selbstintoxikation

Bazillen der Schwermut so nennt es Terezia Mora in ihrem Roman „Das Ungeheuer“, Keime der Toxikation so nennt es Proust und benennt damit nicht die Schwermut, sondern die Eifersucht, die ich in diesem Falle, als Flucht vor Schwermut deute. Denn so oft von Liebe oder Verliebtheit die Rede ist, so ist sie vergiftet von Sehnsucht, Festhalten wollen, Eifersucht. Gerade eben war alles noch gut, dann holt Cottard die Giftspritze raus, der Patient wie gelähmt spürt das Gift warm durch seine Adern rinnen, das Ausmaß der Vergiftung aber, begreift er erst später. Begreift er dann, als er sich nicht mehr konzentrieren kann, die Gedanken an Albertine kreisen, das Misstrauen sich breit macht. Es ist es eine Leere, eine Sehnsucht, die durch eine andere Sehnsucht überdeckt wird, um die Ursprungswunde nicht spüren zu müssen, bzw sie überhaupt erst mal wahrzunehmen. Vermeidung durch Ersatzdrogen. Ob der Schmerz geringer ist bleibt zu fragen. Oder aber ist es die suche nach dem Seelenpartner? Demjenigen mit dem man rund und heil wird?

Kiel:

Am Morgen:

Draußen war es kühl. Eine Krähe ließ eine Walnuss auf die Strasse fallen. Vielleicht wartete sie auf ein Auto, dass ihr half die Nuss zu knacken. Ich hob die Nuss auf.“

Tut mir leid Krähe, auch ich muss mich im Loslassen üben“, sagte ich und stieg (mit schlechtem Gewissen ) ins Auto. Die Nuss sollten die Kinder auf dem Jahreszeitentisch ansehen können.

Ich las über Heldenreisen, dem Suchen nach dem Schlüssels, steinigen Wegen, Lehrjahre und Herrenjahren.

Auch das, beruflich bedingt.

Eine What’s App aus Japan. Trami hatte dort gewütet. Überschwemmungen und teilweise kein Strom, so schrieb Yulia.

Alltag.

Karla hat sich einen Kleiderschrank gekauft. Das Kinderzimmer wird entsorgt, der nächste Lebensabschnitt wartet.

Ich habe gearbeitet, im Moment ist das eine sehr spannende Geschichte und bereichert sehr.

5 Antworten auf „Proust lesen Tag 121-Albertine-Selbstintoxikation

  1. ich würde ja gerne mal einen psychotheapeuten auf proust los lassen. manchmal denke ich, dass der vielleicht ne angststörung gehabt haben könnte.

      1. Und wie! Obwohl er ihr gegenüber auch ganz schön heftig sein konnte. Vor ein, zwei Jahren ist ein neuer Band mit Briefen von ihm erschienen – falls Du nach der Lektüre Proust noch lesen kannst ..

      2. Oh danke für den Tipp! Vielleicht ist ja Symbiose ähnlich katastrophal wie Vernachlässigung. Ich frage mich das bereits die gesamten 121 Tage. Wo liegt der Ursprung in Marcels symbiotischen Beziehungen?

      3. Ich kenn mich da nicht aus. Aber es gab da einen starken und etwas distanzierten Vater. Interessanterweise haben Schwule oft so eine extrem enge Bindung zur Mutter (aber nicht nur!). Irgendwie klappt da so eine gewisse Trennung zwischen Mutter und Kind nicht, was aber notwendig ist. Ich schau mal, ob ich da was mehr ausbekomme und berichte dann.

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